Über 400 Euro galt bei LVMH lange als sicherer Puffer. Jetzt ist die Marke in Reichweite eines echten Bruchs – und der Chart liefert derzeit keine Argumente für eine baldige Trendwende.

Am Dienstag ging es für die Aktie in Paris um 2,26 Prozent auf 408 Euro nach unten, den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Zu Jahresbeginn notierte das Papier noch über 640 Euro – ein Kursverlust von mehr als einem Drittel. LVMH ist damit sogar aus dem Kreis der zehn wertvollsten europäischen Unternehmen gerutscht.

China bremst, die Charttechnik verschärft

Auslöser der jüngsten Schwäche sind enttäuschende Konjunkturdaten aus China: Die Einzelhandelsumsätze blieben im August unter den Erwartungen und bestätigen die schleppende Kauflaune der für Luxusgüter entscheidenden Kundschaft dort. Das US-Analysehaus Bernstein reagierte mit einer Kurszielsenkung von 570 auf 520 Euro – auch das gesenkte Ziel liegt aber noch deutlich über dem aktuellen Kurs.

Charttechnisch sieht es nicht besser aus. Der Trendstärkeindikator MACD zeigt einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend, bullishe Divergenzen fehlen bislang komplett.

Für eine echte Trendwende müsste die Aktie den Bereich um 462 Euro zurückerobern, wo sowohl die Abwärtstrendoberkante als auch die 200-Tage-Linie verlaufen – aktuell scheint dafür die Kraft zu fehlen. Fällt die 400-Euro-Marke, wartet die nächste Unterstützungszone zwischen 350 und 365 Euro.

Bewertung wird günstiger, Geduld bleibt gefragt

Fundamental zeichnet sich immerhin eine interessante Gegenbewegung ab: Die Aktie ist stärker gefallen, als sich die Ertragslage tatsächlich verschlechtert hat. Für 2026 wird ein KGV von 18,6 veranschlagt, deutlich unter dem Fünf-Jahres-Mittel von 26,7. Für 2027 rechnen Analysten sogar mit einem KGV von nur 16,4, sollte die erwartete Gewinnerholung eintreten. Die Dividendenrendite könnte im laufenden Geschäftsjahr bei 3,1 Prozent liegen.

Auf Wochen- und Monatsbasis nähert sich die Aktie zudem überverkauften Zonen an, was die Rebound-Chancen mittelfristig erhöhen könnte. Ein Anzeichen für eine unmittelbare Trendwende ist das jedoch nicht – dafür braucht es zunächst eine mehrwöchige Stabilisierung oberhalb der aktuellen Tiefs.