Der französische Industriegase-Konzern Air Liquide verstärkt sein Engagement im asiatischen Technologiesektor. Das Unternehmen kündigte heute eine Investition von mehr als 170 Millionen Euro in Japan an. Die Mittel fließen in den Bau und Betrieb neuer Produktions- und Versorgungsanlagen auf der südjapanischen Insel Kyushu. An der Börse notiert die Aktie von Air Liquide heute bei 169,86 Euro nahezu unverändert.

Langfristige Gasversorgung für Logikchip-Fertigung

Grundlage der Investition, die einem Volumen von rund 30 Milliarden Yen beziehungsweise 192,1 Millionen US-Dollar entspricht, ist eine langfristige Liefervereinbarung mit einem namentlich nicht genannten Kunden. Air Liquide wird die Anlagen selbst errichten, besitzen und betreiben. Ziel ist die Belieferung einer bestehenden Halbleiterfabrik, deren Produktionskapazitäten für Logikchips erweitert werden.

Für die anspruchsvolle Fertigung moderner Logikbausteine stellt der Konzern ultrahochreine Gase bereit. Das Lieferspektrum umfasst ultrahochreinen Stickstoff, Sauerstoff, Argon sowie Wasserstoff.

Um die kontinuierliche Produktion des Chipherstellers abzusichern, sehen die Pläne zudem zusätzliche Backup-Speicherkapazitäten an dem Standort vor. Nach Unternehmensangaben zielt das Projekt darauf ab, das anhaltende Wachstum der japanischen Halbleiterindustrie direkt vor Ort zu begleiten.

Wachsender Bedarf durch globale Halbleiterkonjunktur

Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer spürbaren Belebung der Chipbranche im asiatischen Raum. Die starke Nachfrage nach Rechenleistung für Anwendungen der künstlichen Intelligenz treibt derzeit umfangreiche Kapazitätserweiterungen bei Chipherstellern und Ausrüstern an. In Japan stützte dieser Trend zuletzt auch das Geschäftsklima großer Industrieunternehmen, wie aus der aktuellen Tankan-Umfrage der Bank of Japan hervorgeht.

Für Gasehersteller wie Air Liquide bildet die Halbleiterindustrie ein strategisch wichtiges Wachstumsfeld mit stabilen Erträgen, da Versorgungsverträge für Chipfabriken üblicherweise über lange Laufzeiten und mit festen Abnahmebedingungen geschlossen werden. Auch Wettbewerber investieren derzeit verstärkt in Produktionsstätten für Elektronikgase in Asien.

Mit der Expansion in Kyushu setzt der Konzern seinen Kurs fort, von den weltweiten Infrastruktur- und Chipinvestitionen zu profitieren. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie von Air Liquide ein Plus von 16 Prozent, womit das Papier die robuste Entwicklung des Kerngeschäfts widerspiegelt.