Die Zukunft von Marinomed Biotech liegt nun offiziell in den Händen einer Verwalterin. Das Landesgericht Korneuburg hat das Sanierungsverfahren am 23. Juli 2026 eröffnet. Damit verliert der Vorstand vorerst die Kontrolle über das operative Geschäft.

Streit um Millionen-Zahlungen

Hinter der Insolvenz steht ein gescheiterter Rettungsversuch aus dem Jahr 2024. Dem Unternehmen fehlen liquide Mittel, da Gelder aus einem wichtigen Kooperationsvertrag ausblieben. Im Fokus steht dabei der Partner Unither Pharmaceuticals.

Marinomed verkaufte den Geschäftsbereich Carragelose bereits im Februar 2025 an Unither. Damals flossen fünf Millionen Euro als fester Kaufpreis. Meilensteinzahlungen von bis zu 15 Millionen Euro blieben jedoch vollständig aus.

Das Management wirft dem Partner eine schuldhafte Verzögerung vor. Unither habe Kundenverträge nicht abgeschlossen und die Strategie geändert. Ohne diese Earn-outs konnte Marinomed die alten Gläubigerforderungen nicht mehr bedienen.

Quote von 20 Prozent

Die Schuldenlast wiegt schwer. Das Unternehmen hat Verbindlichkeiten von rund 28 Millionen Euro angehäuft. Davon entfallen etwa 23 Millionen Euro auf unbesicherte Forderungen von knapp 90 Gläubigern.

Der neue Sanierungsplan sieht eine Quote von 20 Prozent vor. Diese Summe will das Unternehmen innerhalb von zwei Jahren zurückzahlen. Parallel dazu führt die Sanierungsverwalterin Ulla Reisch den Betrieb in Korneuburg fort.

Rund 30 Mitarbeiter konzentrieren sich nun auf die Marinosolv-Plattform. Hinzu kommt das neu gestartete Compounding-Geschäft. Ob diese Assets für eine Rettung ausreichen, hängt stark vom Ausgang des Streits mit Unither ab.

Liquidität am Boden

Analysten der GBC AG bewerten die Lage als kritisch. Sie setzten das Kursziel und das Rating der Aktie vorerst aus. Die Experten sehen die wirtschaftliche Basis des Standorts gefährdet.

Zusätzlichen Druck erzeugt der Rückzug der Raiffeisen Bank International. Die Bank kündigte ihren Vertrag für das Market-Making. Anleger müssen deshalb mit geringer Liquidität und hohen Preisunterschieden im Handel rechnen.

Die Aktie verlor seit Jahresbeginn fast 70 Prozent an Wert. Der für September geplante Halbjahresbericht erscheint vorerst nicht. Marinomed verschob den Termin aufgrund der Krise auf unbestimmte Zeit.

Über die Annahme des Sanierungsplans entscheiden nun die Gläubiger. Maßgeblich für den Erfolg bleibt die Durchsetzung der Millionen-Forderungen gegenüber Unither Pharmaceuticals.