Ein Nettoverlust von 609 Millionen Dollar, und die Aktie schießt trotzdem um fast 20 Prozent auf ein Rekordhoch von 31,26 Hongkong-Dollar. Was zunächst widersprüchlich klingt, entpuppt sich beim genaueren Blick als eine der stärksten Quartalsvorlagen, die Lenovo je abgeliefert hat.
Der Umsatz im ersten Fiskalquartal 2027 kletterte um 43 Prozent auf 26,9 Milliarden Dollar — das höchste Wachstum der vergangenen fünf Jahre. Analysten hatten im Schnitt nur mit rund 22,3 Milliarden Dollar gerechnet. Der bereinigte Gewinn verdoppelte sich mehr als und knackte mit 1,075 Milliarden Dollar erstmals die Milliardenmarke.
Warum der Verlust nichts mit dem Geschäft zu tun hat
Der ausgewiesene Nettoverlust erklärt sich durch einen nicht zahlungswirksamen Bewertungseffekt: Warrants aus dem Jahr 2025 mussten neu bewertet werden, was einen Buchverlust von 1,7 Milliarden Dollar verursachte. Operativ läuft das Geschäft dagegen rund. Bereinigt man um diesen Sondereffekt, bleibt ein Rekordergebnis übrig.
Treiber ist unverändert das AI-Geschäft. Der Umsatz mit KI-Produkten stieg um 60 Prozent und macht inzwischen 35 Prozent des Konzernumsatzes aus. Die Infrastruktursparte, zu der die Server-Sparte zählt, verdoppelte ihren Umsatz nahezu auf 8,5 Milliarden Dollar bei einer auf 9,1 Prozent gestiegenen operativen Marge. Der Auftragsbestand für KI-Server wuchs binnen eines Quartals um 157 Prozent auf 54 Milliarden Dollar.
Das klassische Geräte-Geschäft mit PCs und Smartphones, das rund 64 Prozent des Umsatzes stellt, wuchs um 27 Prozent auf 17,1 Milliarden Dollar — trotz eines schrumpfenden globalen PC-Marktes, der laut Branchendaten im zweiten Kalenderquartal 2026 um 2 Prozent auf 16,6 Millionen Einheiten zurückging. Lenovo verteidigte dabei seine Marktführerschaft mit einem Anteil von 25,6 Prozent und konnte gestiegene Speicherchip-Kosten offenbar über Preiserhöhungen weiterreichen.
Analysten lagen früh richtig
Vor den Zahlen hatte Morgan Stanley das Kursziel von 30 auf 34 Hongkong-Dollar angehoben und die Einstufung „Overweight“ bestätigt, mit Verweis auf den unterschätzten AI-Server-Auftragsbestand. JPMorgan hatte die Aktie zuvor ebenfalls auf „Overweight“ hochgestuft und dabei auf die verbesserte Profitabilität im Servergeschäft sowie die robuste Nachfrage im Gerätegeschäft verwiesen. Beide Einschätzungen bestätigten sich mit den Zahlen.
Der breite Hang-Seng-Index legte am selben Tag lediglich um 0,2 Prozent zu — Lenovo lief dem Gesamtmarkt damit deutlich davon. Für den Vorstand bleibt die Marschroute klar: Über die sogenannte Hybrid-AI-Strategie soll die Marge trotz anhaltendem Druck bei Speicherchip-Preisen mehrjährig weiter ausgebaut werden.
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