Ein spektakuläres Kapitel der französischen Wirtschaftsgeschichte holt LVMH wieder ein. Wie die Nachrichtenagentur Reuters heute berichtet, unterzeichnete der Luxusgüterkonzern vor Jahren eine geheime Vereinbarung zum Erwerb von Aktien des Konkurrenten Hermès.

Das Abkommen sah vor, Millionen Anteile des Erben Nicolas Puech sowie weiterer Familienmitglieder zu übernehmen. Die Enthüllungen rücken den einstigen Übernahmeversuch des Branchenprimus erneut in den Fokus.

Brisante Details um Millionenanteile

Der Vertrag vom 12. November 2002 wurde damals von LVMH-Berater Pierre Godé und Eric Freymond, dem Vermögensverwalter von Puech, unterzeichnet. Der Zukauf der Anteile sollte planmäßig nach dem Abgang des damaligen Hermès-Chefs Jean-Louis Dumas im Jahr 2006 starten. Zudem flossen über Jahre hinweg Millionensummen von LVMH und der Arnault-Holding an Freymonds Gesellschaft.

Die Vereinbarung besaß hohe strategische Bedeutung, da LVMH lange versuchte, seinen Einfluss auf das Traditionshaus auszuweiten. LVMH betont jedoch, der Pakt sei nie vollzogen und schließlich vernichtet worden. Zudem weist das Unternehmen jede Beteiligung an Unregelmäßigkeiten zurück, während Freymond im vergangenen Jahr verstarb.

Gleichzeitig birgt die Angelegenheit erhebliche juristische Sprengkraft. Nicolas Puech stellte vor einiger Zeit fest, dass sein Hermès-Aktienpaket im Umfang von rund sechs Prozent spurlos verschwunden war. Der Erbe fordert vor Gericht Schadenersatz über 14 Milliarden Euro.

Die neuen Dokumente wiegen schwer, da LVMH noch in einer gerichtlichen Eingabe im Juni bestritten hatte, jemals den Kauf von Anteilen des Erben angestrebt zu haben. Der frühere Einstiegsversuch bei Hermès endete nach jahrelangem Ringen erst mit einer Einigung über den schrittweisen Ausstieg. Die wieder aufflammenden Vorwürfe werfen nun erneut Fragen zur damaligen Vorgehensweise auf.

Barclays dämpft die Erwartungen

Zu den juristischen Altlasten gesellen sich operative Bremsspuren im Tagesgeschäft. Die britische Bank Barclays senkte heute das Kursziel für LVMH von 620 auf 590 Euro, behielt die Einstufung mit „Overweight“ jedoch bei. Für das dritte Quartal rechnen die Analysten im Kernsegment für Mode und Lederwaren mit einem organischen Erlösrückgang von zwei Prozent.

Die Zurückhaltung wohlhabender Kunden trifft die gesamte Branche spürbar. Vor allem die schwächere Konsumstimmung in wichtigen Absatzmärkten dämpft die Nachfrage nach margenstarken Luxusartikeln und setzt die Rentabilität unter Druck.

Am Aktienmarkt spiegelt sich diese Kombination aus juristischer Unruhe und fundamentaler Abkühlung wider. Im heutigen Handel verliert das Papier 0,2 Prozent auf 412,75 Euro. Seit Jahresanfang beläuft sich das Minus damit auf 35 Prozent.