Der Börsenwert von Lang & Schwarz liegt inzwischen unter dem eigenen Buchvermögen. Das teilte der Vorstand des Düsseldorfer Finanzdienstleisters am Donnerstag mit. Ein Unternehmen wehrt sich damit öffentlich gegen die eigene Kursentwicklung.

Vorstand setzt auf Transformation

Am 16. Juli 2026 veröffentlichte Lang & Schwarz eine Corporate News. Das Ziel: das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Oliver Ertl, Andreas Fleischmann und Dr. Ulrich Reidel bilden den Vorstand und sprechen von einer Chance für die nächste Entwicklungsstufe.

Auslöser der Krise sind technologische Umstellungen bei wichtigen Partnern. Sie setzen das Geschäft mit dem börslichen Market Making unter Druck. Der Vorstand räumt diesen Einschnitt offen ein.

Andere Bereiche laufen nach Unternehmensangaben unabhängig davon weiter. Besonders das Segment strukturierte Produkte zeige hohe Dynamik. Lang & Schwarz will den Fokus künftig stärker auf margenstarke Nischenprodukte für private Anleger legen.

Eigenkapital als Puffer

Das bilanzielle Eigenkapital der Gruppe liegt nach eigenen Angaben deutlich über dem aktuellen Marktwert der Aktie. Eingerechnet ist der Fonds für allgemeine Bankrisiken. Diese Substanz soll den nötigen Spielraum für die technologische Erneuerung sichern.

Das Management wertet die aktuelle Bewertung am Markt vor allem als Ausdruck kurzfristiger Unsicherheit. Sie spiegele nicht die fundamentale Substanz des Konzerns wider. Mit solider Kapital- und Liquiditätsbasis sieht sich das Unternehmen für den Umbau gerüstet.

Dividende bleibt trotz Krise

Trotz der operativen Probleme hält Lang & Schwarz an der Ausschüttungspolitik fest. Für das abgelaufene Geschäftsjahr schlägt der Vorstand eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie vor. Das entspricht einem Plus von fast 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Ausschüttungsquote liegt bei knapp 40 Prozent des Jahresüberschusses der Holding. Sie soll auch künftig als Richtwert gelten, sofern die Geschäftsentwicklung das zulässt. Am 26. August 2026 treffen sich die Aktionäre zur Hauptversammlung in Düsseldorf. Dort dürfte der Vorstand tiefere Einblicke in den Fortschritt der Transformation geben.

Markttechnik zeigt extreme Überverkauft-Signale

Der Kurs schloss am Donnerstag bei 15,32 Euro. Auf Monatssicht steht ein Minus von 43,88 Prozent zu Buche – eine der heftigsten Korrekturen der jüngeren Handelsgeschichte des Papiers. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 13,5 und signalisiert eine massiv überverkaufte Situation.

Für sehr kurzfristig orientierte Marktteilnehmer eröffnet das theoretisch Chancen auf technische Gegenbewegungen. Langfristig orientierte Anleger dürften jedoch auf handfeste Fortschritte bei der operativen Neuausrichtung warten. Die Hauptversammlung am 26. August 2026 dürfte dafür der erste wichtige Prüfstein sein.