Legrand hat heute nach überraschend starken Neunmonatszahlen die Wachstumsprognose für 2026 erneut angehoben. Organisch erwartet der Konzern nun ein Umsatzplus von 11–13% statt bisher 8–10%. Ausschlaggebend ist die hohe Nachfrage aus dem Rechenzentrumsgeschäft. Nach Angaben von Reuters ist es bereits die zweite Prognoseanhebung im laufenden Jahr.
Die Ergebnisse zeigen zugleich ein deutliches Gefälle: Während das Geschäft in Nordamerika kräftig wächst, liegt Europa noch unter dem Vorjahresniveau. Für Anleger zählt deshalb nicht nur das höhere Wachstumstempo, sondern auch dessen regionale und geschäftliche Verteilung.
Umsatz und Wachstum übertreffen den Konsens
Der Umsatz erreichte in den ersten neun Monaten 2026 insgesamt 8,33 Mrd. €. Dem stand laut Reuters eine Konsenserwartung von 8,08 Mrd. € gegenüber. Damit fiel das Geschäft stärker aus als von Analysten erwartet.
Die positive Überraschung beschränkt sich nicht auf den Beitrag zugekaufter Unternehmen. Auch aus eigener Kraft expandierte Legrand stärker als erwartet. Das stützt die angehobene Jahresprognose unabhängig von weiteren Übernahmen.
Das organische Umsatzwachstum betrug 12,7% gegenüber einer Konsenserwartung von 10,1%. Im dritten Quartal beschleunigte sich das organische Wachstum auf 18,8%.
An der Börse kommen die Zahlen gut an: Die Aktie gewinnt heute 4,9% auf 134,85 €. Der Kursanstieg begleitet eine Ergebnisvorlage, bei der sowohl der Umsatz als auch das organische Wachstum die Erwartungen übertrafen.
Für das Gesamtjahr erwartet Legrand nun ein Umsatzwachstum ohne Währungseffekte von 20–22%. Zuvor hatte die Spanne bei 16–19% gelegen. Akquisitionen sollen rund 8% zum Wachstum beitragen.
Rechenzentren stärken das Geschäft
Das Rechenzentrumsgeschäft bleibt der wichtigste Wachstumstreiber. Zugleich sieht Legrand in der Diskussion über den Ressourcenverbrauch solcher Anlagen nicht nur ein Risiko. Effizientere Lösungen könnten nach Einschätzung des Unternehmens gerade dadurch stärker gefragt sein.
In den ersten neun Monaten wuchs das Geschäft mit Rechenzentren organisch um knapp 40%. Es steht laut Reuters für rund ein Drittel des Konzernumsatzes. Damit prägt dieser Bereich die Entwicklung der gesamten Gruppe erheblich.
CEO Benoît Coquart sagte Reuters, Widerstand gegen energie- und wasserintensive sowie laute Rechenzentren könne den Bedarf an effizienteren Lösungen erhöhen. Er erwartet keinen Marktrückgang. Kunden wollten ihre Investitionen eher erhöhen als senken.
Regional stieg der Umsatz in Nord- und Mittelamerika organisch um 26,6%. Europa verzeichnete dagegen einen Rückgang um 0,9%. Im dritten Quartal gelang dort immerhin ein organisches Plus von 2,4%.
Die europäische Erholung verbreitert damit die Wachstumsbasis. Das Tempo Nordamerikas erreicht die Region allerdings weiterhin nicht. Die höhere Jahresprognose bedeutet folglich keinen gleichmäßigen Aufschwung in allen Absatzmärkten.
Profitabilität und Übernahmen im Blick
Die bereinigte operative Marge nach Akquisitionen lag bei 20,8%. Für das Gesamtjahr bleibt das Ziel mit 20,5–21,0% unverändert. Der Nettogewinn erhöhte sich um 19,6%.
Damit geht das kräftige Umsatzwachstum mit einem höheren Gewinn einher. Die unveränderte Margenprognose zeigt zugleich, dass Legrand aus dem besseren Umsatzausblick bislang keine höhere Zielspanne für die Profitabilität ableitet.
Seit Jahresbeginn kündigte der Konzern sieben Akquisitionen mit zusammen rund 450 Mio. € Jahresumsatz an. Die Nettoverschuldung lag am 30. September bei 5.373,2 Mio. €.
Die Übernahmen ergänzen das organische Wachstum, erhöhen aber auch die Anforderungen an die Integration. Citi verweist ausdrücklich auf Integrationsrisiken. Andere Analysten halten nach den Zahlen Anhebungen der Gewinnschätzungen für möglich.
Mit den neuen Ambitionen bis 2030 setzt Legrand auch längerfristig auf Wachstum aus eigener Kraft und durch Zukäufe. Angestrebt werden durchschnittlich 6–8% organisches Wachstum pro Jahr sowie ein jährlicher Akquisitionseffekt von rund 5%. Die heutige Prognoseanhebung liefert dafür Rückenwind; die schwächere Entwicklung Europas und die Integration der Übernahmen bleiben die wesentlichen Gegenpunkte.
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