Die EU-Kommission hat heute das 1,7 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot von Leonardo für die Rüstungssparte der Iveco Group freigegeben. Keine wettbewerbsrechtlichen Hürden, keine Auflagen — der Weg zur vollständigen Integration ist frei.

Was Leonardo mit dem Iveco-Zukauf gewinnt

Im vergangenen Juli hatte Leonardo die Übernahme der Iveco Defence Vehicles-Sparte vereinbart, inklusive der Marken IDV und Astra. Die Produktpalette umfasst Ketten- und Radfahrzeuge sowie militärische Lkw, die in Europa, Brasilien und den USA vertrieben werden. Seit Februar 2026 lief das Verfahren bei der EU-Fusionskontrolle — heute kam die Entscheidung.

Die Kommission sah keine relevante Überschneidung: Leonardo beliefert IDV und Astra bislang nicht mit eigenen Teilsystemen, und Wettbewerber behalten ihre Vertriebskanäle außerhalb Italiens. Die kartellrechtliche Prüfung hatte ihren Schwerpunkt auf dem italienischen Heimatmarkt.

Strategischer Rückenwind, aber Kurs unter Druck

Trotz der guten Nachricht verliert die Leonardo-Aktie heute zeitweise rund 1,2 Prozent auf etwa 63 Euro — ein Zeichen, dass der Markt die Genehmigung längst eingepreist hatte. Iveco-Papiere zeigen sich mit einem minimalen Plus nahezu unverändert.

Das breitere Bild bleibt jedoch attraktiv. Leonardo verfolgt bis 2030 ein ambitioniertes Wachstumsprogramm mit einer angestrebten EBITA-Wachstumsrate von 15,5 Prozent jährlich und kumulierten Auftragserwartungen von 142 Milliarden Euro. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen über seine US-Tochter DRS vom massiv ausgeweiteten amerikanischen Verteidigungsbudget — während der geopolitische Druck Europa zu höheren Rüstungsausgaben zwingt und Leonardo damit auf beiden Seiten des Atlantiks punktet.

Der Iveco-Zukauf fügt sich in dieses Bild ein: mehr Substanz im Bodenfahrzeug-Segment, größere Präsenz in zentralen Exportmärkten. Die Integration dürfte nun zügig anlaufen.