Autonome Black Hawks, vervierfachte Raketenproduktion und ein CEO, der Aktien für seine Scheidung verkauft: Die Nachrichtenlage im Verteidigungssektor könnte kaum kontrastreicher sein. Während Lockheed Martin mit gleich zwei Großankündigungen die Schlagzeilen dominiert, kämpfen kleinere Werte mit Vertrauenskrisen und Bewertungsfragen. Ein Blick auf fünf Aktien zwischen Produktionsboom und Kurskorrektur.
Lockheed Martin: Doppelschlag mit Raketen und Drohnen-Helikopter
Lockheed Martin hat diese Woche gleich zwei Ausrufezeichen gesetzt. Erstens: eine Rahmenvereinbarung mit dem US-Verteidigungsministerium zur Vervierfachung der Produktionskapazität für Precision Strike Missiles (PrSM). Die Vereinbarung baut auf einem bestehenden Vertrag über 4,94 Milliarden US-Dollar auf und soll die Produktionsvorlaufzeiten durch Investitionen in Werkzeuge, Anlagenmodernisierung und Testausrüstung deutlich verkürzen. Konkrete Investitionssummen oder jährliche Stückzahlen nannte das Unternehmen nicht — möglich ist ein Mehrjahresvertrag über bis zu sieben Jahre, vorbehaltlich der Genehmigung durch den Kongress.
Zur Einordnung: Anfang März setzte das US Central Command die PrSM erstmals im Gefecht ein — im Rahmen von „Operation Epic Fury“. Die Rakete hat damit den Sprung vom Testprogramm zur kampferprobten Waffe geschafft.
Zweitens lieferte Sikorsky, eine Lockheed-Tochter, den experimentellen UH-60MX Black Hawk an die US-Armee. Das Ergebnis von über einem Jahrzehnt Entwicklungsarbeit mit der DARPA: ein Helikopter, der wahlweise bemannt, ferngesteuert oder vollständig autonom fliegen kann.
Bei einem Kurs von 539,90 Euro notiert die Aktie rund 7 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch, hat seit Jahresanfang aber gut 27 % zugelegt. Nächster Meilenstein ist die Quartalszahlen-Veröffentlichung am 22. April — dann wird sich zeigen, ob die Produktionsrampen bereits in beschleunigte Cashflows münden.
Kratos Defense: Neuer Direktor, alte Bewertungsfrage
Kratos hat David King in den Verwaltungsrat berufen. King leitete als CEO den Rüstungsdienstleister Dynetics von 180 Millionen auf über 650 Millionen US-Dollar Umsatz, bevor Leidos das Unternehmen 2020 für 1,65 Milliarden übernahm. Seine Expertise in unbemannten Systemen, Hyperschallwaffen und Feststoffraketenmotoren passt präzise zum Geschäftsprofil von Kratos.
Parallel dazu sicherte sich das Unternehmen einen Auftrag von Sky Perfect JSAT für ein 5G-Bodensystem zur nicht-terrestrischen Netzabdeckung im asiatisch-pazifischen Raum. Der Markt reagierte dennoch verhalten — die Aktie gab Anfang der Woche zunächst nach, bevor sie am Mittwoch wieder anzog.
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Das fundamentale Dilemma bleibt bestehen:
- Umsatzwachstum: Plus 21,9 % im Jahresvergleich auf 345 Millionen US-Dollar im letzten Quartal
- Gewinn je Aktie: 0,18 US-Dollar, über den Analystenerwartungen von 0,14 US-Dollar
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: Über 600 — ein Wert, der erheblichen Rechtfertigungsdruck erzeugt
Noble Financial hat zudem die Gewinnschätzungen für das zweite Quartal 2026 gesenkt, was die Skepsis zur kurzfristigen Profitabilität verstärkt. Mit einem Wochenminus von fast 15 % und einem Kurs von 68,00 Euro handelt Kratos nun rund 40 % unter seinem 52-Wochen-Hoch. Der Analystenkonsens liegt bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 98,28 US-Dollar — ein Abstand, der sowohl Chance als auch Risiko widerspiegelt.
Electro Optic Systems: Insider-Verkäufe erschüttern das Vertrauen
EOS erlebte Mitte März einen Kurseinbruch von über 15 % an einem einzigen Nachmittag. Auslöser: CEO Andreas Schwer kündigte den Verkauf von bis zu 2,5 Millionen Aktien an — Gegenwert rund 26,8 Millionen australische Dollar. Die Begründung: Hausbau und Scheidungskosten. Schwerer wiegt, dass auch CFO Clive Cuthell und weitere Führungskräfte angekündigt haben, in naher Zukunft Anteile abzustoßen.
Die Insider-Verkäufe treffen auf ein ohnehin angespanntes Umfeld. Ein Bericht von Grizzly Research stellt die Legitimität eines 80-Millionen-US-Dollar-Vertrags mit einem koreanischen Auftraggeber infrage. Die australische Börsenaufsicht ASX hat EOS dazu bereits um Stellungnahme gebeten.
Trotz des Vertrauensverlusts stehen die operativen Kennzahlen nicht schlecht: Das Auftragspolster liegt bei einem Rekordwert von 459 Millionen australischen Dollar. Für das Geschäftsjahr 2026 peilt das Management einen Umsatz von 180 bis 230 Millionen australischen Dollar an — die Gewinnschwelle liegt bei rund 200 Millionen. Entscheidend wird, ob 40 bis 50 Prozent des Backlogs tatsächlich in Umsatz umgewandelt werden können.
Der RSI von 22,8 signalisiert eine deutlich überverkaufte Situation bei einem Kurs von 5,52 Euro. Bell Potter hält eine Hold-Empfehlung mit einem Kursziel von 9,00 australischen Dollar aufrecht, betont aber die Notwendigkeit, den umstrittenen Korea-Vertrag in einen unbedingten Status zu überführen. Zwei Direktoren — Gary Hounsell und Kate Lundy — kauften zuletzt insgesamt 18.000 Aktien zu, ein Signal, das zumindest intern Zuversicht andeuten soll.
DroneShield: JPMorgan geht, die Zahlen bleiben stark
JPMorgan Chase hat mitgeteilt, kein wesentlicher Aktionär von DroneShield mehr zu sein. Eine Reihe von Wertpapierleihe- und Handelstransaktionen senkte den Stimmrechtsanteil unter die relevante Meldeschwelle. Für die Aktionärsstruktur bedeutet das potenziell eine breitere Streuung — ob das stabilisierend oder belastend wirkt, hängt davon ab, wer die frei werdenden Anteile aufnimmt.
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Operativ liefert DroneShield weiterhin starke Ergebnisse. Im vierten Quartal 2025 vervierfachte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal nahezu. Für das Gesamtjahr 2025 stehen 51,3 Millionen australische Dollar Umsatz und ein bereinigtes EBITDA von 36 Millionen bei einer Bruttomarge von 65 % in den Büchern. Das Unternehmen startete 2026 mit rund 97,7 Millionen australischen Dollar an bereits gesichertem Umsatz und will die US-Expansion vorantreiben.
Auf Zwölfmonatssicht hat die Aktie ihren Wert mehr als vervierfacht. Aktuell notiert sie bei 2,45 Euro — gut 32 % unter dem 52-Wochen-Hoch, aber mit einem Monatsplus von 32 %. Die letzte Analysteneinschätzung lautet „Buy“ mit einem Kursziel von 4,00 australischen Dollar. Das nächste wichtige Update dürfte mit den Halbjahreszahlen kommen.
Renk: Rekord-Auftragspolster trifft auf Marktskepsis
Renk hat für 2025 einen Umsatz von 1,37 Milliarden Euro gemeldet — ein Plus von knapp 20 % gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBIT stieg um 22 % auf 230 Millionen Euro, der bereinigte Gewinn je Aktie legte 38 % auf 1,42 Euro zu. Die Dividende soll auf 0,58 Euro pro Aktie steigen. Das Verteidigungsgeschäft machte 74 % des Gesamtumsatzes aus.
Die Prognose für 2026 sieht Erlöse von über 1,5 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro vor. Das Auftragspolster erreicht mit rund 6,7 Milliarden Euro einen Rekordstand und bietet mehrjährige Umsatzvisibilität. Bis 2030 soll der Verteidigungsanteil auf etwa 90 % steigen.
Warum handelt die Aktie dann bei 52,37 Euro — über 40 % unter dem Oktober-Hoch von 88,73 Euro? CEO Alexander Sagel nannte Auftragsverzögerungen und Exportrestriktionen als kurzfristige Bremsen. Rund 200 Millionen Euro an Verteidigungsaufträgen verschoben sich vom vierten Quartal 2025 ins Jahr 2026. Der Free Cashflow lag im Schlussquartal mit 67 Millionen Euro zudem 12 % unter dem Konsens, belastet durch Working-Capital-Abflüsse.
J.P. Morgan-Analyst David Perry hält an seiner Übergewichtung mit einem Kursziel von 75 Euro fest. Er stuft den Q4-Rückstand als Rauschen ein, nicht als Trend. Der 14-Analysten-Konsens aggregiert ein durchschnittliches Kursziel von 68,46 Euro — bei einer Spanne von 53 bis 76 Euro ein erhebliches Aufwärtspotenzial vom aktuellen Niveau.
Verteidigungssektor zwischen Produktionsboom und Vertrauensprobe
Die Woche verdeutlicht eine scharfe Zweiteilung im Sektor. Auf der einen Seite stehen Unternehmen wie Lockheed, die geopolitische Rückenwind direkt in milliardenschwere Produktionssteigerungen übersetzen. Aktive Kampfeinsätze, europäische Aufrüstungsbudgets auf Generationenhochs und beschleunigte NATO-Beschaffungszyklen bilden das strukturelle Fundament.
Auf der anderen Seite kämpfen die australischen Drohnenspezialosten EOS und DroneShield mit den Wachstumsschmerzen schneller Neubewertungen: Insider-Verkäufe, institutionelle Umschichtungen und Leerverkäufer, die Bewertungslücken testen. Bei Kratos wiederum klafft eine bemerkenswerte Lücke zwischen operativem Fortschritt und einer Bewertung, die kaum Fehler verzeiht. Renk muss beweisen, dass sein Rekord-Backlog tatsächlich in planmäßige Umsätze konvertiert — solange das aussteht, bleibt der Abschlag zum fairen Wert laut Analysten bestehen.
Die nächsten Katalysatoren sind klar terminiert: Lockheeds Quartalszahlen am 22. April, DroneShields Halbjahresbericht, und bei EOS die Frage, ob der umstrittene Korea-Vertrag bis zum nächsten Handelsfenster Mitte April belastbar wird. Der Sektor liefert — die Frage ist nur, wer den Beweis am schnellsten antritt.
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