Mit einem deutlichen Gewinnsprung und Rekordumsätzen hat LG Electronics die Erwartungen des Marktes im zweiten Quartal 2026 massiv übertroffen. Das südkoreanische Technologieunternehmen profitierte dabei von einer verbesserten Kostenstruktur, steuerlichen Sondereffekten und einem beschleunigten Ausbau der Geschäftsbereiche Robotik und KI-Infrastruktur. Die Anleger reagierten euphorisch auf die Zahlen: Das Papier kletterte am heutigen Freitag um 9,53 Prozent auf 162.100,00 KRW.

Überraschende Gewinnsteigerung im zweiten Quartal

Im abgelaufenen Quartal erzielte LG Electronics einen Umsatz von 23,8265 Billionen Won sowie einen operativen Gewinn von 1,5791 Billionen Won. Damit wurden die Schätzungen der Marktanalysten beim Umsatz um 5,7 Prozent und beim operativen Ergebnis sogar um 49,3 Prozent übertroffen. Wesentliche Treiber für dieses Rekordergebnis waren neben operativen Verbesserungen auch Einmaleffekte aus Zollrückerstattungen.

Zusätzlich stärkte ein juristischer Erfolg in Südasien die Bilanz. Wie Medienberichten zu entnehmen ist, gewann die indische Tochtergesellschaft von LG Electronics einen langjährigen Steuerstreit vor dem Berufungsgericht in Delhi. Dabei ging es um Einkommensteuerforderungen in Höhe von rund 13,05 Milliarden Rupien, was etwa 195,7 Milliarden Won entspricht. Das Gericht hob die Forderungen für die Geschäftsjahre 2015 bis 2022 auf Grundlage einer Vorabverständigungsvereinbarung auf.

Strategischer Fokus auf Robotik und Künstliche Intelligenz

Das Unternehmen forciert unterdessen den Umbau zum Anbieter von KI-Infrastrukturen. Ein zentraler Baustein ist die Tochtergesellschaft LG AI Research, die heute mit K-EXAONE 2.0 das bisher größte KI-Modell Südkoreas vorstellte. Das System verfügt über 750 Milliarden Parameter und übertraf in Benchmarks zur Textverarbeitung und Werkzeugnutzung Konkurrenzmodelle aus China. Das Modell soll unter einer Open-Source-Lizenz für die kommerzielle Nutzung freigegeben werden.

Parallel dazu investiert LG Electronics verstärkt in die Robotik. Die Tochter LG CNS meldete für das zweite Quartal einen Umsatzanstieg auf 1,5208 Billionen Won, getrieben durch die Nachfrage nach Cloud-Diensten und intelligenter Logistik. LG Electronics hat mit LG CNS einen Vertrag über rund 190 Milliarden Won für die Entwicklung von Lernumgebungen für humanoide Roboter abgeschlossen. Ziel ist es, die physische KI-Sparte weiter auszubauen, während im zweiten Halbjahr zudem die Fertigstellung eines neuen KI-Rechenzentrums in Indonesien erwartet wird.

Analysten bewerten Zukunftsaussichten positiv

Trotz der starken Kursentwicklung seit Jahresbeginn – die Aktie verzeichnete ein Plus von 76,39 Prozent – bleiben Experten für den weiteren Verlauf des Jahres optimistisch. Die Analysten von NH Investment & Securities sowie IBK Investment & Securities hoben ihre Kursziele nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen an. Sie verwiesen dabei insbesondere auf das Potenzial im Bereich der KI-Rechenzentren und der Robotik, die künftig stabilere Ergebnisbeiträge liefern könnten.

Allerdings gibt es auch mahnende Stimmen hinsichtlich der zweiten Jahreshälfte. Historisch betrachtet schwächt sich die Performance von LG Electronics nach einem starken ersten Halbjahr oft ab. Als Risikofaktoren gelten die Konzentration der Klimageräte-Verkäufe auf die ersten sechs Monate sowie die üblicherweise hohen Marketingausgaben und Rabattaktionen zum Jahresende. Dennoch sehen viele Marktbeobachter die aktuelle fundamentale Stärke als Beleg dafür, dass das Unternehmen die Abhängigkeit von saisonalen Effekten durch neue Wachstumsfelder erfolgreich verringert.