Die italienische Modegruppe Armani bereitet Verhandlungen über den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung vor. Wie die Financial Times und Reuters heute übereinstimmend berichten, zählt der französische Branchenprimus LVMH zu den zentralen Interessenten. Neben dem Pariser Luxuskonzern stehen demnach auch der Kosmetikhersteller L’Oréal sowie der Brillenkonzern EssilorLuxottica vor Gesprächen über ein erstes Aktienpaket im Umfang von 15 Prozent.

Ein Testament mit klarer Verkaufsfrist

Die anstehenden Sondierungen folgen präzisen Vorgaben aus dem Nachlass von Giorgio Armani. Dessen Testament verlangt, dass die ersten Anteile innerhalb von 12 bis 18 Monaten nach seinem Ableben veräußert werden müssen. Für einen späteren Zeitpunkt sah der Gründer zudem die Übergabe größerer Pakete oder einen Börsengang vor.

Ein in Verhandlungskreisen informell diskutierter Plan sieht vor, das Einstiegspaket gleichmäßig unter den drei Interessenten aufzuteilen. Bestätigt ist diese Struktur bislang allerdings nicht. Die ursprünglich für Juni angesetzten Verhandlungen wurden Medienberichten zufolge verschoben und sollen in den kommenden Wochen beginnen. Sollten sich die Parteien nicht einigen, gilt ein Gang an den Kapitalmarkt als Alternative.

Hohe Hürden bei der Bewertung

Bei den finanziellen Vorstellungen zeichnet sich vorab Verhandlungsbedarf ab. Während Stimmen aus dem Umfeld des Modehauses eine Bewertung von rund 10 Milliarden Euro aufrufen, taxieren potenzielle Investoren den Unternehmenswert lediglich auf 3 bis 7 Milliarden Euro. Sowohl L’Oréal als auch EssilorLuxottica halten bereits langjährige Lizenzabkommen mit den Italienern.

Für LVMH böte die Transaktion eine seltene Gelegenheit, an einer der letzten großen unabhängigen Luxusmarken Europas Fuß zu fassen. Das italienische Traditionshaus musste im vergangenen Jahr zwar einen leichten Umsatzrückgang hinnehmen, verfügt mit seinen Zweitlinien jedoch über eine breite Präsenz.

Der Schritt fällt in eine Phase, in der die europäische Luxusgüterindustrie nach den massiven Preisanhebungen der Vorjahre mit spürbarer Kaufzurückhaltung kämpft.

Skepsis am Kapitalmarkt belastet

An der Börse spiegelt sich diese Branchenflaute bereits deutlich wider. Die Aktie von LVMH ging am Freitag bei 400,10 Euro aus dem Handel. Seit Jahresanfang beläuft sich das Minus auf 37 Prozent, womit das Papier nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 395,05 Euro verharrt. Die anstehenden Gespräche dürften zeigen, ob der Konzern die Branchenkonsolidierung trotz des Gegenwinds aktiv nutzen kann.