Lenovo hat gerade die stärkste Woche seiner Unternehmensgeschichte hinter sich. Der Kurs verdoppelte sich in einem Monat, die Jahreszahlen sprengten alle Erwartungen — und der Konzern peilt nun die 100-Milliarden-Dollar-Marke an.
Rekordzahlen auf ganzer Linie
Am 22. Mai legte Lenovo seine Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025/26 vor. Der Jahresumsatz kletterte auf 83,1 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte Nettoergebnis wuchs um 42 Prozent auf 2 Milliarden Dollar. Besonders auffällig: Der Nettogewinn stieg auf 521 Millionen Dollar — fast sechsmal so viel wie im Vorjahr. Analysten hatten lediglich 291 Millionen Dollar erwartet.
Auch das vierte Quartal allein war ein Ausreißer nach oben. Der Quartalsumsatz erreichte mit 21,6 Milliarden Dollar ein Allzeithoch. Das entspricht einem Wachstum von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr — der stärkste Jahresvergleich seit fünf Jahren. Der Gewinn je Aktie übertraf die Schätzungen um mehr als 65 Prozent.
KI als eigentlicher Wachstumstreiber
Hinter den Zahlen steckt vor allem ein Faktor: künstliche Intelligenz. KI-bezogene Umsätze wuchsen im Gesamtjahr um 105 Prozent und machten zuletzt 33 Prozent des Konzernumsatzes aus. Im vierten Quartal lag der Anteil bereits bei 38 Prozent.
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Darunter fallen KI-fähige PCs und Smartphones, GPU-Server sowie Dienstleistungen. Lenovo hält laut IDC-Daten mit 25 Prozent Marktanteil die globale Führungsposition bei PCs. Premium-Geräte machen inzwischen die Hälfte aller Auslieferungen aus.
Alle drei Geschäftsbereiche trugen zum Ergebnis bei. Die Sparte für Infrastrukturlösungen erzielte erstmals über das Gesamtjahr einen operativen Gewinn. Der Bereich Solutions & Services überschritt erstmals die 10-Milliarden-Dollar-Umsatzmarke.
Kursverdopplung und Analysteneuphorie
An der Börse schlug sich das nieder. Die Lenovo-Aktie legte allein am Freitag rund 23 Prozent zu und markierte ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdreifacht — ein Plus von über 150 Prozent. Damit ist Lenovo der stärkste Wert im Hang Seng Index in diesem Jahr.
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Kein Wunder, dass Analysten nachzogen. Das durchschnittliche Kursziel stieg von 12,66 auf 18,39 Hongkong-Dollar. DBS hob sein Ziel auf 23,50 Hongkong-Dollar an. Fünfzehn Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf — kein einziger zum Verkauf.
Die Dividende zieht mit: Lenovo schüttet 0,422 Hongkong-Dollar je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr aus — der höchste Wert der Unternehmensgeschichte. Ex-Dividende-Tag ist der 5. August 2026.
Ambition trifft Realität
CEO Yuanqing Yang hat das Ziel klar formuliert: 100 Milliarden Dollar Umsatz binnen zwei Jahren. Analysten von Morningstar und DBS rechnen für das Infrastrukturgeschäft mit weiterem Wachstum von 30 bis 35 Prozent im Folgejahr. Der Konsens sieht den Umsatz 2027 bei 92,7 Milliarden Dollar.
Allerdings gibt es einen Dämpfer. Der rasante Ausbau der KI-Infrastruktur verschärft den globalen Engpass bei Speicherchips. Das treibt die Kosten für Hersteller und belastet die Margen. Lenovo selbst räumte knappe Lieferkapazitäten bei bestimmten Halbleitern ein. Wie stark dieser Gegenwind die Dynamik bremst, wird spätestens mit dem nächsten Quartalsbericht im August sichtbar.
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