Neue Großaufträge bei NATO und Kampfjet-Programm GCAP – und trotzdem fällt die Aktie. Bei Leonardo klafft gerade eine Lücke zwischen operativen Erfolgen und Börsenreaktion. Der italienische Rüstungskonzern sichert sich diese Woche gleich zwei strategisch wichtige Verträge, während der Kurs seit Tagen unter Druck steht.
Am Mittwoch notiert die Aktie bei 50,34 Euro, ein Minus von 0,83 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,66 Prozent zu Buche. Die Marktkapitalisierung liegt bei knapp 29,77 Milliarden Euro.
NATO-Auftrag bringt Leonardo ins Cybersecurity-Geschäft
Leonardo hat mit Accenture eine mehrjährige Partnerschaft für die NATO Communications and Information Agency geschlossen. Im Zentrum steht das Protected Business Network, eine sichere Multi-Cloud-Plattform für rund 29.000 Nutzer im gesamten Bündnis.
Der Auftrag hat ein Volumen von etwa 200 Millionen Euro und läuft über sieben Jahre. Leonardo übernimmt gemeinsam mit Accenture Design, Aufbau und Betrieb der Plattform. Damit erweitert der Konzern sein Geschäft über die klassischen Stärken bei Hardware und Flugzeugstrukturen hinaus – hin zu digitaler Infrastruktur und Cybersicherheit.
Finanzierung für GCAP steht
Parallel dazu bringt Großbritannien Klarheit in die Finanzierung des Kampfjet-Programms GCAP. London stellt dafür 8,6 Milliarden Pfund über vier Jahre bereit, bis zum Haushaltsjahr 2029/30.
Dieses Geld stützt den bereits am 1. Juli 2026 unterzeichneten Detaildesign-Vertrag mit dem Edgewing-Konsortium. Das Volumen: 4,6 Milliarden Pfund. Neben Leonardo gehören BAE Systems und JAIEC zu dem Konsortium, das die 18-monatige Designphase zu gleichen Teilen zwischen Großbritannien, Italien und Japan finanziert.
Der von BAE geführte Flugdemonstrator, an dem Leonardo technisch beteiligt ist, ist bereits zu 75 Prozent fertiggestellt. Der Erstflug ist für Ende 2027 geplant.
Spannungen um italienische Werke
Nicht alles läuft rund für Leonardo. Die Regionen Apulien und Kampanien haben am 8. Juli 2026 ein Treffen mit dem italienischen Wirtschaftsministerium beantragt. Es geht um die Zukunft der Produktionsstandorte in Foggia, Grottaglie, Pomigliano d’Arco und Nola.
Im Fokus stehen Arbeitsplätze und der Erhalt von Industrie-Know-how in der Aerostructures-Sparte des Konzerns. Konkrete Ergebnisse dieses Treffens liegen noch nicht vor.
Charttechnik zeigt Konsolidierung
Die Aktie notiert derzeit unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 51,25 Euro und auch unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 53,30 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 65,50 Euro, erreicht im März 2026, fehlen inzwischen mehr als 23 Prozent.
Der RSI liegt bei 46,5 – ein neutraler Wert, der weder auf überkaufte noch überverkaufte Bedingungen hindeutet. Die annualisierte Volatilität von gut 41 Prozent zeigt aber, wie nervös der Markt die Aktie derzeit handelt. Auf Jahressicht steht Leonardo dennoch mit einem Plus von 6,07 Prozent da.
Am 30. Juli 2026 legt Leonardo seine nächsten Quartalszahlen vor. Dann dürfte sich zeigen, wie stark die neuen Aufträge bei NATO und GCAP tatsächlich auf die Prognose für das Gesamtjahr durchschlagen.
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