Lenzing treibt sein Kostensenkungsprogramm voran, um die Profitabilität nach einem margenschwierigen Jahr zu stabilisieren. Der Faserhersteller hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2027 zusätzlich 120 Millionen Euro einzusparen – gemessen an den Ist-Werten von 2025. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen mehr als 200 Millionen Euro an Einsparungen realisiert.
Das Programm ist Teil der Strategie, die Lenzing unter dem Titel „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ verfolgt: Wachstum im Vliesstoffgeschäft, Rückbau margenschwacher Textilfaser-Kapazitäten.
Der Kurs der Aktie notiert am heutigen Montag bei 22,75 Euro und damit knapp behauptet gegenüber dem Freitagsschluss von 22,70 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 4,2 Prozent zu Buche, gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 23,91 Euro liegt das Papier 4,9 Prozent im Minus.
Der Titel bewegt sich damit spürbar unterhalb seiner mittelfristigen Trendlinien, hat sich seit dem Jahrestief im März bei 19,40 Euro aber bereits deutlich erholt.
Restrukturierung belastet, soll aber langfristig entlasten
Hintergrund der Sparanstrengungen ist die im Juli beschlossene Standortkonsolidierung, die weltweit rund 2.000 Arbeitsplätze bis Ende 2027 kosten soll. Die Faserproduktion in Heiligenkreuz im Burgenland wird bis Ende 2026 eingestellt, das Werk steht zum Verkauf.
Am britischen Standort Grimsby läuft die Faserproduktion bis Ende 2027 aus. Diese Schritte schlagen kurzfristig auf die Bilanz durch: Für 2026 rechnet Lenzing mit Wertminderungen auf Sachanlagen von bis zu 150 Millionen Euro sowie mit Restrukturierungsrückstellungen von bis zu 40 Millionen Euro, die das operative Ergebnis belasten.
Das Kalkül dahinter ist eindeutig: Wer margenschwache Volumina abbaut und Fixkosten senkt, soll mittelfristig eine stabilere Ertragsbasis erhalten. Erste Effekte zeigen sich bereits in den Halbjahreszahlen, die das Unternehmen vor gut drei Wochen vorgelegt hat. Der Nettogewinn hat sich dort mehr als verdoppelt, während der Umsatz rückläufig war – ein Beleg dafür, dass die Profitabilität derzeit Vorrang vor Volumenwachstum genießt.
Führungswechsel begleitet die Umbauphase
Die Neuausrichtung fällt in eine Phase des Führungswechsels. Georg Kasperkovitz übernahm zum 1. Juni zusätzlich zu seiner bisherigen Funktion als Chief Operating Officer den Vorstandsvorsitz. Sein Vorgänger Rohit Aggarwal stand dem Unternehmen anschließend noch bis Ende September als Berater zur Seite. Im Aufsichtsrat übernahm zudem im August Martin Seiter das Mandat von Franz Gasselsberger, gültig bis zur Entlastungshauptversammlung 2028.
Parallel zur operativen Restrukturierung stemmt Lenzing die milliardenschwere Finanzierung der Transformation. Die außerordentliche Hauptversammlung hatte im August eine Kapitalerhöhung um 300 Millionen Euro mit Bezugsrechten beschlossen, flankiert von einer Fremdfinanzierung in gleicher Höhe.
Die Hauptaktionäre B&C-Gruppe und Suzano sowie die Oberbank haben sich zu Investitionen in Höhe von zusammen mehr als 168 Millionen Euro verpflichtet. Die Durchführung der Kapitalmaßnahme muss spätestens bis zum 25. Februar 2027 erfolgen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus kurzfristigen Belastungen und langfristigem Sparziel entscheidend: Erst wenn die angekündigten Einsparungen bilanziell sichtbar werden, dürfte sich zeigen, ob die margenorientierte Strategie tatsächlich trägt.
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