Der südkoreanische Leitindex KOSPI steht am heutigen Dienstag unter Verkaufsdruck, nachdem geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise die jüngsten Erholungsversuche gebremst haben.

Während der Markt am Montag noch von einer Erholung an der Wall Street profitieren konnte und fester schloss, dominieren heute Sorgen über die Stabilität der globalen Lieferketten das Geschehen auf dem Parkett in Seoul. Der Index notiert aktuell bei 6.246,77 Punkten, was einem Rückgang von 0,59 % entspricht.

Halbleiter-Exportboom trifft auf geopolitische Risiken

Die Marktstimmung wird heute maßgeblich von neuen Spannungen in der Straße von Hormus und dem damit verbundenen Anstieg der Rohölpreise belastet. Die Sorte WTI kletterte zuletzt über die Marke von 80 US-Dollar pro Fass. Diese Entwicklung trifft die exportorientierte südkoreanische Wirtschaft empfindlich und führte laut Marktbeobachtern zu einer verstärkten Rotation in den Portfolios.

Besonders die Schwergewichte aus dem Technologiesektor gerieten ins Hintertreffen: Die Aktie von SK hynix verzeichnete zeitweise Verluste von fast drei Prozent, während Samsung Electronics sich vergleichsweise stabil hielt.

Dabei zeigen die fundamentalen Daten der heimischen Wirtschaft eine massive Dynamik im Kerngeschäft mit Mikrochips. Nach Angaben des südkoreanischen Zolls stiegen die Exporte in den ersten zehn Tagen des Augusts im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45,3 % auf insgesamt 21,3 Milliarden US-Dollar.

Besonders hervorstechend ist das Plus bei Halbleitern, die mit einem Zuwachs von 155,4 % ein Volumen von 10 Milliarden US-Dollar erreichten. Damit entfielen fast 47 % der gesamten Exporte dieses Zeitraums auf die Chipindustrie.

Das Korea Development Institute (KDI) hob in seinem aktuellen Wirtschaftsbericht hervor, dass sich der Aufwärtstrend der koreanischen Wirtschaft, getragen durch den Halbleitersektor, zusehends festige.

Regierung startet Milliardenprogramm für die Chipindustrie

Um die globale Wettbewerbsposition langfristig zu sichern, hat die Regierung in Seoul den Start eines neuen Halbleiterfonds im Volumen von 5 Billionen Won angekündigt, was etwa 3,52 Milliarden US-Dollar entspricht. Diese Mittel sollen gezielt in die Bereiche Material, Komponenten und Ausrüstung sowie in Fabless-Unternehmen fließen. Flankiert wird die Maßnahme durch zusätzliche Handelsfinanzierungen für Zulieferer in gleicher Höhe.

Dieses Programm ist Teil eines weitreichenden Megaprojekts, das Gesamtinvestitionen von über 576 Milliarden US-Dollar durch Branchenriesen wie Samsung und SK hynix vorsieht. Geplant ist unter anderem der Aufbau eines massiven Industrie-Clusters in Yongin, der bis zum Jahr 2041 eine Stromkapazität von 14,7 Gigawatt benötigen wird.

Um Platz für die Expansion zu schaffen und die logistische Infrastruktur zu verbessern, sieht die Planung zudem vor, den Militärflugplatz in Gwangju bis Mitte 2028 zu verlegen. Ein neues Gesetz, der „Mega Special Zone Act“, soll die bürokratischen Verfahren für diese Infrastrukturvorhaben beschleunigen.

Analysten sehen Stabilisierung am Speichermarkt

Trotz der heutigen Kursverluste, die den KOSPI seit Jahresbeginn auf ein Plus von 48,23 % begrenzen, bleiben die langfristigen Aussichten für den koreanischen Aktienmarkt unter Analysten ein zentrales Thema.

Die Experten von Morgan Stanley wiesen darauf hin, dass die Korrekturphase bei Speichermedien beendet sein dürfte und die Bewertungen derzeit attraktiv erscheinen. Zwar könnten sich die Preissteigerungen bei High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) ab dem vierten Quartal verlangsamen, die Nachfrage bleibe jedoch robust.

Parallel dazu gibt es sehr optimistische Stimmen für die weitere Indexentwicklung: Die Analysten von Goldman Sachs halten an ihrem Kursziel für den KOSPI von 12.000 Punkten fest. Analyst Han Ji-young von Kiwoom Securities empfahl Anlegern angesichts der aktuellen Volatilität eine Barbell-Strategie, um sowohl von der technologischen Erholung als auch von defensiveren Marktsegmenten zu profitieren.

Während institutionelle Anleger heute als Nettoverkäufer auftraten, bleibt das Interesse der Privatanleger am heimischen Markt bestehen, auch wenn zuletzt vermehrt Kapital in US-Technologiewerte abfloss.