Neue Milliarden vom Staat, ein frischer Airbus-Auftrag — und trotzdem steht Lufthansa wegen einer gestrichenen Inlandsroute am Pranger. Das Bild, das der Konzern dieser Tage abgibt, ist widersprüchlich.
Berliner Rückenwind für 500 Millionen Euro
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine neue Luftfahrtstrategie beschlossen. Ziel: Deutschland als führende Luftfahrtnation positionieren. Das Entlastungspaket umfasst rund 500 Millionen Euro. Kernstück ist die Senkung der Luftverkehrssteuer, die zum 1. Juli 2026 greifen soll. Außerdem übernimmt der Bund künftig die Flugsicherungskosten für Regionalflughäfen.
Bundeskanzler Friedrich Merz betonte auf der ILA in Berlin die Bedeutung der Branche für Souveränität und Innovationskraft. Branchenverbände wie BDL und BDI begrüßten die Ankündigung — fordern aber weitere Schritte. Die Standortkosten hätten sich seit der Pandemie teils verdoppelt.
Auftrag für zehn neue A350
Ebenfalls auf der ILA feierte Lufthansa die 50-jährige Partnerschaft mit Airbus. Das Unternehmen erteilte einen Festauftrag über zehn zusätzliche Maschinen vom Typ A350-900. Die Gesamtzahl bestellter A350-Flugzeuge klettert damit auf 75. Für 2026 plant Airbus die Auslieferung des 700. Flugzeugs an die Lufthansa Group.
Hinzu kommt ein Komponenten-Servicevertrag für die gesamte A220-Flotte. Lufthansa Technik arbeitet außerdem an der Zertifizierung der sogenannten AeroSHARK-Beschichtung für den A330ceo. Die bionische Folie imitiert Haifischhaut und senkt den aerodynamischen Widerstand — und damit Treibstoffverbrauch und CO₂-Emissionen im Langstreckenbetrieb. Auf Boeing-777-Maschinen ist die Technologie bereits im Einsatz.
Protest gegen Bremen-Frankfurt-Streichung
Weniger harmonisch läuft es auf innerdeutschen Strecken. Zum 1. Juli 2026 streicht Lufthansa die Verbindung Bremen–Frankfurt. Das Unternehmen verweist auf Nachfrage, Wirtschaftlichkeit und operative Rahmenbedingungen. Kritiker sehen das anders.
Über 5.000 Passagiere nutzen die Strecke pro Woche. Hunderte Unternehmen und Verbände haben Konzernchef Carsten Spohr direkt angeschrieben. Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt warnt vor Wettbewerbsnachteilen und steigenden Kosten für regionale Betriebe. Eine Wiederaufnahme prüft Lufthansa frühestens im Winterflugplan 2026/27.
An der Börse spiegelt sich die gemischte Lage wider. Die Aktie schloss gestern bei 8,02 Euro — ein Minus von gut fünf Prozent in den vergangenen sieben Tagen. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von rund sechs Prozent zu Buche. Der RSI von 47,6 signalisiert weder Überkauf noch Überverkauf. Ob das staatliche Entlastungspaket die Kostenbasis spürbar verbessert, wird sich spätestens in den Halbjahreszahlen zeigen.
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