Die Deutsche Lufthansa steht vor einem hartnäckigen Problem: Während sich der internationale Flugverkehr erholt, bleibt der innerdeutsche Markt ein Sorgenkind. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein ernüchterndes Bild der Branche.

Im Jahr 2025 wurden an den größeren deutschen Flughäfen lediglich 11,9 Millionen Passagiere auf Inlandsstrecken gezählt – gerade einmal 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 fehlen weiterhin 48,3 Prozent der Fluggäste. Fast die Hälfte des Inlandsgeschäfts ist damit schlicht verschwunden.

Der verlorene Heimatmarkt

Warum holt der innerdeutsche Verkehr nicht auf? Die Gründe sind vielschichtig. Nach dem pandemiebedingten Zusammenbruch 2020 haben Airlines wie Lufthansa zahlreiche Verbindungen abseits der Drehkreuze Frankfurt und München gestrichen. Geschäftskunden – einst das Rückgrat des Inlandsverkehrs – sind auf Bahn und Auto umgestiegen oder nutzen verstärkt Videokonferenzen.

Hinzu kommen die Kostenbelastungen. Staatliche Gebühren und Steuern belasten die Gewinnmargen gerade auf kurzen Strecken überproportional. Die klimapolitische Kritik am hohen Kerosinverbrauch auf Kurzstrecken tut ihr Übriges.

Auslandsgeschäft als Lichtblick

Ganz anders sieht es im internationalen Verkehr aus. Hier verzeichneten die deutschen Flughäfen 195,3 Millionen Passagiere – ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Abstand zum Vor-Corona-Niveau schrumpfte auf nur noch 4,1 Prozent. Die Reiselust der Deutschen ist zurück, allerdings konzentriert sie sich auf Auslandsreisen.

Für Lufthansa bedeutet dies: Das lukrative internationale Geschäft läuft wieder rund. Die Gewinne haben bereits das Vor-Corona-Niveau erreicht. Der Aktienkurs hinkt dieser operativen Erholung jedoch deutlich hinterher – was Chancen für mutige Anleger bieten könnte.

Baltische Beteiligung wird spannend

Parallel entwickelt sich die 10-Prozent-Beteiligung an Air Baltic zu einem Unsicherheitsfaktor. Die lettische Staatsairline hatte ursprünglich einen Börsengang für 2025 angepeilt, verschob diesen im November auf 2026. Nun berichtet Bloomberg, dass Air Baltic einen Teilverkauf an Investoren prüft.

Die lettische Regierung will dabei mindestens 25 Prozent plus eine Aktie behalten und den Sitz in Riga sowie die Verbindungen im Baltikum sichern. Für Lufthansa könnte dies bedeuten: entweder Aufstockung der Beteiligung oder Verwässerung durch neue Investoren.

Die Kranich-Airline hat ihre operative Stärke zurückgewonnen – doch strukturelle Herausforderungen im Heimatmarkt und offene Fragen bei strategischen Beteiligungen bleiben. Der Höhenflug der Aktie lässt weiter auf sich warten.