Während viele Marktteilnehmer die Stimmung noch als grundsätzlich bullisch einordnen, spricht der Aktienmarkt in Seoul eine andere Sprache. Der KOSPI bricht um 10 Prozent ein. Der Ausverkauf der KI-Aktien, der gestern an der Wall Street begann, hat Südkorea in voller Wucht erreicht.

Samsung verliert 13 Prozent, SK Hynix zieht mit deutlichen Abschlägen nach. Beide Konzerne hängen stark am globalen KI-Zyklus, entsprechend hart trifft sie die Verunsicherung rund um die Bewertungen der großen Tech-Namen. Der japanische Nikkei gibt parallel 4 Prozent ab — der Abverkauf bleibt nicht auf Korea beschränkt, sondern erfasst die gesamte Region.

Warnsignale aus dem Kreditmarkt

Der eigentliche Auslöser liegt nicht an der Börse, sondern im Anleihemarkt. Die Risikoprämien, die große US-Hyperscaler für Kredite zur Finanzierung ihrer KI-Infrastruktur zahlen müssen, steigen spürbar. Am deutlichsten zeigt sich das bei Oracle: Die Kosten für eine Absicherung gegen einen Kreditausfall (CDS) erreichen dort ein Niveau, das zuletzt während der Finanzkrise zu beobachten war.

Für Anleger ist das ein ungewöhnliches Signal — normalerweise laufen Aktien- und Kreditmarkt nicht so weit auseinander, wie es in den vergangenen Tagen der Fall war. Jetzt gleicht sich die Aktienseite offenbar an das an, was Anleihehändler bereits seit einiger Zeit einpreisen.

Zusätzlich belastet die Unsicherheit rund um die Fed-Entscheidung, die morgen ansteht. Eine mögliche Zinsanhebung steht im Raum — ein Szenario, das viele Marktteilnehmer bislang nicht auf dem Schirm hatten. Ab morgen legen zudem die großen Tech-Konzerne ihre Quartalszahlen vor.

Ob die Zahlen der Hyperscaler die Sorgen rund um die KI-Finanzierung dämpfen oder verstärken, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen. Die Fed-Entscheidung morgen liefert dabei einen zweiten möglichen Belastungsfaktor für den KOSPI.