Lufthansa plant Stilllegungen, Hochtief sammelt Milliardenaufträge — Industriesektor im Spagat

Die Blockade der Straße von Hormus belastet Airlines wie Lufthansa mit hohen Kerosinkosten, während Bau- und Infrastrukturkonzerne von Verteidigungsaufträgen profitieren.

Thyssenkrupp Aktie
Kurz & knapp:
  • Lufthansa erarbeitet Notfallpläne für Flugzeugstilllegungen
  • Hochtief sichert sich Milliardenauftrag der Bundeswehr
  • Thyssenkrupp schließt Verkauf der Automationssparte ab
  • Stadler Rail kämpft trotz Rekordaufträgen mit Cashflow

Während Europas größte Airline-Gruppe Notfallpläne für Flugzeug-Groundings vorbereitet, fließen Milliarden in Verteidigungsbau und Schieneninfrastruktur. Die Schließung der Straße von Hormus hat den Industriesektor in zwei Lager gespalten — und die Kluft wächst von Woche zu Woche.

Rund 20 Prozent der weltweiten Rohöllieferungen und etwa 40 Prozent des globalen Kerosinangebots passieren normalerweise diese Meerenge. Seit dem Iran-Konflikt ist dieser Korridor faktisch blockiert. Die Folgen: Kerosinpreise, die sich binnen eines Monats von rund 96 auf 197 US-Dollar pro Barrel mehr als verdoppelt haben. Die 20 größten börsennotierten Airlines verloren zusammen rund 53 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Gleichzeitig profitieren Bau- und Infrastrukturkonzerne von steigenden Verteidigungsbudgets und staatlichen Konjunkturprogrammen.

Lufthansa: Grounding-Pläne als Warnsignal

Europas größter Luftfahrtkonzern bereitet sich auf das Schlimmste vor. CEO Carsten Spohr hat interne Teams angewiesen, abgestufte Krisenpläne zu entwickeln — bis hin zur Stilllegung von Flugzeugen, falls die Nachfrage einbricht. Paradoxerweise reagierte der Markt zunächst positiv: Die Aktie legte am Dienstag um bis zu 8,1 Prozent zu, nachdem sie zuvor rund 16 Prozent seit Jahresbeginn verloren hatte. Anleger honorierten offenbar die Transparenz.

Die operative Realität bleibt jedoch angespannt. Im letzten Quartal lag der Gewinn je Aktie bei 0,21 Euro — ein Minus von 34,5 Prozent gegenüber der Analystenerwartung von 0,32 Euro. Für das laufende Quartal rechnen Analysten sogar mit einem Verlust von 0,26 Euro je Anteilsschein. Spohr brachte es auf den Punkt: Bei einem durchschnittlichen Gewinn von etwa 10 Euro pro Passagier könne die Branche die Kostensteigerungen nicht auffangen. Die Mehrkosten müssten an die Kunden weitergereicht werden.

Einen Teilerfolg verbucht die Airline beim Hedging. Für das laufende Quartal sind 82 Prozent, für den Rest des Jahres 77 Prozent der Treibstoffkosten abgesichert — einer der höchsten Werte unter den großen europäischen Fluggesellschaften. Die Deutsche Bank senkte ihr Kursziel dennoch im März von 8,60 auf 7,00 Euro. Europa deckt etwa die Hälfte seines Kerosinbedarfs aus dem Persischen Golf. Am 6. Mai legt Lufthansa die Zahlen für das erste Quartal 2026 vor — ein Termin mit erheblicher Signalwirkung für die gesamte Branche.

Thyssenkrupp: Portfolioumbau geht weiter

Während Lufthansa den Krisenmodus aktiviert, treibt Thyssenkrupp seine strategische Neuausrichtung voran. Der Konzern hat den Verkauf seiner Automation-Engineering-Sparte an Agile Robots abgeschlossen — ein lange erwarteter Schritt.

Das Geschäft firmiert künftig unter dem Namen Krause Automation und bringt rund 650 Experten sowie zehn Standorte in Europa und Nordamerika in die Agile-Robots-Gruppe ein. Dr. Volkmar Dinstuhl, CEO von Thyssenkrupp Automotive Technology, bezeichnete den Verkauf als „logischen Schritt in der strategischen Neupositionierung“. Das Segment soll sich künftig stärker auf Wachstum und Kapitalmarktfähigkeit konzentrieren.

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Die Aktie notiert bei rund 7,96 Euro — weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro und seit Jahresbeginn über 17 Prozent im Minus. J.P. Morgan hält an seiner Halten-Empfehlung fest. Barclays erhöhte das Kursziel im Februar leicht auf 9,50 Euro.

Mittelfristig setzt Thyssenkrupp auf mehrere Hebel:

  • Marine Systems: Starker Auftragsbestand und Rückenwind durch steigende Verteidigungsausgaben; der geplante Spin-off soll operative Effizienz steigern
  • Dekarbonisierter Stahl: Positionierung als Vorreiter bei grünem Stahl
  • Segmentautonomie: Mehr Eigenständigkeit der einzelnen Geschäftsbereiche soll Margen verbessern

Hochtief: Milliardenprojekt der Bundeswehr als Wachstumstreiber

Hochtief gehört zu den klarsten Profiteuren der europäischen Aufrüstungswelle. Der Baukonzern wurde vom Bundesbauamt als Projektpartner für die Entwicklung des Campus der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg beauftragt. Das Gesamtprojekt hat ein Investitionsvolumen im Milliardenbereich. Hochtiefs Teilauftrag — Abbruch, erweiterter Rohbau und Fassadenarbeiten — liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Die Fundamentaldaten untermauern den Aufwärtstrend. Das operative Nettoergebnis 2025 stieg um 26 Prozent auf 789 Millionen Euro und übertraf damit die eigene Prognose. Der Auftragseingang legte um 32 Prozent zu und trieb den Auftragsbestand auf den Rekordwert von 73 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um knapp 15 Prozent auf 38,24 Milliarden Euro. Für 2026 stellt das Management ein Gewinnwachstum von 20 bis 30 Prozent in Aussicht.

Barclays hat das Kursziel deutlich von 280 auf 419 Euro angehoben — bei Beibehaltung der Gleichgewichten-Einstufung. Als zentrale Wachstumstreiber nennen die Analysten das margenstärkere Rechenzentrumsgeschäft und die Beteiligung an staatlichen Infrastrukturprogrammen in Deutschland und Nordamerika. Die Aktie nähert sich mit 405,60 Euro dem 52-Wochen-Hoch und hat auf Zwölfmonatssicht über 160 Prozent zugelegt. Am 30. April steht die Dividende von 6,60 Euro je Aktie an, die Quartalszahlen folgen am 12. Mai.

Stadler Rail: Rekordaufträge können den Cash-Burn nicht kaschieren

Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller lieferte Mitte März Jahreszahlen, die zwei grundverschiedene Geschichten erzählen. Auf der einen Seite: starkes operatives Wachstum. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 3,7 Milliarden Schweizer Franken. Das EBIT verdoppelte sich nahezu auf 160,6 Millionen Franken, die Marge verbesserte sich von 3,1 auf 4,4 Prozent. Der Auftragseingang erreichte 6,1 Milliarden Franken, der Auftragsbestand überschritt die Marke von 32 Milliarden.

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Auf der anderen Seite steht ein negativer freier Cashflow von 588 Millionen Franken — ein Warnsignal, das Investoren verunsichert. Hinzu kommen technische Probleme: Wegen Lärm- und Vibrationsproblemen an neu konstruierten Drehgestellen haben Kunden in Darmstadt und Basel die Abnahme des TINA-Modells gestoppt. Stadler muss 25 Fahrzeuge bis Jahresende auf eigene Kosten nachrüsten.

Die Skepsis am Markt ist messbar. Nur einer von neun Analysten empfiehlt die Aktie zum Kauf — laut UBS einer der höchsten Leerverkaufsquoten im Sektor. Für 2026 plant das Management einen Umsatzsprung auf über 5 Milliarden Franken bei einer EBIT-Marge oberhalb von 5 Prozent. Ein personeller Einschnitt steht bevor: Bei der Hauptversammlung am 5. Mai in Zürich wird Verwaltungsratspräsident Christoph Franz nicht erneut kandidieren. Als Nachfolgerin ist Sabrina Soussan vorgesehen, die frühere Co-CEO von Siemens Mobility und spätere Chefin von Dormakaba und Suez. Die Aktie notiert bei 22,68 Euro und hat sich in den vergangenen 30 Tagen leicht erholt.

Weichai Power: Umsatzwachstum trifft auf Gewinnrückgang

Der chinesische Motorenhersteller legte am 26. März seinen Jahresbericht 2025 vor — und auch hier zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Der Umsatz wuchs um 7,5 Prozent auf 231,8 Milliarden Yuan. Der Nettogewinn fiel jedoch um 4,2 Prozent auf 10,9 Milliarden Yuan. Die Auslandsmärkte tragen inzwischen mehr als die Hälfte zum Umsatz bei.

Ein unerwarteter Wachstumstreiber gewinnt an Bedeutung: Rechenzentren für KI-Anwendungen benötigen leistungsstarke Dieselgeneratoren. Marktforscher taxieren den globalen Markt für Rechenzentrums-Dieselmotoren bis 2028 auf 83,4 Milliarden Yuan. Weichais M-Serie großvolumiger Motoren verkaufte sich in den ersten neun Monaten 2025 über 7.700 Mal — ein Plus von mehr als 30 Prozent. Davon gingen über 900 Einheiten an Rechenzentrumsprojekte, dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Parallel treibt das Unternehmen sein Neuenergiegeschäft voran. Der Umsatz im Bereich der „drei Elektro-Komponenten“ verdoppelte sich auf 3,04 Milliarden Yuan. Im März 2026 erhöhte Weichai zudem das Kapital seiner Neuenergie-Tochter. Goldman Sachs bestätigte im Februar seine Kaufempfehlung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der geschätzten 2026er-Gewinne liegt bei 15,6 — ein deutlicher Aufschlag gegenüber dem Dreijahresdurchschnitt von 13,2. Die Aktie hat seit Jahresbeginn über 53 Prozent zugelegt und notiert bei 3,19 Euro.

Industriesektor zwischen Geopolitik und Transformation

Der Iran-Konflikt hat die Branche in zwei Geschwindigkeiten gespalten. Selbst bei einer raschen Deeskalation dürften die erhöhten Treibstoffpreise nach Einschätzung von Branchenanalysten bis in den Herbst 2026 nachwirken — der sogenannte Lag-Effekt bremst jede Erholung.

Für die kommenden Wochen stehen entscheidende Termine im Kalender:

  • 30. April: Hochtief Ex-Dividende (6,60 €)
  • 5. Mai: Stadler Rail Hauptversammlung mit Führungswechsel
  • 6. Mai: Lufthansa Q1-Zahlen
  • 12. Mai: Hochtief Quartalsbericht

Hochtief und Weichai Power profitieren von strukturellen Trends — Verteidigungsausgaben, Rechenzentrumsausbau, Infrastrukturinvestitionen. Thyssenkrupp lichtet sein Portfolio und setzt auf eine schlankere Konzernstruktur. Stadler Rail muss beweisen, dass das Cashflow-Problem lösbar ist, bevor der Rekordauftragsbestand seinen vollen Wert entfaltet. Und Lufthansa steht vor der härtesten Bewährungsprobe seit der Pandemie. Die gemeinsame Klammer bei allen fünf Titeln: Transformation — ob erzwungen durch Geopolitik, Marktdynamik oder Technologie.

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Über Dieter Jaworski 2495 Artikel

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Mein Ziel ist es, Ihnen zu helfen, Ihre Finanzen selbstbewusst und systematisch zu steuern. Ich setze auf praxiserprobte Strategien, die auf fundierten Kennzahlen und klaren Regeln basieren – ohne Hype oder kurzfristige Spekulation.

Mein Weg: Von Siemens-Aktien zur professionellen Analyse

Meine Faszination für Finanzen begann früh. Die ersten eigenen Aktien (Siemens-Belegschaftsaktien 1980) weckten mein Interesse. Während meines Elektrotechnikstudiums vertiefte ich mich im Selbststudium in die Analyse von Aktien und Unternehmensdaten. Die Dotcom-Blase um 2000 war eine prägende Erfahrung – der Verlust von 50% des Kapitals verdeutlichte mir schmerzhaft: „Gier frisst Hirn“. Diese Lektion führte zur Entwicklung disziplinierter Strategien im Bereich Value Investing und Momentum.

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