Die Woche begann düster für Südkoreas Leitindex. Am Donnerstag hatte der KOSPI noch bei 7.513 Punkten geschlossen – ein Niveau, das nach Wochen volatiler Abwärtsbewegung verunsicherte. Dann kam Freitag. Und mit ihm ein Kurssprung, der die Börse in Seoul zum Kochen brachte.

Der Auslöser: US-Präsident Donald Trump signalisierte eine mögliche diplomatische Annäherung mit dem Iran. Das reichte für eine fulminante Rally. Der KOSPI eröffnete am Freitag bei 8.349 Punkten – ein Plus von 7,54 Prozent gegenüber dem Vortagsschluss.

Sidecar aktiviert

Innerhalb weniger Minuten waren die Verluste der vergangenen Krisentage vergessen. Die Kursmaschine lief so heiß, dass die Korea Exchange um 9:06 Uhr Ortszeit die Programmkäufe für fünf Minuten stoppte. Grund: Der KOSPI-200-Future war um mehr als fünf Prozent gestiegen. Es war bereits der zwölfte „Sidecar“-Eingriff in diesem Jahr – ein deutliches Zeichen, wie stark gehebelte ETF-Ströme den Markt treiben.

Ausländische Investoren waren mit einem Schlag zurück. Nach elf Handelstagen als Nettoverkäufer drehten internationale Fonds ins Plus. Sie kauften am Freitag per Saldo Aktien im Wert von 332,9 Milliarden Won. Institutionelle Anleger legten noch drauf: 461,1 Milliarden Won netto. Dem gegenüber standen Verkäufe privater Anleger in Höhe von gut 794 Milliarden Won – Gewinnmitnahmen auf dem Höchststand.

Chipwerte als Zugpferd

Die Erholung fußt auf einem Bein – und das ist schwer. Der Halbleitersektor, der rund die Hälfte der gesamten Börsenkapitalisierung des KOSPI ausmacht, trug etwa 72 Prozent zu den Indexgewinnen bei.

Samsung Electronics schoss um 10,8 Prozent nach oben auf 331.500 Won. SK Hynix legte 8,7 Prozent zu auf 228.500 Won. Beide profitieren nicht nur vom geostrategischen Stimmungsumschwung, sondern auch von der anhaltend starken Nachfrage im KI-getriebenen HBM-Zyklus (High-Bandwidth Memory).

Die Breite der Rally beeindruckte ebenso. Doosan gewann 15,3 Prozent, Samsung C&T legte 11,2 Prozent zu. Auch Samsung Electro-Mechanics, LG Innotek und Samsung SDI verzeichneten zweistellige prozentuale Zuwächse. Gemieden wurden defensive Werte: Hyundai Movex verlor zwei Prozent, Caregen 1,4 Prozent.

Technische Wende

Noch vor zwei Tagen galt der KOSPI als stark überverkauft. Der RSI lag bei 38,7 – nah an der Grenze zum überverkauften Bereich. Jetzt ist er auf 58,5 geklettert. Der Index selbst notiert mit 8.388 Punkten klar über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 7.014 Punkten und dem 200-Tage-Durchschnitt von 7.708 Punkten.

Der nächste große Widerstand liegt beim Allzeithoch von 8.933 Punkten, das am 2. Juni erreicht wurde – der Abstand beträgt nun rund 5,7 Prozent. Die Eröffnungsmarke von 8.349 Punkten dient vorerst als Unterstützung.

Won erholt sich

Der koreanische Won profitierte ebenfalls von der Entspannungssignale aus Washington. Die Landeswährung kletterte am Morgen über die Marke von 1.520 pro Dollar auf 1.518,5 – der stärkste Stand seit Tagen. Die zuvor beobachtete Abkopplung zwischen steigenden Aktien und fallender Währung scheint vorerst gestoppt.

Am Rohstoffmarkt reagierte vor allem Rohöl mit deutlichen Abschlägen. Brent fiel um fast zwei Prozent auf 88,79 Dollar je Barrel. Grund: Die Drohung eines militärischen Schlags gegen den Iran wurde vorerst zurückgenommen.