Ein Wolfram-Produzent nimmt nach Jahren des Wartens endlich die Förderung auf – und die Aktie fällt trotzdem. Ein Seltene-Erden-Riese wagt den Sprung vom Rohstoffverkäufer zum Magnethersteller. Und ein kleiner Antimon-Explorer stolpert nebenbei über Gold. Der Rare-Earth-Sektor liefert diese Woche gleich mehrere Beispiele dafür, wie unterschiedlich Märkte auf operative Fortschritte reagieren können.
Almonty Industries: Produzentenstatus erreicht, Anleger bleiben skeptisch
Almonty hat an seiner Sangdong-Mine in Südkorea eine entscheidende Schwelle überschritten. Im Juni begann das Unternehmen, gelagertes Erz durch die neu in Betrieb genommene Aufbereitungsanlage zu leiten und verkaufsfähiges Wolframkonzentrat herzustellen. Rund 139.700 Tonnen Erz mit einem Gehalt von etwa 0,25 Prozent WO₃ lagen zu Beginn der Inbetriebnahme bereit – nach Unternehmensangaben ein Bruttowert von umgerechnet knapp 68 Millionen US-Dollar.
Die Marktreaktion fiel nüchtern aus. Fast zeitgleich mit dem Produktionsstart wurde Almonty in den Russell 1000 und den Russell 3000 aufgenommen – zwei Nachrichten, die eigentlich Kursfeuerwerk hätten auslösen sollen. Stattdessen gab die Aktie in der vergangenen Woche nach.
Aktuell notiert das Papier bei 23,23 kanadischen Dollar und liegt damit rund 30 Prozent unter seinem Rekordhoch von 33,35 CAD, das erst im April markiert wurde. Der 50-Tage-Durchschnitt von 25,96 CAD wird ebenfalls verfehlt, der Titel handelt gut zehn Prozent darunter. Der RSI von 43,8 deutet auf eine neutrale bis leicht angeschlagene Stimmung hin. Zur Einordnung: Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von über 93 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es mehr als 211 Prozent. Der Markt hat die guten Nachrichten offenbar längst eingepreist und verlangt nun handfeste Beweise für eine stabile Produktionsrampe. Parallel treibt Almonty die Exploration am nahegelegenen Sangdong-Molybdän-Projekt voran, wo bereits gut ein Drittel des geplanten Bohrprogramms abgeschlossen ist.
Antimony Resources: Bohrerfolge und ein unerwarteter Goldfund
Bei Antimony Resources bleibt der Bohrmeißel der Haupttreiber der Story. Auf der Bald-Hill-Liegenschaft in New Brunswick liefert das Unternehmen weiterhin hochgradige Antimon-Abschnitte, etwa einen Bohrkern mit drei mineralisierten Zonen über mehr als 44 Meter Länge. Das laufende Bohrprogramm mit rund 18.000 Metern zielt darauf ab, sowohl die bekannte Hauptzone zu erweitern als auch neu entdeckte Bereiche zu testen.
Überraschend kam zuletzt ein zusätzlicher Fund hinzu: Gold. Die Goldmineralisierung tritt sowohl innerhalb der antimonreichen Zonen als auch in angrenzenden Bereichen auf – über eine Streichlänge von rund 600 Metern innerhalb der insgesamt mehr als 1.000 Meter langen Hauptzone.
Der Goldfund hat der Aktie sichtlich Auftrieb gegeben. Binnen sieben Tagen legte das Papier um 11,44 Prozent zu und schloss zuletzt bei 0,41 Euro. Über 30 Tage steht dennoch ein Minus von 6,83 Prozent zu Buche – frisch handelbare Aktien aus einer Privatplatzierung drücken offenbar auf die Stimmung. Seit Jahresbeginn bleibt mit 25,31 Prozent ein deutliches Plus, über zwölf Monate sind es sogar 337,90 Prozent. Im Fokus steht jetzt die erste formelle Ressourcenschätzung nach NI-43-101-Standard, die von SRK Consultants vorbereitet wird und für das dritte Quartal 2026 erwartet wird. Sie soll zeigen, ob das intern kolportierte Zielvolumen von 2,7 Millionen Tonnen Erz mit 3 bis 4 Prozent Antimongehalt tatsächlich Substanz hat.
Graphite One: Leiser Baufortschritt abseits der Schlagzeilen
Während andere Sektorwerte mit lauten Meldungen aufwarten, arbeitet Graphite One eher im Hintergrund an seiner Downstream-Strategie. Für die geplante Aktivanoden-Anlage in Ohio wurde ein wichtiger Engineering-Auftrag gesichert, zusätzlich kam ein Vertrag zur Integration der Produktionslinie hinzu – beides Schritte in Richtung der angepeilten Kapazität von 25.000 Tonnen synthetischem Grafit pro Jahr.
Das Alaska-Projekt Graphite Creek bleibt derweil auf Kurs für eine angestrebte Genehmigungsentscheidung des Bundes bis September 2026. Als erstes Bergbauprojekt Alaskas im FAST-41-Programm genießt es dabei einen beschleunigten Prüfprozess.
Die Kursentwicklung spiegelt den spekulativen, vorbörslichen Charakter des Unternehmens wider. Die Aktie notiert bei 0,59 Euro, nach einem Rückgang von 10,88 Prozent auf Monatssicht und einem Minus von fast 50 Prozent seit Jahresbeginn. Der RSI von 35,6 signalisiert eine überverkaufte Lage, der Titel liegt gut 30 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Trotz der schwachen Kursentwicklung bleibt die Analystenmeinung konstruktiv – ein Kursziel deutlich oberhalb des aktuellen Niveaus zeigt, dass die Permitting-Fortschritte in Alaska als werttreibend eingestuft werden.
Arafura Rare Earths: Finanzierungshürde genommen, harte Arbeit folgt
Für Arafuras Nolans-Projekt stand in dieser Woche die bislang wichtigste Abstimmung des Jahres an. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Aktionäre allen sieben vorgelegten Beschlüssen zu – die meisten davon mit Zustimmungsraten von über 92 Prozent. Damit ist eine zentrale Governance-Hürde für das Finanzierungsprogramm des Projekts genommen.
Das Votum beseitigt Verfahrensrisiken, nicht aber die eigentlichen Ausführungsrisiken. Zwei Fragen bleiben offen: Ob die restlichen Finanzierungsbedingungen bis zur Frist am 1. Dezember erfüllt werden können, und ob eine anhängige Umweltklage den regulatorischen Rahmen noch durcheinanderbringt. Bis zur ersten Produktion – frühestens 2029 – liegen noch die schwierigsten Phasen vor dem Unternehmen: Fertigstellung der Finanzierung, Bau, Hochskalierung der Solvent-Extraktion und Qualifizierung bei Kunden.
Kommerziell steht Arafura solide da. Für 93 Prozent der geplanten Produktion von Neodym-Praseodym-Oxid liegen bereits Abnahmeverträge vor, unter anderem mit Hyundai, Kia, Siemens Gamesa und Traxys North America. Zusätzliches Gewicht bringt Gina Rineharts Hancock Prospecting mit, die über eine Beteiligung von 17,5 Prozent erheblichen Einfluss auf das Unternehmen ausübt. An der Börse bleibt die Reaktion verhalten: Die Aktie notiert bei 0,15 Euro, gut 15 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und fast 50 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Oktober vergangenen Jahres.
Lynas Rare Earths: Vorstoß ins Magnetgeschäft
Lynas hat mit der bedeutendsten strategischen Bewegung der Woche aufhorchen lassen. Über die Tochtergesellschaft JS Link sicherte sich das Unternehmen einen Standort für eine Fabrik zur Herstellung von Seltene-Erden-Permanentmagneten nahe der bestehenden Anlage in Kuantan, Malaysia. Bis zu 400 neue Arbeitsplätze sollen dort entstehen, die geplante Kapazität liegt bei 3.000 Tonnen Neodym-Eisen-Bor-Sintermagneten pro Jahr. Lynas investiert dafür rund 50 Millionen australische Dollar in Eigenkapital der südkoreanischen Partnerfirma.
Interimschef Pol Le Roux ordnete den Schritt direkt in die Wachstumsstrategie des Unternehmens ein und bezeichnete ihn als Umsetzung des Ziels, außerhalb Chinas eine eigene Metall- und Magnet-Lieferkette aufzubauen. Der Deal baut auf der bestehenden Stärke von Lynas auf: Die LAMP-Anlage in Kuantan ist nach Durchsatzkapazität die größte Trennanlage für schwere Seltene Erden außerhalb Chinas. Zusätzlich hat das Unternehmen im März die Produktion von Samariumoxid aufgenommen, das in Hochleistungsmagneten Verwendung findet.
An der Börse zeigt sich die Aktie robust, wenn auch nicht euphorisch. Bei 10,82 Euro notiert der Titel knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,29 Euro, aber gut sieben Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 50,77 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 140,49 Prozent – als einziger etablierter, cashflow-starker Wert der Gruppe finanziert Lynas seine Vorwärtsintegration ins Magnetgeschäft aus eigener Kraft.
Sektordynamik: Zwischen Meilenstein und Beweislast
Die fünf Unternehmen stehen an klar unterschiedlichen Punkten der Entwicklungskurve, und der Markt bewertet diesen Unterschied unmissverständlich:
- Produzenten: Almonty (frisch) und Lynas (seit über einem Jahrzehnt) monetarisieren bereits laufende Produktion
- Vorproduktionsphase: Arafura, Graphite One und Antimony Resources kämpfen jeweils um Finanzierung, Genehmigungen oder Bohrerfolge
- Gemeinsamer Nenner: Alle fünf positionieren sich im Windschatten westlicher Bestrebungen, Lieferketten für Wolfram, Seltene Erden, Grafit und Antimon unabhängiger von China zu machen
- Volatilität als roter Faden: Selbst positive Nachrichten wie Almontys Produktionsstart oder Arafuras Aktionärsvotum lösten keine nachhaltigen Kursrallyes aus
Antimony Resources und Graphite One reagieren als kleinere, frühphasige Werte besonders sensibel auf einzelne Assay-Ergebnisse oder Genehmigungsnachrichten. Lynas hebt sich als einziger reifer, cashflow-generierender Wert der Gruppe ab.
Rohstoffsektor vor mehreren Belastungsproben
Die kommenden Monate bringen gleich mehrere Weichenstellungen. Bei Almonty entscheidet sich, ob Sangdong einen verlässlichen Durchsatz liefern und den Erzstapel in stetigen Cashflow verwandeln kann. Arafura muss die verbleibenden Finanzierungsbedingungen vor dem 1. Dezember erfüllen und gleichzeitig die Umweltklage im Blick behalten. Antimony Resources wartet auf die lange verzögerte Ressourcenschätzung im dritten Quartal, die zum entscheidenden Test für das bisher nur konzeptionelle Tonnageziel werden dürfte. Graphite One steuert auf eine Genehmigungsentscheidung im September zu, während Lynas nun die praktische Umsetzung seines Kuantan-Magnetprojekts angehen muss. Über allem schwebt die im November anstehende Überprüfung des chinesischen Exportlizenzregimes für Seltene Erden – ein geopolitischer Faktor, der Preise und Dringlichkeit in der gesamten Branche neu ordnen könnte.
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