Ein Markenstreit um Bubble Tea hat Louis Vuitton in China teuer zu stehen gekommen. Der Boykott im Sommer drückt die Mode- und Ledersparte ins Minus. Die Aktie fällt am Dienstag um rund 1,5 Prozent auf etwa 379 Euro und zieht die gesamte Branche mit.
Boykott trifft die wichtigste Sparte
Viele Chinesen mieden Louis Vuitton im Juli und August, nachdem die Marke einen Rechtsstreit gegen den Teehersteller Molly Tea gewonnen hatte. Manche hielten es für unfair, dass der Weltkonzern den kleineren Konkurrenten vor Gericht brachte. Im dritten Quartal sank der organische Umsatz von Mode und Leder um fünf Prozent. Analysten hatten nur einen Rückgang von rund 1,8 Prozent erwartet.
Konzernweit wuchs der Erlös lediglich um etwa ein Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Auch das verfehlte die Prognosen. Finanzvorständin Cecile Cabanis räumte ein, die Folgen des Boykotts seien schwer zu beziffern. Zumindest zu Beginn des Quartals habe er Louis Vuitton aber geschadet.
Hinzu kommt die allgemeine Konsumflaute im Land. Schwache Aktienmärkte, höhere Steuern auf Auslandsvermögen und eine Hinwendung zu günstigeren lokalen Marken belasten die Nachfrage. In China fiel sie zweistellig.
USA, Europa und Japan halten dagegen
Außerhalb Chinas lief es besser. In den USA legte der Umsatz aus eigener Kraft um fünf Prozent zu, in Europa um vier und in Japan um sechs Prozent. Zudem überraschten Weine und Spirituosen sowie der selektive Einzelhandel positiv. RBC-Analyst Piral Dadhania sieht darin einen Ausgleich für die Modeschwäche und bestätigt seine Einstufung „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 475 Euro.
Jefferies erwartet, dass sich die logistischen Probleme von Vuitton in den USA im vierten Quartal abschwächen. Der Boykott in China dürfte demnach keine länger anhaltenden Einbußen nach sich ziehen.
Die Deutsche Bank zeigt sich vorsichtiger. LVMH habe selbst die ohnehin niedrigen Erwartungen verfehlt, die Konsensschätzungen dürften weiter sinken. Eine kurzfristige Wende sei nicht in Sicht. Trotz der Bewertung nahe historischer Tiefs sieht das Haus aber ein positives Chance-Risiko-Verhältnis, da die Schwäche eher zyklisch als strukturell sei.
Sektor leidet mit
Der Kursrückgang seit Jahresbeginn summiert sich auf mehr als 40 Prozent. Kein anderer großer Luxuskonzern hat an der Börse so stark verloren. Die Aktie notiert nur knapp über ihrem Jahrestief von 376 Euro. Hermès, Kering und Richemont gaben am Dienstag ebenfalls deutlich nach. Zusätzlich belasten der Krieg im Nahen Osten, hohe Ölpreise und die anziehende Inflation die Stimmung.
Für die Branche folgt der nächste Test noch im Oktober. Kering und Hermès legen ihre Geschäftszahlen vor, und sie zeigen, ob die chinesische Zurückhaltung auch dort durchschlägt.
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