Liebe Traderinnen und Trader,
während die US-Inflationsdaten für Juli exakt im Rahmen der Erwartungen lagen – 3,4 Prozent im Jahresvergleich, Kernrate 2,5 Prozent –, hat sich die Aufmerksamkeit der Trader in eine Richtung verschoben, die viele nicht auf dem Zettel hatten: weg von den ausgereizten KI-Chip-Werten, hin zu deutschen Industrie- und Rohstoffwerten sowie der zweiten Reihe der KI-Infrastruktur. Die großen Halbleitertitel konsolidierten, K+S und TKMS lieferten dagegen handfeste, mit Zahlen unterlegte Kaufargumente. Auch bei CoreWeave und Super Micro zeigt der zweite Blick, dass gleiche Kursreaktion nicht gleiche Qualität bedeutet. Und ein Abstecher zu den Verlierern des Tages erinnert daran, dass längst nicht jede Industrie-Story trägt.
K+S hebt die Latte, Kalisalz wird zur Inflations-Story
K+S hat die EBITDA-Prognose für 2026 auf 680 bis 760 Millionen Euro angehoben – zuvor waren 630 bis 730 Millionen Euro angesetzt. Die Grundlage dafür lieferte ein zweites Quartal, das den Konsens spürbar übertraf: Umsatz von 978 Millionen Euro, ein Plus von 12 Prozent zum Vorjahr, und ein EBITDA von 176 Millionen Euro – rund 20 Prozent über den Erwartungen der Analysten. Auch der freie Cashflow soll 2026 nun im mittleren bis höheren zweistelligen Millionenbereich liegen. Dazu kommt strategische Substanz: K+S übernimmt die Salzsparte des polnischen Chemiekonzerns Qemetica für 350 bis 380 Millionen Euro, der Abschluss ist für das erste Quartal 2027 geplant. Die Aktie notiert bei 14,84 Euro, ein Plus von 2,49 Prozent – nach einem Jahresgewinn von bereits über 18 Prozent. Für Anleger, die auf inflationsresistente Sachwert-Substanz setzen, ist das eines der saubersten Chart-Setups im MDAX-Umfeld.
Auch TKMS bleibt ein Trendtrade. Der Rüstungs- und Werftkonzern hat nach starken Neun-Monats-Zahlen – Umsatz 1,9 Milliarden Euro, ein Plus von 19 Prozent – die Jahresprognose bereits zum zweiten Mal angehoben: Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent und eine bereinigte EBIT-Marge von bis zu 6,5 Prozent, gestützt auf einen Auftragsbestand von über 25 Milliarden Euro. Metzler reagierte prompt und hob das Kursziel auf 115 Euro bei Kaufempfehlung an. Die Aktie notiert rund 6,8 Prozent höher bei 94,50 Euro – nach einem Jahresgewinn von bereits über 40 Prozent. Jenoptik zog mit rund 4 Prozent auf 41,10 Euro nach und bewegt sich damit weiter in der Nähe seines Jahreshochs; binnen zwölf Monaten hat sich der Titel mehr als verdoppelt. Der gemeinsame Nenner dieser drei Werte: Sie laufen nicht wegen eines abstrakten KI-Versprechens, sondern wegen konkreter, überprüfbarer Zahlen – genau das Muster, das an Bedeutung gewinnt, wenn die Chip-Euphorie nachlässt.
Dass Rüstungs- und Industriewerte wie TKMS und Jenoptik derzeit die Kurstafeln anführen, ist kein Zufall – dahinter steht ein tieferer Strukturwandel durch Robotik und Künstliche Intelligenz, der ganze Branchen neu ordnet. Ein aktueller Report zeigt, welche Unternehmen von den Milliarden-Investitionen in diese Technologien profitieren und wie sich der Wandel für Anleger konkret nutzen lässt. Jetzt Report zur industriellen Revolution sichern
CoreWeave schlägt Super Micro – trotz identischer Kursreaktion
Auf der KI-Infrastrukturseite haben CoreWeave und Super Micro fast zeitgleich Zahlen vorgelegt, die beide Aktien zeitweise um mehr als 20 Prozent nach oben katapultierten. Der Blick unter die Motorhaube zeigt jedoch, warum die Bank of America die beiden Werte gegensätzlich bewertet. CoreWeave meldete einen Quartalsumsatz von 2,58 Milliarden Dollar, ein Plus von 112 Prozent zum Vorjahr, dazu einen Auftragsbestand von 104 Milliarden Dollar zum Ende Juni plus weitere 25 Milliarden Dollar an neuen Deals im dritten Quartal. BofA-Analyst Liani bestätigt sein Kaufrating mit einem Kursziel deutlich über dem aktuellen Konsens von 134,71 Dollar – rund 27 Prozent Potenzial. Super Micro wiederum stellte für das Geschäftsjahr 2027 einen Umsatz von 65 bis 72 Milliarden Dollar in Aussicht, weit über dem Konsens von 53 Milliarden – die Aktie sprang zeitweise auf 36,34 Dollar, ein Plus von 15 Prozent. Doch BofA-Analyst Bhattacharya stuft den Titel als „Underperform“ ein: Die aktuellen Margen seien nicht nachhaltig, ein negativer freier Cashflow werde erwartet. Der Konsens traut Super Micro entsprechend nur ein Kursziel von 39,50 Dollar zu – gerade einmal 10 Prozent Potenzial. Wer beide Titel im Depot hat, sollte diese Divergenz genau im Blick behalten: gleiche Rallye, aber ein grundverschiedenes Chance-Risiko-Profil.
Nucera und Bilfinger erinnern daran, dass nicht jede Industrie-Story trägt
Den Gegenpol zu K+S und TKMS liefern zwei weitere DAX-/MDAX-Titel. Thyssenkrupp Nucera rechnet für das laufende Geschäftsjahr nun mit einem Verlust von 135 bis 155 Millionen Euro – deutlich schwächer als zuletzt kursierende, optimistischere Schätzungen. Bilfinger traf es an der Börse noch härter: Die Aktie fiel um 5,86 Prozent auf 76,25 Euro und markierte mit 72,55 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Auch E.ON gab nach Halbjahreszahlen um rund 3,6 Prozent nach. Das Bild ist damit gemischter, als die Schlagzeilen über Rekordstände vermuten lassen – Stockpicking bleibt in diesem Marktumfeld wichtiger als der Index-Blick.
CoreWeave und Super Micro haben nahezu identische Kurssprünge hingelegt – und doch bewerten Analysten die beiden Werte komplett gegensätzlich. Ein Report ordnet die zehn wichtigsten Big-Data-Aktien rund um den KI-Megatrend ein und hilft, Substanz von reiner Kursfantasie zu unterscheiden. Jetzt die Top-Big-Data-Aktien entdecken
Gold bleibt der bevorzugte Absicherungstrade, Bitcoin zuckt kaum
Die erwartungsgemäß ausgefallenen US-Verbraucherpreise haben Gold weiter beflügelt: Der Wochengewinn liegt bei 7,3 Prozent, auf Jahressicht steht ein Plus von 32 Prozent zu Buche. Auch Silber legte um mehr als 2 Prozent zu. Untermauert wird die Nachfrage durch strukturelle Käufer wie die chinesische Notenbank, die im Juli rund 20 Tonnen Gold zukaufte. Bitcoin dagegen rutschte nach den Daten unter die Marke von 64.000 Dollar und fand darin weder Grund zur Rallye noch zum Ausbruch aus seiner wochenlangen Spanne – ein Kontrast zur gestrigen Ausgangslage, als die Kryptowährung zumindest die 65.000-Dollar-Marke im Visier hatte. Solange die Fed-Zinssenkungswahrscheinlichkeit für September bei rund 50 bis 55 Prozent verharrt, bleibt Gold der liquidere und aktuell überzeugendere Inflationstrade – Krypto liefert derzeit kein vergleichbares Signal.
Marschroute
Auf der Long-Seite bleiben K+S (Blick auf 15 Euro als nächste Marke) und TKMS im Fokus, solange die operative Dynamik anhält. Bei den KI-Infrastrukturwerten lohnt der Spread-Blick: CoreWeave mit klarem Kaufrating gegen ein skeptisch beäugtes Super Micro – wer beide hält, sollte die Positionsgröße an dieses Ungleichgewicht anpassen. Bilfinger bleibt nach dem frischen 52-Wochen-Tief bei 72,55 Euro ein Short-Kandidat, bis sich die Abwärtsdynamik stabilisiert. Bei Gold gilt die Marke von 4.400 Dollar als Unterstützung; ein nachhaltiger Bruch nach oben würde die nächste Aufwärtswelle bestätigen. Bitcoin dagegen bleibt ohne klares Signal – hier lohnt Geduld mehr als Positionierung.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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