Lenzing rückt einem entscheidenden Termin näher: Am 25. August entscheiden die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über eine Kapitalerhöhung unter Wahrung des Bezugsrechts sowie über die Neuwahl des Aufsichtsrats.

Die Einberufung erfolgte Anfang August per Pflichtmitteilung. Für Anleger ist das der nächste konkrete Prüfstein der bereits vor gut drei Wochen bestätigten strategischen Neuausrichtung, die dem Papier seither ein Plus von 5,0 Prozent beschert hat.

Kapitalspritze von 600 Millionen Euro

Im Kern geht es um frisches Geld: Insgesamt sind 600 Millionen Euro an Kapitalmaßnahmen vorgesehen, davon sollen bis zu 300 Millionen Euro über die Kapitalerhöhung von den Aktionären kommen. Der Rest wird über Finanzierungsvereinbarungen mit den Hauptaktionären B&C-Gruppe und Suzano sowie mit der Oberbank gestemmt.

Parallel dazu haben die Beteiligten die Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten bis 2030 verlängert – ein Schritt, der dem Unternehmen mehr Luft für die angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen verschafft.

Diese Maßnahmen sind kein Selbstzweck. Die Faserproduktion am Standort Heiligenkreuz im Burgenland läuft bis Ende 2026 aus, jene in Grimsby in England bis Ende 2027. Insgesamt sollen bis Ende 2027 rund 2.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, zusätzlich zu den bereits bekannten 600 Stellen in der Verwaltung.

Für 2026 rechnet Lenzing mit Wertminderungen auf Sachanlagen von bis zu 150 Millionen Euro sowie mit Restrukturierungsrückstellungen von bis zu 40 Millionen Euro, die das EBITDA belasten werden.

Ergebnis verdoppelt trotz sinkendem Umsatz

Operativ zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 ein zweigeteiltes Bild. Der Umsatz sank von 1,34 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 1,27 Milliarden Euro, während das EBITDA von 268,6 auf 239,2 Millionen Euro zurückging. Trotzdem hat sich das Ergebnis nach Steuern mehr als verdoppelt – ein Hinweis darauf, dass Sondereffekte und Finanzierungskosten die operative Entwicklung derzeit überlagern.

Aktie bleibt unter Druck

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Sanierungskurs und laufenden Belastungen wider. Die Aktie notiert aktuell bei 23,20 Euro und damit rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 29,75 Euro aus dem Juni.

Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 7,2 Prozent zu Buche, das Papier notiert damit auch unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 24,57 Euro. Seit Jahresbeginn hält sich der Kursverlust mit 0,2 Prozent dagegen in engen Grenzen.

Für die kommenden Wochen dürfte weniger die laufende Geschäftsentwicklung als vielmehr der Ausgang der außerordentlichen Hauptversammlung den Kurs bestimmen. Stimmen die Aktionäre der Kapitalerhöhung zu, wäre ein zentraler Baustein der Finanzierung der Umbaupläne gesichert. Die Neuwahl des Aufsichtsrats am selben Tag dürfte zudem zeigen, wie geschlossen die Hauptaktionäre hinter der eingeschlagenen Strategie stehen.