Der südkoreanische Aktienmarkt verzeichnet am heutigen Freitag einen seiner stärksten Handelstage der Geschichte. Nachdem der Leitindex KOSPI in den vergangenen Wochen massiv an Wert verloren hatte, löste eine kombinierte Welle aus starken US-Technologiezahlen und neuen staatlichen Regulierungsmaßnahmen eine beispiellose Aufwärtsbewegung aus. Erstmals in der laufenden Woche stabilisierte sich die Lage nachhaltig, wobei der Index zeitweise Rekordzuwächse im Intraday-Handel verbuchte.
Halbleiter-Schwergewichte treiben den Markt
Auslöser der heutigen Rally sind vor allem die jüngsten Geschäftsergebnisse der US-Technologiekonzerne Microsoft und Amazon. Insbesondere das starke Wachstum im Cloud-Bereich von Microsoft, dessen Azure-Sparte ein währungsbereinigtes Plus von 43 Prozent meldete, zerstreute Sorgen über eine nachlassende Dynamik bei Investitionen in Künstliche Intelligenz. Diese Entwicklung wirkte sich unmittelbar auf die großen südkoreanischen Chiphersteller aus, die als zentrale Zulieferer für die globale KI-Infrastruktur gelten.
Die Aktien von Samsung Electronics und SK Hynix verzeichneten am Freitag zeitweise Kursgewinne von über 20 Prozent. Medienberichten zufolge wurden aufgrund der extremen Aufwärtsbewegung sowohl für den KOSPI als auch für den technologielastigen KOSDAQ sogenannte Kauf-Sidecars ausgelöst. Dieser Mechanismus unterbricht den computergesteuerten Programmhandel für fünf Minuten, um die Volatilität in Phasen extremer Preissprünge zu dämpfen. Mit dem heutigen Plus von 14,14 % notiert der KOSPI bei 6.412,66 Punkten. Trotz dieser massiven Erholung liegt der Index weiterhin 31,68 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, das er Mitte Juni erreicht hatte.
Staatliche Eingriffe gegen Spekulation
Parallel zur Markterholung greift die südkoreanische Finanzaufsicht FSC (Financial Services Commission) hart durch. Ab dem heutigen Freitag gelten verschärfte Regeln für gehebelte Einzelaktien-ETFs, die in den vergangenen Wochen maßgeblich zur Instabilität beigetragen haben sollen. Anleger müssen nun ein Mindestguthaben von 30 Millionen Won in bar vorweisen, um neue Positionen in diesen hochriskanten Produkten zu eröffnen. Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen werden dabei nicht mehr als Sicherheit anerkannt.
Laut der Nachrichtenagentur Yonhap plant die Aufsichtsbehörde zudem eine Deckelung der Investitionen auf 20 Prozent des jeweiligen Portfolios. Finanzminister Koo Yun-cheol hatte sich zuvor für die massiven Marktturbulenzen entschuldigt, bei denen der KOSPI innerhalb eines Monats zeitweise rund 40 Prozent seines Wertes eingebüßt hatte. Analyst Han Ji-young von Kiwoom Securities wies darauf hin, dass die monatliche Rendite zuvor mit minus 33 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht hatte, was technisch gesehen zu stark überverkauften Bedingungen führte.
Rekordgewinne bei Samsung und SK Hynix
Die fundamentale Basis für die heutige Erholung bilden die beeindruckenden Quartalszahlen der führenden Halbleiterkonzerne. Samsung Electronics meldete für das zweite Quartal einen Rekordumsatz von 171,5 Billionen Won und einen operativen Gewinn von 89,5 Billionen Won – eine Steigerung um das 19-fache im Vergleich zum Vorjahr. Auch SK Hynix erzielte mit einem operativen Gewinn von 60,5 Billionen Won einen neuen Höchstwert, wenngleich das Ergebnis leicht unter den Markterwartungen lag.
Mit der heutigen Kursbewegung ist es dem Index gelungen, wieder über den gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage zu steigen, zu dem er aktuell einen Abstand von 4,15 % aufweist. Während institutionelle Anleger und ausländische Investoren bereits gestern als Nettokäufer auftraten, verhielten sich Privatanleger laut Handelsdaten zuletzt vorsichtig und realisierten Verluste aus gehebelten Positionen. Die Analysten von Goldman Sachs hatten zuvor die Marke von 6.800 Punkten als einen entscheidenden technischen Widerstand identifiziert, den der Markt nun wieder ins Visier nimmt.
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