Lufthansa greift in Südeuropa weiter zu. Die portugiesische Regierung hat den Konzern als bevorzugten Partner für den Einstieg bei der staatlichen Airline Tap ausgewählt. Der Zuschlag ist allerdings noch kein Abschluss.

Was Lufthansa bekommt

Es geht um eine Minderheitsbeteiligung von mindestens 44,9 Prozent. Ministerpräsident Luís Montenegro nannte ein Gebot von rund 1,2 Milliarden Euro, zahlbar vollständig in bar statt in Aktienpaketen. Das gab im Bieterrennen offenbar den Ausschlag. IAG war früh ausgestiegen, Air France-KLM musste wie Lufthansa nachbessern.

Fünf Prozent sind für die Beschäftigten reserviert. Nutzen sie ihr Erwerbsrecht nicht, kann Lufthansa auch diese Anteile übernehmen. Die Mehrheit bleibt zunächst beim Staat.

Zugesagt hat der Konzern einen Flottenausbau bei Tap auf 117 Maschinen bis 2035. Nach 2030 sollen zudem acht A350-900 von Lufthansa zu Tap wechseln.

Warum Tap strategisch passt

Auf der iberischen Halbinsel ist Lufthansa neben der dominierenden Iberia bislang schwach vertreten. Der Heimatmarkt Portugal ist klein, der Wert der Tap liegt im dichten Netz nach Brasilien und Südamerika. Lissabon bietet dazu ein etabliertes Drehkreuz mit zahlreichen Start- und Landerechten.

Konzernchef Carsten Spohr verteidigt die Expansion damit, dass eine Airline mit nur einem Heimatmarkt global nicht wettbewerbsfähig wäre. Nur noch rund 20 Prozent des Gruppenumsatzes entstehen in Deutschland. Parallel zieht Lufthansa bei der italienischen Ita die Option auf 90 Prozent.

Tap selbst ist saniert, aber nicht sorgenfrei. 2025 blieb ein Gewinn von nur 4,1 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2026 stand wegen der hohen Kerosinpreise ein Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro.

Lange Wege, schwacher Tag

Bis zum Vollzug dauert es. Die EU-Kommission prüft den Deal, nach Einschätzung der Regierung in Lissabon 18 bis 24 Monate. Mit dem Abschluss rechnet man daher erst 2028. Eine Komplettübernahme ist nicht beschlossen: Lufthansa hat ein Angebot dafür vorgelegt, die Regierung bräuchte jedoch Rückhalt der Opposition im Parlament, der ihr derzeit fehlt.

An der Börse überlagern die Treibstoffkosten die Nachricht. JPMorgan senkte das Kursziel von 7,50 auf 7,00 Euro und beließ die Einstufung bei „Neutral“. Analyst Harry J. Gowers verweist auf Kerosinpreise, die seit Anfang Juli um mehr als 65 Prozent gestiegen sind. Netzwerk-Airlines wie Lufthansa treffe das weniger stark als andere. Die Aktie gehörte im MDax zeitweise zu den schwächeren Werten und notierte bei etwa 7,09 Euro.

Wichtig bleibt der Zeitplan: Zunächst stehen die abschließenden Vertragsverhandlungen an, danach folgt die Prüfung in Brüssel. Bei Ita erwartet Lufthansa den Vollzug zum Jahresanfang 2027.