An der Wiener Börse kommt es am heutigen Freitag zu einer wesentlichen Änderung im Handel mit den Papieren der Marinomed Biotech AG. Das Unternehmen, das sich derzeit in einem gerichtlichen Sanierungsverfahren befindet, wechselt vom fortlaufenden Handel in das Auktionsverfahren. Dieser Schritt folgt auf die Beendigung des Market-Making-Mandats durch die Raiffeisen Bank International (RBI), die ihre Liquiditätsdienstleistungen für die Aktie bereits am 22. Juli fristlos gekündigt hatte.

Wechsel in das Auktionsverfahren

Die Umstellung auf das Auktionsverfahren bedeutet für Anleger eine Einschränkung der Handelsflexibilität, da Transaktionen nun nicht mehr kontinuierlich, sondern nur noch zu bestimmten Zeitpunkten während des Börsentages ausgeführt werden. Der Rückzug der RBI als Market Maker entzieht dem Titel eine wichtige Liquiditätsquelle, was die Volatilität der Aktie zuletzt massiv erhöht hat. Im heutigen Handel legt der Kurs um 8,00 % auf 5,40 Euro zu. Dennoch bleibt die Situation für langfristig orientierte Investoren prekär: Seit Jahresbeginn hat das Papier 71,73 % an Wert verloren.

Hintergrund der handelsrechtlichen Turbulenzen ist die schwere finanzielle Schieflage des Biopharma-Unternehmens. Nachdem Gespräche über wichtige Meilensteinzahlungen scheiterten, sah sich der Vorstand gezwungen, den Gang zum Insolvenzgericht anzutreten.

Sanierungsverfahren und Schuldenlast

Das Landesgericht Korneuburg hat bereits am 23. Juli das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über das Vermögen der Marinomed Biotech AG förmlich eröffnet. Zur Sanierungsverwalterin wurde die Rechtsanwältin Dr. Ulla Reisch bestellt. Auslöser für den Insolvenzantrag war eine drohende Zahlungsunfähigkeit, nachdem ein früherer Sanierungsplan aus dem November 2024 nicht wie erhofft umgesetzt werden konnte.

Das Unternehmen bezifferte die ausstehenden Verbindlichkeiten zuletzt auf rund 27,9 Millionen Euro, die gegenüber etwa 90 Gläubigern bestehen. Ein wesentlicher Faktor für das Scheitern der bisherigen Finanzplanung war das Ausbleiben von Earn-out-Zahlungen in Höhe von bis zu 15 Millionen Euro durch den Partner Unither Pharmaceuticals. Diese Zahlungen waren Teil eines Verkaufs von Vermögenswerten rund um das Produkt Carragelose im Februar 2025.

In dem nun laufenden Verfahren strebt Marinomed einen neuen Sanierungsplan an. Dieser sieht vor, den unbesicherten Gläubigern eine Quote von 20 % anzubieten, die innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren gezahlt werden soll. Die operative Fortführung des Unternehmens während dieses Prozesses soll sichergestellt werden, während die Sanierungsverwalterin die wirtschaftliche Kontrolle übernommen hat.

Verschobener Finanzbericht und Analystenecho

Die rechtlichen und finanziellen Umwälzungen haben auch unmittelbare Auswirkungen auf die Transparenzpflichten des Unternehmens. Wie Marinomed am vergangenen Sonntag mitteilte, wird die ursprünglich für den 16. September geplante Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts 2026 auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Management begründete diesen Schritt mit den Anforderungen des laufenden Sanierungsverfahrens, die derzeit Priorität vor der regulären Finanzberichterstattung haben.

Auch Analystenseite reagierte bereits auf die Eskalation der Krise. Die Experten der GBC AG setzten am 24. Juli ihr bisheriges Kursziel von 51,00 Euro aus und stellten die Einstufung für den Titel auf „Under Review“. Die Analysten verwiesen dabei explizit auf die Unsicherheiten durch die gerichtliche Verfahrenseröffnung. Zwar notiert der Kurs aktuell mit 42,11 % deutlich über seinem 52-Wochen-Tief von Mitte Juli, doch eine fundamentale Neubewertung der Aktie ist laut Marktbeobachtern erst möglich, wenn die Sanierungsquote und die künftige Finanzierungsstruktur des Unternehmens gesichert sind. Bis dahin bleibt das Handelsumfeld durch die Reduzierung auf das Auktionsverfahren geprägt.