Lilly, Infineon & Novo Nordisk: Wie Milliarden-Investitionen und Preisdruck die Pharma- und Chipbranche neu ordnen

Eli Lilly übertrifft mit optimistischer Prognose die Erwartungen, während Novo Nordisk Umsatzrückgang erwartet. Infineon erhöht Investitionen in KI, doch Anleger reagieren verhalten.

Lilly, Infineon & Novo Nordisk: Wie Milliarden-Investitionen und Preisdruck die Pharma- und Chipbranche neu ordnen
Kurz & knapp:
  • Lilly erwartet starkes Umsatzwachstum bis 83 Mrd. Dollar
  • Novo Nordisk rechnet mit Umsatzrückgang durch Preisdruck
  • Infineon stockt Investitionen für KI-Chips auf
  • Deutsche Telekom eröffnet eigene KI-Fabrik in München

Liebe Leserinnen und Leser,

zwei Pharmariesen, ein dramatisch unterschiedliches Schicksal: Während Eli Lilly am Mittwoch mit einer glänzenden Prognose die Märkte begeisterte und die Aktie vorbörslich um zehn Prozent nach oben katapultierte, brach der dänische Konkurrent Novo Nordisk zeitweise um fast ein Fünftel ein. Der Grund? Preisdruck bei Abnehmspritzen und auslaufende Patente. Gleichzeitig erhöht Infineon seine Investitionen um 500 Millionen Euro, um vom KI-Boom zu profitieren – doch die Anleger reagieren nervös. Drei Konzerne, drei Strategien, eine Frage: Wer setzt auf die richtigen Karten?

Lilly triumphiert: Wenn Blockbuster und Medicare-Deal zusammenkommen

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly rechnet für 2026 mit einem Umsatz zwischen 80 und 83 Milliarden Dollar – das wäre im besten Fall ein Plus von mehr als einem Viertel gegenüber 2025. Analysten hatten im Schnitt nur knapp 78 Milliarden auf dem Zettel. Was steckt hinter diesem Optimismus?

Die Antwort liegt in einer Kombination aus Produktstärke und politischem Rückenwind. Lillys Abnehmmedikamente Mounjaro und Zepbound gelten als effektiver als die Konkurrenzprodukte von Novo Nordisk. Dazu kommt: Die US-Regierung hat zugestimmt, die Kosten für diese Mittel für mehr Patienten im Rahmen des staatlichen Gesundheitsprogramms Medicare zu übernehmen. CEO David Ricks erklärte, der Konzern sei derzeit so gut positioniert, dass er so viele Patienten erreichen könne wie noch nie. Nicht zu vergessen: Lillys Blockbuster sind noch ein weiteres Jahrzehnt lang patentgeschützt – ein entscheidender Vorteil.

Im vergangenen Jahr schnellte der Erlös bereits um 45 Prozent auf 65,2 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdoppelte sich nahezu auf 20,6 Milliarden Dollar. Für 2026 peilt das Management einen bereinigten Gewinn von 33,50 bis 35 Dollar pro Aktie an – auch hier deutlich mehr als erwartet.

Novo Nordisk unter Beschuss: Wenn Patente auslaufen und Preise fallen

Ganz anders das Bild bei Novo Nordisk. Der dänische Pharmakonzern rechnet für 2026 währungsbereinigt mit einem Umsatzrückgang von 5 bis 13 Prozent – es wäre der erste Rückgang seit fast einem Jahrzehnt. Konzernchef Maziar Mike Doustdar sprach am Mittwoch von einem „nie dagewesenen Preisdruck“. Was ist passiert?

Zum einen laufen in einigen Märkten die Patente für den Diabetes- und Abnehmwirkstoff Semaglutid aus, der in Wegovy und Ozempic steckt. Zum anderen hat sich Novo Nordisk im November mit der Trump-Administration auf deutliche Preissenkungen für seine Blockbuster geeinigt – unter anderem im Rahmen staatlicher Gesundheitsprogramme. Während Lilly proaktiv gegen billige Nachahmer vorging, geriet Novo zunehmend ins Hintertreffen.

Der Konzern befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau: Rund 9.000 Stellen sollen abgebaut werden, die Entwicklung neuer Medikamente steht im Fokus. Große Hoffnungen setzt Novo auf die Wegovy-Pille, die Ende 2025 in den USA zugelassen wurde und bereits 170.000 neue Verwender zählt. Doch Lilly ist mit einer eigenen Abnehmtablette dicht auf den Fersen – die Zulassung in den USA wird in den nächsten Monaten erwartet.

Für die Dänen ist der glänzende Ausblick des Konkurrenten eine besondere Schmach: Novo Nordisk war ursprünglich als erster Hersteller mit Gewichtssenkern am Markt und dominierte das Geschäft. Doch dann kamen Lillys effektivere Mittel – und die Machtverhältnisse kippten.

Infineon investiert in KI – doch die Anleger bleiben skeptisch

Der Chiphersteller Infineon erhöht im laufenden Geschäftsjahr seine Investitionen um 500 Millionen Euro auf insgesamt 2,7 Milliarden Euro. Ein großer Teil der zusätzlichen Mittel soll in die Fabrik in Dresden fließen, um den Ausbau von Fertigungskapazitäten für die Stromversorgungen von KI-Rechenzentren voranzutreiben. Klingt nach einer klaren Wette auf den KI-Boom – doch die Aktie verlor am Mittwoch zeitweise über drei Prozent.

Was stört die Investoren? Zum einen die Sorge vor einem sogenannten Schweinezyklus: Sind die Preise hoch, wird investiert und letztlich zu viel produziert, was dann wiederum die Preise drückt. Große Foundry-Unternehmen aus Taiwan und Südkorea hatten jüngst auf einen potenziellen Preisdruck hingewiesen. Zum anderen hält Infineon zwar an seiner Prognose fest, moderat wachsen zu wollen – doch die Wechselkursannahme von 1,15 US-Dollar zum Euro liegt deutlich unter dem aktuellen Kurs. Sollte der Dollar auf dem derzeitigen Niveau verharren, werden die Konsensschätzungen aufgrund negativer Währungseffekte sinken.

Positiv vermerkt wurde die Übernahme eines Teils des Sensorgeschäfts von AMS Osram für 570 Millionen Euro. Die Transaktion soll sich unmittelbar positiv auf den Gewinn pro Aktie auswirken. Doch das reichte nicht, um die Nervosität zu vertreiben. Die Botschaft der Anleger: Wir wollen erst sehen, ob sich die Milliarden-Investitionen auch wirklich auszahlen.

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Deutsche Telekom eröffnet KI-Fabrik in München

Während Infineon investiert, hat die Deutsche Telekom bereits geliefert: Am Mittwoch nahm der Konzern seine erste große KI-Fabrik in München in Betrieb. Die Großanlage in der Nähe des Englischen Gartens entstand in Kooperation mit Nvidia und SAP – mit einer Investition von über einer Milliarde Euro. Für das Rechenzentrum wurden 10.000 Grafikprozessoren von Nvidia angeschafft, die vor allem KI-Anfragen aus Unternehmen bearbeiten sollen.

Das Besondere: Gemeinsam mit SAP stellt die Telekom einen sogenannten Deutschland-Stack bereit – Anwendungen Künstlicher Intelligenz, bei denen die Daten besonders stark gesichert werden. Die Telekom reagiert damit auf Bedenken innerhalb der deutschen Wirtschaft oder bei Behörden, die bei heiklen Daten nicht von amerikanischen Tech-Konzernen wie Amazon, Microsoft oder Google abhängig sein wollen.

Zu den ersten Kunden gehören Siemens, Agile Robots und der KI-Anbieter Perplexity. Die KI-Fabrik ist mit den bisherigen Kunden bereits über ein Drittel ausgelastet. Das Rechenzentrum wird vollständig aus erneuerbaren Energien betrieben, die Abwärme soll künftig das gesamte Quartier mit Wärme versorgen. Vizekanzler Lars Klingbeil nannte das Projekt einen „wichtigen Pflock für das deutsche und europäische KI-Ökosystem“.

Chemiebranche erlebt Comeback – aber wie nachhaltig ist es?

Während Technologiewerte unter Druck standen, erlebte die lange gemiedene Chemiebranche am deutschen Aktienmarkt ein überraschendes Comeback. Werte wie Brenntag, Lanxess und Wacker Chemie legten zwischen 9,6 und 12 Prozent zu. Was steckt dahinter?

Unterstützend dürften die jüngst positiven Konjunkturdaten gewirkt haben. Zudem setzt sich die Bundesregierung für stabile und bezahlbare Energie für deutsche Unternehmen ein. Die Umschichtung aus Technologie in defensive Sektoren zeigt aber auch: Investoren suchen nach Alternativen zu den hoch bewerteten Tech-Titeln. Ob das Comeback nachhaltig ist oder nur eine kurzfristige Gegenbewegung, wird sich zeigen müssen.

Auch Henkel profitierte mit einem Plus von knapp fünf Prozent – allerdings aus einem anderen Grund: Der Konsumgüterkonzern übernimmt den Anbieter von Hochleistungsspezialbeschichtungen Stahl für 2,1 Milliarden Euro. Die Stahl Group beliefert weltweit führende Unternehmen in den Bereichen Automobil, Mode und Verpackungen. BASF, ebenfalls Aktionär von Stahl, legte um fünf Prozent zu.

Was das für Sie bedeutet

Die Märkte sortieren sich neu – und das nicht nur zwischen Gewinnern und Verlierern, sondern auch zwischen Strategien. Lilly setzt auf Produktstärke und langfristigen Patentschutz, Novo Nordisk kämpft mit Preisdruck und Umbau. Infineon investiert Milliarden in die KI-Zukunft, doch die Anleger fragen: Kommt die Rechnung auch auf? Die Deutsche Telekom zeigt, dass Europa KI kann – wenn Konzerne, Politik und Partner zusammenarbeiten.

In den kommenden Tagen dürften die Quartalszahlen von Alphabet und Amazon weitere Hinweise darauf geben, wie nachhaltig der KI-Boom wirklich ist. Und bei Novo Nordisk wird sich zeigen, ob der tiefgreifende Umbau gelingt – oder ob Lilly den Markt für Abnehmspritzen endgültig dominiert.

Bis morgen – bleiben Sie informiert und behalten Sie die Ruhe, auch wenn die Märkte es nicht tun.

Ihr Andreas Sommer

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