CEO Silvio Napoli, der das Amt seit Juni 2026 innehat, wies Berichte über eine angebliche Insolvenz oder eine Privatisierung des Elektroauto-Herstellers als „völlig falsch“ und weit von der Wahrheit entfernt zurück. Das Unternehmen reagierte damit auf Spekulationen, die am Dienstag zu einem massiven Kurseinbruch von zeitweise bis zu 57 Prozent geführt hatten. Als Reaktion auf die Klarstellung kletterte der Kurs der Aktie zuletzt auf 6,71 USD, was einem Tagesplus von 12,86 % entspricht.

Neben öffentlichen Erklärungen auf LinkedIn und in SEC-Unterlagen verschickte Lucid ein Unterlassungsschreiben an das Portal EVs.com, das den ursprünglichen Bericht veröffentlicht hatte. Das Management betonte, dass der Vorstand zu keinem Zeitpunkt eine Restrukturierung nach Chapter 11 oder einen Rückzug von der Börse in Erwägung gezogen habe.

Liquidität bis ins Jahr 2027 gesichert

Die finanzielle Ausstattung des Unternehmens steht im Zentrum der Investorendiskussion. Lucid beendete das erste Quartal 2026 mit einer Liquidität von rund 3,2 Milliarden USD. Dieser Puffer wurde im April durch eine Kapitalerhöhung um weitere 1,05 Milliarden USD gestärkt, an der sich neben dem saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) auch der Fahrdienstleister Uber mit 200 Millionen USD beteiligte. Pro forma verfügt das Unternehmen damit über etwa 4,7 Milliarden USD an Mitteln.

Laut Unternehmensangaben reicht diese Liquidität aus, um den Betrieb bis ins Jahr 2027 zu finanzieren. Der PIF bleibt mit einem Anteil von über 57 Prozent der wichtigste Ankeraktionär und hat seit 2018 insgesamt rund 9,5 Milliarden USD in das Unternehmen investiert. Trotz dieser Unterstützung verzeichnete Lucid im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 1,02 Milliarden USD bei einem Umsatz von 282,4 Millionen USD.

Operative Neuausrichtung und Kostensenkung

Um die Profitabilität zu verbessern, setzt Lucid auf strikte Sparmaßnahmen und externe Beratung. Die Verpflichtung der Berater von AlixPartners dient laut CEO Napoli ausschließlich der operativen Effizienzsteigerung und nicht einer Insolvenzberatung. Im Juni 2026 reduzierte Lucid seine Belegschaft in den USA um 18 Prozent, was jährliche Einsparungen in Höhe von 158 Millionen USD realisieren soll. Bereits im Februar waren 12 Prozent der Stellen gestrichen worden.

Im zweiten Quartal 2026 produzierte der Hersteller 4.774 Fahrzeuge und lieferte 3.953 Einheiten aus. Damit lag die Zahl der Auslieferungen unter den Markterwartungen von rund 5.000 Fahrzeugen. Für die langfristige Wachstumsstrategie setzt das Unternehmen auf das neue Mittelklasse-Modell „Cosmos“, ein SUV für unter 50.000 USD, dessen Produktion für Ende 2026 geplant ist.

Analystenblicke und kommende Meilensteine

Die Einschätzungen der Analysten bleiben gespalten. Die Experten von Morgan Stanley halten an ihrem „Underweight“-Rating fest und setzen ein Kursziel von 5 USD. Sie warnen vor einem weiteren Kapitalbedarf von etwa 2,5 Milliarden USD im Jahr 2027, was zu einer Verwässerung für bestehende Aktionäre führen könnte. Im Gegensatz dazu stuft RBC die Aktie als „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 7 USD ein, während Cantor Fitzgerald die solide Liquiditätsposition von 3,2 Milliarden USD hervorhebt.

Obwohl sich die Aktie von ihren Rekordtiefs erholt hat, notiert sie seit Jahresanfang (YTD) noch immer mit 39,78 % im Minus. Anleger blicken nun gespannt auf den 4. August 2026, wenn Lucid die detaillierten Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorlegen wird. Diese Daten werden zeigen, inwieweit die Kostensenkungen bereits den hohen Cash-Burn bremsen konnten.