L’Air Liquide hat seine erste industrielle Pilotanlage zur COâ‚‚-Abscheidung in der Zementindustrie gestartet. Für einen Sektor, der zu den schwierigsten Dekarbonisierungsfällen überhaupt zählt, ist das ein echter Schritt nach vorn.

Cryocap-Technologie am Holcim-Standort

Die Anlage steht bei Holcim’s CaptureLab in Frankreich. Sie nutzt die hauseigene Cryocapâ„¢ FG-Technologie, um Rauchgase zu verarbeiten. Die Kapazität liegt bei 3.000 Nm³/h — der Fokus liegt auf der Entfernung von Verunreinigungen und der Voranreicherung von COâ‚‚.

Das ist kein Neustart auf grüner Wiese. L’Air Liquide baut auf rund zehn Jahren Betriebserfahrung am Standort Port-Jérôme auf. Jetzt soll die kryogene Abscheidung erstmals im industriellen Maßstab für die Zementbranche validiert werden. Das Ziel: kommerzielle Großprojekte in einem Sektor, der bislang kaum Lösungen zur Verfügung hatte.

Kurs unter Druck, Analysten bleiben optimistisch

Die Aktie notiert aktuell bei 168,20 Euro — ein Minus von rund sechs Prozent in den vergangenen sieben Tagen. Damit liegt der Kurs knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 170,73 Euro. Der RSI von 38,2 signalisiert eine überverkaufte Zone, ohne dass ein klarer Auslöser für den jüngsten Rücksetzer erkennbar wäre.

20 Analysten empfehlen die Aktie mehrheitlich zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 180,91 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von rund 7,4 Prozent entspricht. BNP Paribas hat sein Kursziel zuletzt leicht auf 181,00 Euro gesenkt, hält aber an der Einstufung „Outperform“ fest. Goldman Sachs, Barclays, UBS und Deutsche Bank bewerten die Aktie ebenfalls mit „Buy“.

Regulatorischer Rückenwind als Wachstumstreiber

In Europa und Nordamerika ziehen die Industrievorschriften zur COâ‚‚-Reduktion spürbar an. Für L’Air Liquide bedeutet das: Wer integrierte Lösungen für schwer dekarbonisierbare Sektoren anbieten kann, sichert sich langfristige Verträge. Die Pilotanlage in Frankreich ist dabei mehr als ein Technologietest — sie ist ein Referenzprojekt für künftige Großaufträge.

Ob das Cryocap-Konzept im Zementsektor skaliert, entscheidet sich in den kommenden Betriebsmonaten. Gelingt der Nachweis, dürfte das die Auftragspipeline für ähnliche Anlagen in anderen europäischen Märkten deutlich beschleunigen.