Der südkoreanische Leitindex KOSPI zeigt sich am heutigen Mittwoch stabilisiert und trotzt einem anhaltenden Abgabedruck durch ausländische Investoren.

Während die globalen Märkte gespannt auf die Quartalszahlen des US-Halbleitergiganten Nvidia warten, stützen großvolumige Aktienrückkäufe der heimischen Schwergewichte Samsung Electronics und SK hynix die Notierungen in Seoul. Der Index notiert aktuell bei 6.750,50 Punkten, was einem leichten Zuwachs von 0,1 % entspricht.

Halbleiter-Riesen stützen den Gesamtmarkt

Die Kursentwicklung wird maßgeblich von den beiden größten Index-Schwergewichten beeinflusst. Samsung Electronics und SK hynix haben umfangreiche Programme zur Stützung ihrer Aktienkurse eingeleitet.

SK hynix führt derzeit einen Aktienrückkauf im Volumen von 40 Billionen Won durch, der auch die anschließende Vernichtung der Anteile vorsieht. Das Programm ist auf einen Zeitraum von drei Monaten angelegt und zeigt Wirkung: Trotz massiver Nettoverkäufe durch ausländische Anleger konnte sich das Papier behaupten.

Parallel dazu hat Samsung Electronics am Montag mit dem Rückkauf eigener Anteile im Wert von 15 Billionen Won begonnen. Diese Maßnahme dient primär der Mitarbeitervergütung und soll bis zum 21. November abgeschlossen sein. Analysten bewerten diese Schritte als notwendige Reaktion auf die jüngste Volatilität im Technologiesektor.

Dennoch gibt es Stimmen am Markt, die bei Samsung ein noch aggressiveres Vorgehen bei den Rückkäufen erwartet hätten, da ein Großteil des langfristigen 110-Billionen-Won-Pakets voraussichtlich in Form von Dividenden ausgeschüttet wird.

Fokus auf Nvidia und sektorweite Rotation

Das Marktgeschehen ist am heutigen Mittwoch von einer abwartenden Haltung geprägt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen die Erwartungen an den Chiphersteller Nvidia, dessen Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 laut Konsensschätzungen rund 92 Milliarden US-Dollar erreichen könnte.

Ein solches Ergebnis entspräche einem Wachstum von 97 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Da südkoreanische Unternehmen als zentrale Zulieferer für Hochleistungsspeicher (HBM) fungieren, hängt die Stimmung im KOSPI unmittelbar an diesen Zahlen.

Abseits der Chipbranche war gestern eine deutliche Sektor-Rotation zu beobachten. Während Technologiewerte unter Druck standen, verzeichneten Unternehmen aus dem Bereich Kernkraft und Bauwesen kräftige Kursgewinne.

So legten Werte wie Hyundai Engineering & Construction und KEPCO KPS zweistellig zu. Diese Bewegung deutet darauf hin, dass institutionelle Anleger ihre Portfolios breiter aufstellen, um die Abhängigkeit vom Halbleiterzyklus zu reduzieren.

Anlegerverhalten und Währungseffekte

Die Handelsdynamik offenbart eine tiefe Kluft zwischen den Anlegergruppen. Am Dienstag verzeichneten ausländische Investoren Nettoverkäufe in Rekordhöhe von rund 3,95 Billionen Won. Dem standen massive Zukäufe heimischer Institutionen und privater Anleger gegenüber. Besonders aktiv zeigten sich juristische Personen – oft ein Indiz für die Durchführung der angekündigten Rückkaufprogramme durch die Unternehmen selbst.

Laut Einschätzung der Analysten von NH Securities dürften die massiven Rückführungsprogramme der Chipkonzerne auch Auswirkungen auf den Devisenmarkt haben. Der südkoreanische Won könnte durch die Mittelrückführungen gestützt werden, wobei die Experten eine Handelsspanne von 1.340 bis 1.350 Won pro US-Dollar als untere Begrenzung ansehen.

Trotz der jüngsten Schwankungen weist der KOSPI seit Jahresbeginn eine Performance von 60 % auf, was die starke Erholung des Marktes im bisherigen Jahresverlauf unterstreicht. Die Anleger bleiben jedoch vorsichtig, da die Margin-Kredite am Markt mit über 32,6 Billionen Won weiterhin auf einem hohen Niveau verharren.