Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bringen die Bundesregierung politisch unter Zugzwang, während Bundeskanzler Friedrich Merz dennoch an seinem Reformkurs festhalten will. Die regierenden Koalitionsparteien CDU und SPD erlitten an beiden Schauplätzen herbe Einbußen. Das schwächt die politische Handlungsfähigkeit im Bund und wirft Fragen über die Durchsetzbarkeit anstehender Gesetzesvorhaben auf.
Historische Tiefstände im Nordosten
In Mecklenburg-Vorpommern geriet die CDU in Bedrängnis und verbuchte mit 5,0 Prozent ihr schwächstes Nachkriegsergebnis auf Landes-, Bundes- und Europaebene. Die AfD sicherte sich mit 37,9 Prozent den ersten Platz. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erreichte mit der SPD 35,7 Prozent.
Die bisherige Koalition aus SPD und Linken verfügt damit über keine gemeinsame Mehrheit mehr. Die AfD beansprucht zwar die Regierungsführung, steht im Landesparlament jedoch isoliert da. Die anderen Parteien schlossen eine Zusammenarbeit vorab aus. Sollten die Grünen mit ihren 5,4 bis 5,6 Prozent im Landtag verbleiben, steht ein Dreierbündnis aus SPD, Linken und Grünen im Raum.
Machtwechsel zeichnet sich in Berlin ab
In der Hauptstadt verlor das bisherige Regierungsbündnis aus CDU und SPD seine Mehrheit. Die Linke ging mit 25,3 bis 25,6 Prozent als stärkste Kraft hervor und beansprucht mit Elif Eralp das Amt der Regierenden Bürgermeisterin. Die CDU rutschte auf 19,1 bis 19,7 Prozent ab, während die SPD auf 11,8 bis 12,1 Prozent fiel.
Als wahrscheinlichstes Szenario gilt nun eine Dreierkoalition aus Linken, Grünen und SPD. Die Linke warb im Wahlkampf vor allem mit einer strikten Begrenzung von Mietkosten. Eine solche Regierungsbildung dürfte die wohnungspolitischen Rahmenbedingungen in der Bundeshauptstadt neu ausrichten.
Druck auf die Reformpläne im Bund
Für das Berliner Regierungslager erhöhen die Ergebnisse den politischen Druck nach dem Urnengang in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen. Kanzler Merz bekräftigte unmittelbar nach den ersten Hochrechnungen seinen Willen, im Amt zu bleiben und die Reformvorhaben unverändert fortzuführen. Auch Vizekanzler Lars Klingbeil forderte entschlossenere Anstrengungen bei der Umsetzung der Regierungsagenda.
Die Durchsetzung wirtschaftspolitischer Weichenstellungen hängt nun daran, wie stabil die schwarz-rote Bundeskoalition den doppelten Wahldämpfer parlamentarisch abfedern kann.


