Nach der Absetzung von Konzernchef Adalbert Lechner rückt der Verwaltungsrat in den Mittelpunkt. Mehrere Großaktionäre fordern einen Umbau des Gremiums und weniger Macht für Präsident Ernst Tanner. Es ist die erste deutliche Kritik am Aufsichtsgremium seit dem Führungswechsel.
Kritik an der Machtfülle
Tanner ist seit 32 Jahren Präsident und seit 2016 zugleich exekutiv tätig. Der 80-Jährige will nicht zurücktreten. Seine Priorität sei, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.
Von fünf befragten Großinvestoren, darunter drei der 20 größten Aktionäre, stützte nur einer den aktuellen Verwaltungsrat. Ingo Speich von Deka sagte: „Die Erneuerung darf nicht bei der Geschäftsleitung enden. Sie muss auch im Verwaltungsrat stattfinden.“ Die aktuelle Machtkonzentration müsse abgeschafft werden.
Der Stimmrechtsberater Ethos sieht ebenfalls strukturelle Defizite. Nur drei der acht Mitglieder gelten nach seinen Kriterien als unabhängig, Pensionskassen des Unternehmens seien überrepräsentiert. Ein neuer CEO allein löse die Governance-Probleme nicht.
Ein Großaktionär verweist auf das Alter: Sechs der acht Mitglieder sind mindestens 70. Lindt schulde Tanner viel, aber die Welt habe sich in 30 Jahren stark verändert.
Tanners Position bleibt stark
Tanner hält persönlich 2,3 Prozent der Aktien. Zwei Pensionskassen, denen er vorsitzt, kommen auf mehr als 15 Prozent der Stimmrechte. Gegen seine Wiederwahl stimmten in den vergangenen Jahren bereits einzelne Aktionäre, an seiner Stellung änderte das nichts.
Ein weiterer Top-20-Investor zeigt Verständnis für Tanners Verbleib. Er verteidigt auch die Preiserhöhungen, die zum Schutz der Margen nötig gewesen seien. Lindt selbst erklärt, der Verwaltungsrat prüfe seine Zusammensetzung regelmäßig, die Nachfolgeplanung sei fester Bestandteil der Arbeit.
Preisfehler und schwierige Aussichten
Auslöser der Krise sind Preiserhöhungen wegen der hohen Kakaokosten: 19 Prozent im Jahr 2025 und weitere 12 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Die Konsumenten reagierten mit Kaufzurückhaltung. Tanner räumte ein, die Zahlungsbereitschaft falsch eingeschätzt zu haben.
Lindt kappte die Prognose für das organische Wachstum auf 0 bis 2 Prozent, weit unter dem Fünfjahresschnitt von 10,9 Prozent. Die Aktie hat im laufenden Jahr rund ein Viertel verloren. Als Interims-CEO ist Dieter Weisskopf zurück, die Deutschland-Chefin Michal Spiller ging zusammen mit Lechner.
Das mittel- bis langfristige Ziel von 6 bis 8 Prozent Umsatzwachstum bekräftigt der Konzern. Investoren halten es für schwer erreichbar. Ein Großaktionär verweist auf die Preisproblematik und auf Abnehmspritzen vom Typ GLP-1, die den Schokoladenkonsum dämpfen könnten.
Einen Nachfolger für Lechner will der Verwaltungsrat im zweiten Quartal 2027 benennen.
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