Die Warnung kommt von einem Kenner des Konzerns. Fumiya Kokubu, früherer CEO von Marubeni, rechnet ab Ende Juni mit gravierenden Engpässen in Japans Chemieindustrie. Der Grund: Die Abhängigkeit von Nahost-Importen ist so hoch, dass ein Ersatz kaum möglich scheint.
Japan bezieht rund 40 Prozent seines Naphthas direkt aus der Krisenregion – zusätzlich 95 Prozent des Rohöls, das in heimischen Raffinerien verarbeitet wird. Die 15 Millionen Kiloliter Naphtha aus Nahost zu ersetzen, ist laut Kokubu „nahezu unmöglich“. Alternative Quellen wie die USA? Unrealistisch, sagt der Ex-Manager.
Versorgungslücke ab Juni
Derzeit hält die japanische Regierung an ihrer Einschätzung fest, die vorhandenen Vorräte würden für das nächste Jahr reichen. Kokubu widerspricht. Er fordert die Regierung auf, über nachfragedämpfende Maßnahmen nachzudenken – andernfalls drohe eine schwere Angebotslücke.
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Die Folgen wären weitreichend. Verpackungsmaterialien, Medizinprodukte, Industrieschmierstoffe und Lacke – zahlreiche Sektoren hängen an Naphtha-Produkten. In Regionen wie Kyushu melden Fertigungsbetriebe wachsende Unsicherheit bei der Rohstoffbeschaffung ab dem Sommer.
Strategische Expansion trotz Risiken
Marubeni selbst gibt sich unterdessen gelassen. Im ersten Quartal 2026 verkündete der Konzern neue Rohstoffpartnerschaften und treibt ein Kupferprojekt in Chile voran – die Umweltprüfungen sind abgeschlossen. Parallel dazu baut Marubeni seine Logistik in Südostasien aus, mit Fokus auf kürzere Lieferzeiten und mehr Verarbeitungskapazität.
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Börsianer beobachten die Entwicklung genau. Die Aktie notiert bei 28,35 Euro, praktisch unverändert zum Vortag. Auf Jahressicht steht ein Plus von 19 Prozent – der starke 12-Monats-Anstieg von 63 Prozent zeigt jedoch, dass die Bewertung schon viel positive Dynamik eingepreist hat.
Sollte sich die Naphtha-Warnung bewahrheiten, dürften die Märkte die Risiken für Japans Industrie neu bewerten müssen. Einige Analysten rechnen mit einer Versorgungslücke, die weit über die Chemiebranche hinausreicht. Die Regierung in Tokio steht vor der Frage, ob sie ihre optimistische Linie korrigiert – und womöglich Lieferungen rationieren muss.
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