Ein Krieg im Nahen Osten drückt die Bilanz, während neureiche Tech-Investoren in den USA die Rettung bringen. Bei LVMH prallen im zweiten Quartal zwei völlig gegensätzliche Kräfte aufeinander — und das Ergebnis lässt Anleger ratlos zurück.

Der Konzern setzte im ersten Halbjahr 38,6 Milliarden Euro um, drei Prozent weniger als im Vorjahr. Aus eigener Kraft, also organisch, wuchsen die Erlöse dagegen um zwei Prozent. Ohne den Iran-Konflikt wäre das Quartalswachstum auf Konzernebene bei vier statt drei Prozent gelandet — die schwächere Nachfrage in Einkaufszentren des Nahen Ostens kostete sichtbar Substanz.

Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn sank im Halbjahr um vier Prozent auf 8,69 Milliarden Euro, die Marge blieb mit 22,5 Prozent aber fast stabil. Unter dem Strich verdiente LVMH mit rund 5,7 Milliarden Euro etwa so viel wie ein Jahr zuvor. Analysten hatten mit einem stärkeren Einbruch gerechnet, das Ergebnis übertraf den Konsens leicht.

USA und Schmuck als Lichtblicke

Die Mode- und Ledersparte, größter Gewinnbringer des Konzerns, kehrte nach sieben Quartalen Flaute zur organischen Wachstum zurück. Als Treiber gilt eine Vermögenswelle unter US-Technologieinvestoren, die Watches & Jewelry und Fashion & Leather Goods in den USA, Südkorea und Japan besonders stark beschleunigte. Dior zeigt unter dem neuen Kreativdirektor Jonathan Anderson erste Fortschritte. Schmuck bleibt ohnehin der Branchenliebling — Goldringe und -armbänder finden bei wohlhabenden Kunden reißenden Absatz.

Käufer aus Japan, Europa und China hielten sich hingegen zurück. Die Aktie reagierte entsprechend zurückhaltend: Nach anfänglichen Kursgewinnen von bis zu drei Prozent rutschte sie ins Minus und notierte rund ein Prozent unter dem Vortagsniveau. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp 28 Prozent verloren — LVMH zählt damit zu den schwächsten europäischen Standardwerten, trotz eines Börsenwerts von weiterhin rund 230 Milliarden Euro.

Die UBS reagierte mit einer leichten Kurszielsenkung auf 645 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“ und lobt das Chance-Risiko-Verhältnis. Ob die US-Nachfrage die Schwäche in China und Europa langfristig ausgleichen kann, dürfte sich erst in der zweiten Jahreshälfte zeigen — dort will der Konzern seine Position als Weltmarktführer im Luxussegment verteidigen.