Leonardo-Aktien schließen den Freitag bei 50,52 Euro und legen im Tagesvergleich 2,17 Prozent zu. Die Erholung kommt spät: Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von rund 3 Prozent zu Buche. Italiens größter Rüstungs- und Luftfahrtkonzern kämpft damit, die Gewinne aus der europäischen Aufrüstungsrally der vergangenen zwei Jahre zu verteidigen.
Charttechnik zeigt Konsolidierung
Der Kurs liegt aktuell rund 24 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 66,24 Euro, das die Aktie Mitte März erreicht hatte. Der 50-Tage-Durchschnitt von 51,10 Euro wurde Anfang Juli unterschritten – ein technisches Warnsignal nach dem starken Lauf im ersten Quartal. Der RSI von 47,9 zeigt einen neutralen Markt, weder überkauft noch überverkauft.
Die Rally der vergangenen drei Jahre bleibt trotz der Konsolidierung intakt. Die Aktie hat sich seit einem einstelligen Kursniveau vor drei Jahren auf über 50 Euro mehr als verfünffacht. Diese strukturelle Neubewertung europäischer Verteidigungswerte prägt weiterhin das Gesamtbild.
Leonardo will Cloud-Anteil ausbauen
Parallel zur Kursschwäche verhandelt Leonardo über eine strategische Neuordnung der italienischen Cloud-Infrastruktur. Der Konzern will seinen Anteil am National Strategic Hub (PSN) erhöhen – jenem Unternehmen, das Cloud-Dienste für die italienische Staatsverwaltung betreibt. Aktuell hält Leonardo bereits 25 Prozent an PSN.
Nun soll ein weiterer Zehn-Prozent-Anteil vom staatlichen IT-Unternehmen Sogei übernommen werden. Damit würde Leonardo auf 35 Prozent kommen. Eine Bekanntgabe könnte noch in diesem Monat erfolgen, allerdings braucht die Transaktion noch die Zustimmung des italienischen Finanzministeriums, das Sogei kontrolliert.
Unter dem diskutierten Szenario würde die Post den Geschäftsführer stellen, Leonardo den Aufsichtsratsvorsitz. PSN ist zentraler Baustein von Italiens Cloud-Migrationsprogramm, das mit rund 2 Milliarden Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds finanziert wird. Für Leonardo würde ein größerer Anteil das Cybersicherheits- und Cloud-Geschäft stärken – als Ergänzung zum klassischen Luftfahrt- und Verteidigungselektronik-Geschäft.
Auftragslage bleibt Stütze
Die Kursschwäche der letzten Wochen passt nicht recht zu den operativen Nachrichten. Großbritannien, Italien und Japan vergaben im Sommer einen Auftrag über 4,6 Milliarden Pfund für das Global Combat Air Programme, an dem Leonardo beteiligt ist. Das trilaterale Kampfjet-Programm treibt damit einen wichtigen Wachstumstreiber des Konzerns voran.
Kurz zuvor hatte Leonardo Ende Juni seinen Transformationsplan für 2026 vorgestellt – ein Schritt, der die Aufmerksamkeit der Analysten auf die strategische Ausrichtung lenkte. Die Zahlen aus dem ersten Quartal untermauerten die positive Dynamik: Der Auftragseingang stieg um 31 Prozent auf 9 Milliarden Euro, der Umsatz kletterte um 7 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Das EBITA sprang um 33 Prozent auf 281 Millionen Euro, die Jahresprognose für 2026 bestätigte der Vorstand.
Die nächste wichtige Wegmarke ist der Halbjahresbericht, der laut Finanzkalender des Konzerns Ende Juli ansteht. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob die Aktie den 50-Tage-Durchschnitt zurückerobert. Eine formelle Bestätigung der PSN-Beteiligung gilt am Markt als möglicher kurzfristiger Kurstreiber.
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