Der französische Industriegasekonzern Air Liquide bereitet die Weichenstellungen für die kommenden Monate vor. Während am Kapitalmarkt der für den 5. Oktober terminierte Investorentag näher rückt, sieht sich das Unternehmen mit behördlichen Prüfungen bei geplanten Desinvestitionen konfrontiert. Zugleich treibt der Konzern Partnerschaften in der Dekarbonisierung und Wasserstofftechnologie voran.

Britische Wettbewerbshüter leiten Prüfung ein

In Großbritannien hat die Aufsichtsbehörde Competition and Markets Authority am Donnerstag eine Fusionskontrolle gestartet. Gegenstand des Verfahrens ist die geplante Übernahme des Dienstleistungsbereichs für Sauerstoff-Heimtherapie von Air Liquide Healthcare durch Dolby Medical Home Respiratory Care, Teil der Vivisol-Gruppe. Die Behörde setzte für den Abschluss der ersten Prüfungsphase eine Frist bis zum 19. November 2026 fest.

Solche Portfoliobereinigungen begleiten die strategische Ausrichtung des Konzerns, während am Markt der bevorstehende Investorentag am 5. Oktober Beachtung findet. Im Vorfeld dieser Veranstaltung äußerte sich die Deutsche Bank am Mittwoch positiv zum weiteren Geschäftsverlauf: Das Institut hob das Kursziel von 190 auf 192 Euro an und bekräftigte die Kaufempfehlung für die Aktie.

Internationale Kooperationen bei Wasserstoff und Bio-LNG

Parallel zur Überprüfung des britischen Gesundheitsgeschäfts schließt der Konzern neue Allianzen im Energie- und Industriesektor. Am 17. September unterzeichnete Air Liquide Engineering & Construction auf der Fachmesse Gastech eine Absichtserklärung mit Gas Malaysia Berhad. Ziel der Kooperation ist es, Projekte für kohlenstoffarmen Wasserstoff, Kohlendioxidabnahme und Bio-LNG in Malaysia zu prüfen.

Zuvor hatte Air Liquide am 15. September im Rahmen der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation gemeinsame Initiativen mit europäischen und internationalen Partnern vorgestellt. Zusammen mit Unternehmen wie Daimler Truck, Volvo Group, Toyota Motor Corporation, Bosch und TotalEnergies sollen Rahmenbedingungen für den Hochlauf wasserstoffbetriebener Fahrzeuge in Europa geschaffen werden.

Solide Kursentwicklung im Jahresverlauf

An der Börse spiegeln die Papiere die operative Kontinuität wider. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Plus von 16 Prozent und notierte zum Handelsschluss am Freitag bei 168,78 Euro.

Bis zum Erreichen des 52-Wochen-Hochs von 182,18 Euro verbleibt dem Papier damit ein Abstand von 7,4 Prozent. Die kommenden Wochen dürften zeigen, welche strategischen Prioritäten das Management auf dem Kapitalmarkttag setzt und wie der britische Prüfungsprozess voranschreitet.