Die Aktie von Marvell Technology fällt zurück – nach einer Rallye, die im Halbleitersektor ihresgleichen sucht. Der Kurs erreichte am Dienstag ein Rekordhoch von 290,35 Euro, schloss am Donnerstag bei 272,35 Euro. Ein Rücksetzer von gut sechs Prozent. Dahinter steckt eine grundsätzliche Frage: Ist die Bewertung noch gerechtfertigt?
Rekordhoch und Rücksetzer
Die Aktie ist seit Jahresanfang um 257 Prozent gestiegen, in den letzten dreißig Tagen allein um 85 Prozent. Ein atemberaubender Lauf – unterbrochen durch eine vorbörsliche Schwäche am Donnerstag. Auslöser: enttäuschende Guidance von Broadcom, die den gesamten Sektor belastet. Hinzu kommen geopolitische Spannungen im Nahen Osten, die risikoreiche Titel wie Marvell besonders treffen.
Der RSI liegt bei 88,7 – klar überkauft. Die Aktie notiert 96 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Das macht sie anfällig für Gewinnmitnahmen.
Der Bullen-Case: Rekorde und steigende Prognosen
Die fundamentale Geschichte ist intakt. Marvell meldete für das erste Fiskalquartal 2027 einen Rekordumsatz von 2,418 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent zum Vorjahr. Für das zweite Quartal stellt das Management 2,7 Milliarden Dollar in Aussicht – ein Wachstum von 35 Prozent.
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Besonders stark: das Custom-ASIC-Geschäft. Die Umsätze sollen in diesem Fiskaljahr um mehr als 20 Prozent steigen, angetrieben vom XPU-Programm. Für das nächste Jahr rechnet das Management mit einer Verdopplung im Custom-Bereich. Die Gesamtprognose für das Fiskaljahr 2028 liegt nun bei rund 15 Milliarden Dollar Umsatz.
Die Analysten ziehen nach. Stifel hob das Kursziel von 230 auf 321 Dollar an. Morningstar folgte mit einem Sprung von 130 auf 235 Dollar – und nannte Marvell den „Optik-Gewinner“ im KI-Infrastruktur-Boom.
Der Bären-Case: Insiderverkäufe und hohe Bewertung
Nicht jeder ist überzeugt. In den letzten drei Monaten verkauften Insider Aktien im Wert von 32 Millionen Dollar. Käufe? Fehlanzeige.
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Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 99,6. Ein Beta von 2,29 macht die Aktie extrem volatil. Selbst das erhöhte Stifel-Kursziel von 321 Dollar hatte die Aktie bereits überschritten – der Spielraum für weitere Kursgewinne ist gering.
Hinzu kommt: Broadcom lieferte starke Zahlen. Das könnte Kapital von Marvell abziehen, hin zum direkten Konkurrenten.
Langfristige Perspektive: Ehrgeizige Ziele
CEO Matt Murphy bestätigte auf Nachfrage das Umsatzziel von über zehn Milliarden Dollar für das Fiskaljahr 2029. „Wir haben eine klare Sicht auf diese Zahlen“, sagte er. „Sie basieren auf Designs, die wir bereits gewonnen und fixiert haben.“
Das klingt zuversichtlich. Doch der Markt hat diese Zuversicht längst eingepreist – und mehr. Mit einer Jahresperformance von 257 Prozent und einer Bewertung jenseits des 99-fachen Jahresgewinns bleibt wenig Raum für Enttäuschungen. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob Marvell das Tempo halten kann.
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