Lenzing steht vor wegweisenden Zahlen. Morgen legt der österreichische Spezialfaserhersteller seinen vollständigen Bericht für das erste Halbjahr vor. Anleger suchen nach Belegen für den Erfolg des drastischen Umbaus.
Die Aktie stabilisiert sich vorab bei 24,40 Euro. In der letzten Woche erholte sich der Kurs bereits um 14 Prozent. Damit liegt das Papier wieder knapp über dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage.
Strategischer Kahlschlag im Textilgeschäft
Hinter den Kursbewegungen steckt ein radikaler Umbau des Konzerns. CEO Georg Kasperkovitz forciert die Konzentration auf Vliesstoffe und Premium-Nischenprodukte. Parallel dazu schrumpft Lenzing das klassische Textilgeschäft massiv ein.
Dieser Schritt hat harte Konsequenzen für die Produktion. Der Konzern schließt den Faserstandort im österreichischen Heiligenkreuz bis Ende 2026. Das Werk im britischen Grimsby soll bis Ende 2027 folgen oder verkauft werden.
Operative Lichtblicke und hohe Schulden
Bereits bekannte Eckdaten zum zweiten Quartal geben die Richtung vor. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen stieg um rund 10 Prozent auf 123 Millionen Euro. Die operative Marge verbesserte sich parallel dazu auf 19 Prozent.
Der morgige Bericht liefert nun Details zu den finanziellen Belastungen:
– Die Nettofinanzverschuldung lag Mitte des Jahres bei 1,36 Milliarden Euro.
– Das Management erwartet für 2026 Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro.
– Für Personalmaßnahmen plant Lenzing Rückstellungen von etwa 40 Millionen Euro.
Kapitalerhöhung sichert den Umbau
Frisches Kapital soll die Bilanz stabilisieren. Lenzing plant eine Bezugsrechtskapitalerhöhung im Volumen von bis zu 300 Millionen Euro. Der Rückhalt der Ankeraktionäre steht bereits. Die B&C Gruppe und Suzano S.A. erteilten verbindliche Zusagen über insgesamt rund 156,7 Millionen Euro.
Am 25. August entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung über die geplante Kapitalspritze. Bis dahin dürfte die Nervosität am Markt hoch bleiben. Eine nachhaltige Verbesserung des Free Cashflows gilt als Grundvoraussetzung für eine dauerhafte Erholung.
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