Liebe Traderinnen und Trader,

der Markt belohnt heute Sondersituationen, nicht Indexwetten. Eine Übernahme im US-Gesundheitssektor hebt die europäischen Pharmadienstleister um bis zu 7 Prozent. Ein Chiphersteller aus der zweiten KI-Reihe übertrifft mit seiner Prognose für 2028 die Erwartungen der Wall Street um rund zehn Prozent.

Und in Europa dreht der Anleihemarkt zugunsten der Banken. Wer jetzt handelt, sollte auf Einzelwerte mit Nachricht setzen, nicht auf den DAX, der über 25.400 Punkten lediglich Rückenwind aus den USA nutzt.

Option Care Health: McKesson zahlt 32,05 Dollar, der Spread ist fast geschlossen

Bei Option Care Health ist das Geld bereits verdient. McKesson und der Finanzinvestor Clayton Dubilier & Rice übernehmen den Anbieter von Infusionstherapien für 32,05 Dollar je Aktie. Der Deal bewertet Option Care Health mit rund 5,8 Milliarden Dollar inklusive Schulden.

Die Aktie springt im Verlauf um rund 30 Prozent auf 27,40 Euro, das entspricht etwa 30,84 Dollar in der US-Notierung. Damit notiert das Papier nur noch knapp unter dem Angebotspreis von umgerechnet rund 28,47 Euro. Für Spätentschlossene bleibt praktisch nur die Restprämie der nächsten Monate, kein Kurspotenzial mehr.

Die eigentliche Trading-Information liegt in der Ausstrahlung nach Europa. Merck, Qiagen, Sartorius und Evotec legten nach Bekanntwerden des Angebots um 4 bis 7 Prozent zu, obwohl keines der vier Unternehmen direkt betroffen ist. Der Markt preist also neue Übernahmefantasie für den gesamten Sektor der Pharmadienstleister ein.

Wer hier mitgeht, sollte die Logik verstehen: Ein Käufer zahlt eine Prämie von rund einem Drittel für planbare Gesundheitsumsätze, und genau diese Planbarkeit bieten Sartorius und Qiagen auch. Ohne konkreten Interessenten bleibt die Bewegung aber eine Hoffnungsrallye, die den nächsten Rücksetzer bringt, sobald die Zahlen von PepsiCo und Delta die Berichtssaison in den Vordergrund schieben.

Marvell: 20 Milliarden Dollar Umsatz für 2028, die Rallye bekommt neuen Treibstoff

Marvell liefert, was eine verdreifachte Aktie braucht: eine Zahl, die den Kurs rechtfertigt. Marvell Technology hebt auf seiner Anlegerveranstaltung die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2028 auf rund 20 Milliarden Dollar an. Das liegt rund zehn Prozent über den Schätzungen der Wall Street von 18,2 Milliarden Dollar und stützt sich auf maßgeschneiderte Chips für Rechenzentren.

Die Marvell-Aktie notiert im Verlauf 6,8 Prozent höher bei 258 Euro, nachdem sie sich seit Jahresbeginn bereits mehr als verdreifacht hat. Das 52-Wochen-Hoch vom 3. Juni bei 290,35 Euro rückt damit wieder in Reichweite.

Die Prognose zieht den gesamten Sektor mit. Broadcom liegt 4 Prozent im Plus, weil beide Unternehmen im Markt für kundenspezifische KI-Chips konkurrieren. AMD markiert bei 584,80 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch, nachdem Konzernchefin Lisa Su einen deutlichen Ausbau der Lieferkapazitäten für 2027 ankündigte.

Der Nasdaq 100 steht auf Rekordniveau, und Goldman Sachs erwartet, dass KI-Infrastrukturaktien im dritten Quartal mehr als die Hälfte des Gewinnwachstums im S&P 500 liefern.

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Wer von der KI-Rallye mehr will als die ohnehin gefeierten Schwergewichte, sollte den Blick auf Titel aus der zweiten Reihe richten. Der Spezialreport „Heimliche KI-Profiteure“ stellt vier ausgewählte KI-Aktien vor, darunter einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Vier KI-Werte jetzt kennenlernen

Für Trader heißt das: Die Breite der Bewegung ist das Signal, nicht Nvidia allein. Nächster Prüfstein ist TSMC, das am Donnerstag seinen Neunmonatsumsatz veröffentlicht. Die TSMC-Aktie gibt zuletzt leicht nach und steht damit vor den Zahlen unter Beobachtung.

Europas Banken: Der Anleihemarkt dreht, UniCredit führt den EuroStoxx an

Die beste Nachricht für Europas Banken kommt aus Paris, nicht aus den Bilanzen. Der Abstand zwischen französischen und deutschen Zehnjahresrenditen schrumpft am Dienstag auf rund 125 Basispunkte. Vor einer Woche lag er noch bei knapp 159 Basispunkten.

Auslöser ist ein Haushaltsplan von Marine Le Pen, der das französische Staatsdefizit bis 2032 unter 3 Prozent der Wirtschaftsleistung drücken soll. Die Rendite französischer Staatsanleihen fällt um etwa 15 Basispunkte, die Bundrendite sinkt auf rund 3,45 Prozent.

UniCredit gewinnt 2,77 Prozent und ist damit stärkster Wert im EuroStoxx 50. Sinkende Risikoaufschläge in Südeuropa und Frankreich entlasten die Anleihebücher der Institute unmittelbar.

Zugleich gibt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nach, nachdem sie am Montag mit 5,35 Prozent den höchsten Stand seit 2002 erreicht hatte. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Oktober ist auf gut 20 Prozent gefallen und liegt damit deutlich unter dem Niveau der Vorwoche.

Ein Zinsschritt im Dezember bleibt mit etwa 70 Prozent eingepreist. Meine These für die nächsten Sitzungen: Solange der französische Spread unter 130 Basispunkten bleibt, haben europäische Bankaktien Rückenwind, unabhängig von der US-Zinsdebatte. Gegenbeispiel aus der zweiten Reihe ist Flatexdegiro mit minus 7 Prozent, hier war kein Anlass erkennbar.

Alstom und Thyssenkrupp: Industrie-Sondersituationen mit Umkehrpotenzial

Bei Alstom zählt nicht das Plus, sondern der Ort, an dem es entsteht. Alstom gehört am Dienstag zu den Gewinnern im europäischen Industriesektor: Die Aktie notiert im Verlauf 4,7 Prozent fester bei 16,10 Euro.

Entscheidend ist der Kontext: Das 52-Wochen-Tief bei 14,47 Euro stammt erst vom 25. September, seit Jahresbeginn liegt das Papier 36 Prozent im Minus. Der Sprung ist damit ein Umkehrsignal aus einem tiefen Abwärtstrend, kein Ausbruch in neues Terrain.

Hinzu kommt eine Portfolio-Nachricht, die allerdings noch nicht in trockenen Tüchern ist. Alstom und Rheinmetall haben sich grundsätzlich auf wesentliche Eckpfeiler für den Übergang des Lokomotivwerks Kassel mit rund 750 Beschäftigten geeinigt.

Die Details des Wechsels zu Rheinmetall Landsysteme werden noch verhandelt, zu Kaufpreis und Zeitplan gibt es keine Angaben. Alstom will an anderen Standorten weiter Lokomotiven bauen und bestehende Kundenverträge erfüllen.

Thyssenkrupp sprang zeitweise um gut 3 Prozent, nachdem Kaufinteresse an der Aufzugsparte TK Elevator bekannt wurde. Am Nachmittag ist von dem Plus nur noch wenig übrig, die Thyssenkrupp-Aktie notiert bei 13,85 Euro knapp über dem Vortagesschluss. Dass Kone als europäischer Aufzugshersteller 2,7 Prozent gewinnt, zeigt die Branchenfantasie. Das 52-Wochen-Hoch von Thyssenkrupp bei 15,86 Euro vom 17. September bleibt vorerst außer Reichweite.

Krypto: Filecoin, Zcash und Solana laufen, Ethereum testet die 200-Millionen-Gas-Grenze

Die Musik spielt in den Altcoins, nicht bei Bitcoin. Filecoin steigt binnen 24 Stunden um rund 13 Prozent und hat in den vergangenen Wochen etwa 50 Prozent zugelegt, ohne projektspezifischen Auslöser. Die Käufer bleiben vorsichtig: Der Netto-Spotabfluss ist mit knapp 357.000 Dollar leicht negativ, ein Liquidationscluster liegt um 1,05 Dollar.

Zcash gewinnt rund 3 Prozent auf etwa 1.360 Dollar. Das Upgrade NU7 läuft im Testnetz, der Start im Hauptnetz ist für Anfang November geplant und senkt die Blockzeit von 75 auf 25 Sekunden. Die Abflüsse aus dem Grayscale Zcash ETF haben sich auf 3,57 Millionen Dollar verlangsamt, nach 93,56 Millionen Dollar in der Vorwoche.

Solana liefert die institutionelle Nachricht des Tages. Die Solana Foundation veröffentlicht mit Einfluss von J.P. Morgan den Abwicklungsstandard Solana DvP, der Wertpapiergeschäfte in Sekunden statt in ein bis zwei Tagen abwickelt. SOL konsolidiert bei rund 120 Dollar, das technische Ziel liegt bei 149 Dollar, die Unterstützungen bei 117 und 97 Dollar.

Ethereum aktivierte heute das Glamsterdam-Upgrade im Testnetz Sepolia und verdreifacht dort die Rechenkapazität je Block auf 200 Millionen Gas. Der nächste Test im Hoodi-Netz ist für den 27. Oktober geplant, der Hauptnetz-Termin steht noch aus.

Der Kurs reagiert nicht: ETH notiert bei rund 2.700 Dollar, die US-Spot-ETFs verzeichnen den fünften Abflusstag in Folge mit insgesamt 206 Millionen Dollar seit dem 29. September. Bitcoin hält sich bei knapp 86.000 Dollar und scheitert erneut an der Marke von 87.000 Dollar.

Marschroute

Für den DAX gilt: Die Hürde liegt bei 25.500 Punkten, das Vorwochentief bei 24.831 Punkten ist die Absicherung nach unten. Marvell hat bis zum Juni-Hoch bei 290,35 Euro Luft, AMD handelt am 52-Wochen-Hoch bei 584,80 Euro. Alstom muss sich über 16 Euro halten, um die Umkehr vom Tief bei 14,47 Euro zu bestätigen.

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Während die Kursmarken bei Marvell und AMD den kurzfristigen Rahmen abstecken, liegt der eigentliche Treiber im Big-Data- und KI-Boom dahinter. Der kostenlose Report „Megatrend KI“ ordnet die Top 10 der Big-Data-Unternehmen ein und zeigt, wie sich Anleger gezielt im KI-Sektor positionieren können. Top-10-Report herunterladen

Bei den Banken ist der französische Spread von 125 Basispunkten die Kontrollgröße. Für SOL gelten 149 Dollar als Ziel und 117 Dollar als Stopp-Zone, Zcash hat Widerstand bei 1.377 bis 1.384 Dollar und Unterstützung bei 1.281 Dollar. Ethereum bewegt sich zwischen 2.720 und 2.640 Dollar, Bitcoin zwischen 87.374 und 84.000 Dollar.

Die Termine: Am Mittwoch kommen das Protokoll der Fed-Septembersitzung und der Porsche-Kapitalmarkttag. Am Donnerstag folgt der TSMC-Umsatz. Am 14. Oktober stehen die US-Inflationsdaten an, vor der Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober.

Gute Trades,

Ihr Andreas Sommer