MDAX am Monatsende: Carl Zeiss Meditec und Nemetschek fallen, Jungheinrich erholt sich

Jungheinrich erholt sich leicht nach Gewinnwarnung, während Healthcare- und Tech-Werte im MDAX nachgeben. Die Quartalszahlen rücken in den Fokus.

Jungheinrich Aktie
Kurz & knapp:
  • Jungheinrich mit technischer Erholung
  • Carl Zeiss Meditec mit Gewinnwarnung
  • Nemetschek vor wichtigen Quartalszahlen
  • Lanxess hofft auf Trendwende

Eine Gewinnwarnung, eine halbierte Marge, ein Streik — Jungheinrich lieferte vergangene Woche den perfekten Sturm für den MDAX-Industriesektor. Heute zeigt sich das Midcap-Segment gespalten: Während geschlagene Industriewerte eine technische Gegenbewegung starten, geraten Healthcare- und Technologietitel unter Abgabedruck. Die anstehende Flut an Quartalszahlen dürfte die Weichen für die nächsten Wochen stellen.

GewinnerKursVeränderung
Jungheinrich25,64 €+2,4 %
Lanxess18,28 €+2,0 %
Hella69,20 €+1,0 %
VerliererKursVeränderung
Carl Zeiss Meditec25,84 €−3,1 %
Nemetschek62,30 €−2,8 %
Redcare Pharmacy48,14 €−2,7 %

Jungheinrich: Schnäppchenjagd nach dem Kurseinbruch

Der heutige Kursanstieg darf nicht über die Dimension des Schadens hinwegtäuschen. Jungheinrich hat innerhalb einer Woche rund 12 Prozent an Wert verloren. Die vorläufigen Q1-Zahlen vom vergangenen Freitag lieferten den Auslöser: Das EBIT brach auf 56,5 Millionen Euro ein — weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts von 104,5 Millionen Euro.

Hinter dem Ergebniseinbruch stehen gleich mehrere Faktoren. Erhöhter Preisdruck, negative Auslastungseffekte und ein Streik im Werk Lüneburg belasteten das operative Geschäft. Hinzu kamen Einmaleffekte aus der Entkonsolidierung der russischen Tochtergesellschaft in Höhe von 20 Millionen Euro. Die EBIT-Marge sackte von 8,0 auf 4,4 Prozent ab.

Ein Lichtblick verbirgt sich im Auftragseingang. Mit 1,535 Milliarden Euro lag er deutlich über dem Vorjahreswert — allerdings begünstigt durch Vorzieheffekte infolge angekündigter Preiserhöhungen. Strukturell bleibt die Aktie angeschlagen: Bei 25,64 Euro notiert sie weit unter dem 50-Tage-Durchschnitt und nahe dem Jahrestief. Der heutige Anstieg ist Schnäppchenjagd, kein Trendwechsel.

Lanxess: Hoffnung auf Quartalszahlen treibt den Kurs

Die Vorfreude auf den 7. Mai wirkt. An diesem Tag legt Lanxess die Q1-Ergebnisse vor — und die Erwartungen sind klar definiert: Analysten rechnen mit einem geringeren Verlust je Aktie als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr steht womöglich die Rückkehr in die Gewinnzone an, erstmals nach einer längeren Verlustphase.

Der Weg dorthin bleibt steinig. Nach einem, wie das Unternehmen selbst es formulierte, „extrem harten“ Geschäftsjahr 2025 setzt Lanxess auf positive Impulse frühestens ab dem zweiten Halbjahr. Das Infrastrukturpaket der Bundesregierung könnte hier eine Rolle spielen. Gleichzeitig läuft ein harter Sparkurs: Bis Ende 2028 sollen jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich eingespart werden. 550 Stellen fallen weg, zwei Drittel davon in Deutschland.

Bei 18,28 Euro hat sich die Aktie deutlich von ihrem Jahrestief bei 11,78 Euro im März gelöst. Ein nachhaltiger Aufwärtstrend hängt allerdings davon ab, ob die kommenden Zahlen die Trendwende-These untermauern.

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Hella: Elektroniksparte wird zum größten Geschäftsbereich

Ein historischer Meilenstein für Hella — erstmals ist die Elektroniksparte der größte Geschäftsbereich des Automobilzulieferers. CEO Peter Laier sprach von einem „insgesamt sehr soliden“ Jahresstart. Die vorläufigen Q1-Umsatzdaten zeigten ein zweigeteiltes Bild: Während Elektronik und Lifecycle Solutions zulegten, schwächelte das Lichtgeschäft.

Negative Wechselkurseffekte drückten den Umsatz um 2,9 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Währungsbereinigt blieb er stabil bei rund 2,0 Milliarden Euro. Die vollständigen Quartalsergebnisse veröffentlicht Hella morgen, am 29. April.

Der moderate Kursanstieg auf 69,20 Euro signalisiert verhaltene Zuversicht vor diesem Termin. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 16 Prozent verloren — von einer Trendumkehr zu sprechen wäre verfrüht. Das Papier notiert nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief.

Carl Zeiss Meditec: Gewinnprognosen drastisch gekappt

Der Abwärtstrend reißt nicht ab. Carl Zeiss Meditec verliert heute weitere 3,1 Prozent und gehört damit zu den schwächsten MDAX-Werten. Das Ausmaß des Niedergangs ist bemerkenswert: Vor knapp einem Jahr notierte die Aktie noch bei über 65 Euro — heute sind es keine 26 Euro mehr.

Der fundamentale Druck hat sich in den vergangenen Wochen weiter verschärft. Die Gewinnprognosen für die Jahre 2026 bis 2028 wurden um bis zu 29 Prozent nach unten korrigiert. Auch die DZ Bank hat den fairen Wert zuletzt gesenkt. Analysten setzen ihre Hoffnung nun auf Kosteneinsparungen als Stabilisierungsfaktor.

Ob die Bodenbildung, die sich zwischenzeitlich andeutete, tatsächlich tragfähig ist, muss sich erst zeigen. Die anhaltend schwache Nachfrage im Medizintechniksektor lässt wenig Raum für kurzfristige Euphorie.

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Nemetschek: Countdown bis zum Lackmustest

Übermorgen, am 30. April, legt Nemetschek die Quartalszahlen vor. JPMorgan-Analyst Joseph George rechnet mit einem 16-prozentigen organischen Umsatzanstieg und hat das Kursziel bei 110 Euro belassen — fast doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs. Darin steckt eine klare Botschaft: Die Bewertung ist in den Augen der Analysten zu niedrig.

Der Markt sieht das derzeit anders. Die Aktie hat seit August 2025 mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt und notiert bei 62,30 Euro nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 57,60 Euro. Vergangene Woche unterschritt der Kurs die 50-Tage-Linie nach unten — ein technisches Warnsignal.

Für die Aktie verdichten sich die Ereignisse: Bestätigen die Q1-Zahlen, dass Cloud-Wachstum und wiederkehrende Umsätze das hohe Niveau halten, entsteht ein konkretes Gegenargument zur aktuellen Kursschwäche. Bleibt das Wachstum hinter der eigenen Prognose von 14 bis 15 Prozent zurück, droht ein weiterer Rückschlag. Der heutige Abgabedruck ist klassisches Pre-Earnings-Positioning.

Redcare Pharmacy: Starkes Wachstum, aber der Ausblick enttäuscht

18 Prozent Umsatzwachstum auf 848 Millionen Euro im ersten Quartal — operativ liefert Redcare Pharmacy. Die Jahresprognose steht: 13 bis 15 Prozent Umsatzplus bei einer bereinigten EBITDA-Marge von mindestens 2,5 Prozent. Klingt solide. Und trotzdem verliert die Aktie weiter an Boden.

Der Grund liegt im Abstand zwischen Unternehmensausblick und Markterwartungen. Jefferies beziffert die Lücke beim EBITDA auf 19 Prozent gegenüber dem bisherigen Konsens. Die Online-Apotheke hat ihre Wachstumsziele nach dem Markteintritt neuer Wettbewerber deutlich nach unten angepasst. Insbesondere der Eintritt der Drogeriekette dm in den Online-Pharmamarkt schürt Sorgen.

Am 6. Mai stehen die vollständigen Q1-Zahlen an — der erste echte Belastungstest für das neue Führungsteam. Bei einem Kurs von 48,14 Euro hat sich die Aktie zwar seit dem Jahrestief von 31 Euro im März deutlich erholt, der Abwärtstrend seit Jahresbeginn ist mit minus 28 Prozent aber intakt.

Sektorrotation als Thema der kommenden Wochen

Die zentralen Impulse für den MDAX in den nächsten Tagen:

  • 30. April: Nemetschek-Quartalszahlen — Richtungsweisend für den Tech-Sektor im MDAX
  • 30. April: Kion-Group-Q1-Bericht — nach dem Jungheinrich-Schock sind die Erwartungen am Boden
  • 6. Mai: Redcare Pharmacy veröffentlicht Q1-Ergebnisse
  • 7. Mai: Lanxess-Quartalszahlen — Belegen sie die erhoffte Trendwende?

Der heutige Handelstag zeigt eine klare Rotation: Anleger nehmen bei hochbewerteten Wachstumstiteln Gewinne mit und suchen bei zyklischen Nachzüglern den Einstieg. Ob daraus mehr wird als ein kurzfristiges Muster, entscheidet die Berichtssaison. Die nächsten zehn Tage liefern die Antworten.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.