Goldman Sachs nimmt die Bewertung der europäischen Luxusgüterbranche neu auf und stuft LVMH mit einer Kaufempfehlung ein. Die US-Investmentbank versieht den französischen Branchenprimus mit einem Kursziel von 500 Euro. Nach einer mehrjährigen Durststrecke rechnen die Experten mit einer allmählichen Rückkehr auf den Wachstumspfad.

Trendwende für das Jahr 2027 erwartet

Nach drei Jahren einer Normalisierung nach der Pandemie prognostiziert Goldman Sachs für das Jahr 2027 eine Trendwende im Luxusgütersektor. Für die gesamte Branche wird ab diesem Zeitpunkt wieder ein organisches Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich vorhergesagt. Für LVMH erwarten die Analysten insbesondere im Segment für Lederwaren eine spürbare Erholung.

In den vergangenen Jahren hatten drastische Preisanpassungen das Marktumfeld spürbar verändert. Traditionelle Luxusmarken hoben ihre Preise von Mitte 2019 bis Mitte 2026 um etwa 60 Prozent an.

Diese Teuerung drängte viele Gelegenheitskäufer aus dem Markt, wodurch die Abhängigkeit der Hersteller von extrem vermögenden Kunden zunahm. Für die Zeit ab 2027 erwartet Goldman Sachs vor allem eine robuste Nachfrage in den USA sowie stabilere Verkäufe in China.

UBS bleibt optimistisch, senkt aber das Kursziel

Auch UBS bekräftigte heute ihre prinzipielle Kaufempfehlung für den Konzern, passte ihre Bewertung jedoch an das veränderte Umfeld an. Analystin Zuzanna Pusz reduzierte das Kursziel für LVMH von 645 auf 525 Euro. Die ursprünglichen Erwartungen für das Jahr 2026 hätten sich im Branchenvergleich als verfrüht herausgestellt.

Die Bank geht daher mit vorsichtigeren Annahmen in das kommende Geschäftsjahr. Innerhalb des Sektors bevorzugt die Analystin derzeit Anbieter von hartem Luxus vor den kommenden Zwischenberichten. Dennoch signalisiert auch die neue Einstufung von UBS deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Bewertungsniveau des Branchenführers.

Anleger warten auf Erholungssignale

Die verhaltene Konsumstimmung drückt seit Monaten auf die Notierungen der gesamten Luxusbranche. An den Märkten wird das Papier von LVMH derzeit zu 379,70 Euro gehandelt. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Wertverlust von 40 Prozent.

Die Bewertungsmultiplikatoren europäischer Luxuskonzerne sind im Zuge der Nachfrageabkühlung spürbar gesunken. Investoren warten nun auf verlässliche Signale dafür, ob die Talsohle bei den Umsätzen durchschritten ist und die erhoffte Belebung der Konsumlaune tatsächlich greift.