Liebe Traderinnen und Trader,
1,3 statt 0,6 Prozent – so weit heben die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für Deutschland im Jahr 2026 an, mehr als eine Verdopplung gegenüber der Frühjahrsschätzung. Das ifo-Geschäftsklima überrascht zusätzlich positiv. Und der DAX? Der reißt genau an diesem Donnerstag seine 100-Tage-Linie. Der Chart handelt derzeit nicht das, was in zwölf Monaten sein könnte, sondern das, was heute den Ölpreis, die US-Renditen und ein Treffen im Weißen Haus bewegt: Brent über 100 Dollar, US-Renditen auf dem höchsten Stand seit 2007, und Donald Trump im Gespräch mit Xi Jinping über Zölle, Iran und künstliche Intelligenz. Wir schauen deshalb heute weniger auf das Warum als auf die Marken, an denen sich entscheidet, ob aus dem Rücksetzer eine echte Korrektur wird.
DAX: Die 100-Tage-Linie ist gerissen, nicht verteidigt
Die 100-Tage-Linie bei rund 25.320 Punkten war der Prüfstein des Tages, und der DAX hat ihn nicht bestanden. Im Verlauf ging es zwar bis über 25.400 Punkte hinauf, doch der Index wurde dort abgewiesen und notiert am Abend knapp über 25.250 – wieder unterhalb der Linie und nur wenige Punkte über dem Tagestief. Auf Monatssicht steht ein Minus von knapp vier Prozent, das Allzeithoch vom 28. August bei rund 26.600 Punkten rückt weiter weg. Der MDAX zeigte im Tagesverlauf noch deutlich mehr Schwäche als der Leitindex.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Nachrichtenlage. Die Konjunkturforscher sehen den Aufschwung nach eigener Lesart bereits seit Jahresende 2025 laufen, US-Finanzminister Bessent hat die Zollpause für China-Importe bis zum 10. Januar verlängert, und Trump trifft Xi Jinping heute im Weißen Haus. Positive Signale allesamt – und trotzdem kein Kaufinteresse. Die Lehre daraus: Solange der Markt unterhalb der 100-Tage-Linie handelt, bleiben Erholungen Verkaufsgelegenheiten, keine Einstiegssignale. Erst eine Rückeroberung der Marke mit Schlusskurs darüber würde das Bild drehen. Wer den Dip kaufen will, hat dafür heute kein technisches Argument bekommen, nur ein fundamentales – und beide laufen derzeit in verschiedene Richtungen.
Nvidia: Relative Stärke trotz Rendite-Druck, der Dip bleibt nahe am Hoch
Der Chipsektor gerät unter den steigenden US-Renditen ins Rutschen, doch Nvidia hält sich auffällig gut. Die Aktie notiert im laufenden Handel bei 195,66 Euro (rund 222,55 Dollar), ein Minus von 1,2 Prozent – und damit nur wenige Euro unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus dem Mai. Das ist der entscheidende Punkt für Trader: Während der Dow Jones auf Monatssicht 4,5 Prozent verloren hat, liegt Nvidia im gleichen Zeitraum 7,3 Prozent im Plus. Relative Stärke in einem schwachen Markt ist genau das Muster, in dem Rücksetzer gekauft werden.
Fundamental gibt es dafür Rückendeckung: Der jüngste Quartalsumsatz lag bei 96,2 Milliarden Dollar, 18 Prozent über dem Vorquartal, dazu kommt ein Deal mit AWS über zwei Millionen GPUs. Alle 31 Analysten, die den Wert abdecken, raten zum Kauf, das mittlere Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei 324,32 Dollar – umgerechnet rund 285 Euro. Der Wermutstropfen: Der Quartalsausblick rechnet ohne Rechenzentrumsumsatz aus China. Genau deshalb ist das heutige Treffen zwischen Trump und Xi, bei dem auch KI auf der Agenda steht, für Nvidia relevanter als für jeden anderen Wert im Depot.
Weniger stabil zeigt sich der Rest der KI-Infrastruktur. Oracle verlor am Donnerstag rund 5,5 Prozent, nachdem der Konzern laut Bloomberg für ein Rechenzentrum in New Mexico eine Force-Majeure-Mitteilung verschickt hat. AMD markierte bei 549,20 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch und überschritt diese Woche erstmals eine Billion Dollar Marktwert, dreht aber im Tagesverlauf auf unverändert. Für Nvidia gilt: Solange das Tagestief bei 194,60 Euro hält, bleibt der Aufwärtstrend intakt.
Bitcoin: Die 84.000er-Zone ist gefallen, jetzt zählt die Kaufzone darunter
Der Anleiheausverkauf hat Bitcoin aus seiner Kernunterstützung gedrückt. Die Zone zwischen 84.000 und 85.000 Dollar, die Glassnode als Core-Support definiert hatte, wurde nach unten durchbrochen, der Kurs pendelt seither um 83.500 Dollar – umgerechnet rund 73.400 Euro. Der Schaden im Derivatemarkt war erheblich: Binnen 24 Stunden wurden Positionen im Volumen von 613 Millionen Dollar liquidiert, davon 544 Millionen auf der Long-Seite. Es war der dritte Verlusttag in Folge, das Allzeithoch von 126.198 Dollar rückt in weite Ferne.
Und trotzdem: Die ETF-Käufer bleiben. Am Mittwoch flossen den US-Bitcoin-Spot-ETFs netto 347 Millionen Dollar (rund 305 Millionen Euro) zu, angeführt von BlackRocks IBIT mit 166 Millionen und Fidelitys FBTC mit 143 Millionen – der fünfte positive Tag in Folge mit einer Summe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Das Jahressaldo der Zuflüsse ist damit wieder positiv. Wer hier verkauft, sind Hebel-Trader unter Zwang, nicht institutionelle Allokatoren. Laut Santiment sitzen zudem noch fast 73 Prozent aller Bitcoin-Halter auf Buchgewinnen.
Die Karte für die nächsten Sitzungen: Analysten sehen die Kaufzone bei 80.000 bis 81.000 Dollar (rund 70.300 bis 71.200 Euro), bei einem Liquiditätsrutsch wäre 75.000 Dollar das nächste Auffangnetz – Glassnodes „Real Market Mean“ liegt bei 77.000 Dollar. Nach oben bildet die MVRV-Marke bei 96.700 Dollar den Widerstand, das Kursziel der Bullen bleibt 100.000. Terminrisiko: Am Samstag, 26. September, laufen auf Deribit Bitcoin-Optionen im Volumen von 16 Milliarden Dollar aus. Wer den Dip kaufen will, sollte nicht vor diesem Verfall, sondern in der genannten Zone danach zugreifen. Bei den Altcoins ist das Bild uneinheitlich: XRP gibt 3,9 Prozent auf 1,51 Dollar nach, Solana verliert 1,9 Prozent auf gut 116 Dollar, liegt auf Monatssicht aber 18 Prozent vorn – die Spot-ETFs beider Coins verzeichnen weiter Zuflüsse.
Zinsseitig bleibt der Gegenwind: Philadelphia-Fed-Chefin Anna Paulson und New-York-Fed-Chef John Williams halten einen weiteren Zinsschritt bis Jahresende für wahrscheinlich, der Terminmarkt preist dafür rund 64 bis 71 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Eine Gegenstimme kommt von Goldman-Sachs-Stratege Rob Kaplan: Er hält die eingepreisten Erhöhungen für übertrieben und plädiert für eine Pause im Oktober. Sollte er recht behalten, wäre das der Impuls, der die Kaufzone bei Bitcoin zum Boden macht.
Lufthansa: Ölpreis über 100 Dollar trifft den Konzern mit der dünnsten Marge
Brent über 100 Dollar ist für keine Airline gut, für die Lufthansa aber besonders schlecht – denn sie fliegt bereits mit der dünnsten Marge unter den europäischen Netzwerkgesellschaften. Aufsichtsratschef Johannes Teyssen hat heute ungewöhnlich offen kritisiert, der Konzern sei „zu deutsch geprägt“, zu langsam, zu wenig international. Die Zahlen geben ihm recht: Im zweiten Quartal blieb ein operativer Gewinn von 346 Millionen Euro bei einer operativen Marge von knapp über drei Prozent. Air France-KLM schaffte im selben Quartal mehr als fünf, IAG mehr als zehn Prozent. Die Kernmarke Lufthansa gilt weiter als größtes Problem, das Sanierungsprogramm soll bis 2028 insgesamt 2,5 Milliarden Euro einsparen.
Der Chart spiegelt das: Die Aktie verliert im Tagesverlauf 1,3 Prozent auf 7,61 Euro, liegt seit Jahresbeginn 9,5 Prozent im Minus und hat vom Juli-Hoch bei 10,27 Euro ein Viertel eingebüßt. Das 52-Wochen-Tief bei 6,72 Euro aus dem Oktober 2025 ist die nächste relevante Marke nach unten. Ein Trading-Setup gibt es hier erst, wenn der Ölpreis dreht – vorher ist Lufthansa ein Short-Kandidat gegen die Konkurrenz, kein Turnaround.
SpaceX: Lockup-Verkäufe gegen Google-Fantasie
Bei SpaceX prallen heute zwei Kräfte aufeinander. Einerseits werden 328 Millionen Aktien aus der Haltefrist frei – die vierte Freigabe seit dem Börsengang am 12. Juni –, und Analysten rechnen damit, dass bis zu 20 Prozent davon auf den Markt kommen könnten. Im Oktober folgen weitere 656 Millionen Aktien. Andererseits hat Google heute Project Suncatcher vorgestellt: Ein Prototyp-Satellit mit Trillium-TPUs soll auf SpaceX‘ Transporter-18-Mission ins All, um KI-Rechenleistung jenseits irdischer Energieengpässe zu testen.
Die Aktie nimmt das gelassen und notiert im Verlauf mit plus 0,1 Prozent bei 130,52 Euro (rund 148,46 Dollar). Technisch spannend: Der IPO-Preis von 135 Dollar und das 61,8-Prozent-Fibonacci-Niveau bei 137 Dollar bilden eine Unterstützungszone knapp unter dem Kurs; hält sie durch die Lockup-Welle, sehen Charttechniker Raum bis 170 Dollar. Das Juni-Hoch von 194,46 Euro bleibt fern, aber das August-Tief bei 91,04 Euro zeigt, wie tief die Aktie bereits gefallen war. Hier läuft ein Test mit klarem Stopp-Level.
Marschroute
Der Freitag entscheidet an drei Stellen. Beim DAX ist die 100-Tage-Linie bei rund 25.320 Punkten die Wasserscheide – ein Schluss darüber entwarnt, ein Schluss unter dem heutigen Tief bestätigt die Korrektur. Bei Bitcoin steht der 16-Milliarden-Dollar-Optionsverfall an, die Kaufzone liegt bei 80.000 bis 81.000 Dollar, das Sicherheitsnetz bei 75.000, der Widerstand bei 96.700. Nvidia bleibt oberhalb von 194,60 Euro der Stärkste im Feld, mit 202,50 Euro als nächstem Ziel. SpaceX hält man mit Stopp unter 135 Dollar, Lufthansa meidet man, solange Brent dreistellig notiert.
Genau diese Streuung über völlig unterschiedliche Themen – Indizes, Chip-Aktien, Kryptowährungen, Airlines und Raumfahrt – zeigt, wie schnell sich die Bewegung von einem Sektor zum nächsten verschiebt. Kein einzelnes Thema trägt den Markt allein, und wer nur auf ein Segment gesetzt hat, schaut bei den anderen vier oft zu. Genau für solche Marktphasen hat Carsten Müller ein System entwickelt, das er im Live-Webinar „Die Cash-Rallye | 20 Cash-Trades in 10 Wochen“ am 27.09.2026 um 18:00 Uhr vorstellt. Sein sogenannter Cash-Alarm scannt permanent deutsche Aktien, US-Tech, Indizes, Rohstoffe, Währungen und Kryptos und schlägt dort an, wo sich gerade die größte Bewegung aufbaut – unabhängig von der Branche. Zu den bisherigen Treffern zählen laut Müller Rheinmetall mit +136,5 Prozent, Siemens Energy mit +96,9 Prozent und Broadcom mit +37,4 Prozent, verteilt über Rüstung, Energie, Uran, Banken, Cybersecurity und Chips. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
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