Mercedes-Benz kämpft mit massiven Kostennachteilen am Standort Deutschland und verschärft den Ton in den laufenden Strukturdebatten. Während der Konzern die Kapazitäten in Ungarn zuletzt deutlich ausbaute, drohen für heimische Werke harte Einschnitte. Gleichzeitig versucht der Stuttgarter Autobauer, mit Modellpflegen und exklusiven Sonderserien seine Margen im Kerngeschäft zu stützen.
Standortwettbewerb verschärft sich
Der Kostendruck innerhalb der deutschen Automobilindustrie nimmt weiter zu, wobei Mercedes-Benz Berichten zufolge mit der Schließung eines heimischen Standorts droht. Hintergrund ist die Forderung nach einer Erhöhung der Arbeitszeit von 35 auf 40 Wochenstunden ohne Lohnausgleich. Dies entspräche einer effektiven Lohnkürzung von gut einem Achtel. Die IG Metall hat hierzu bereits für einen Aktionstag am 21. September aufgerufen.
Im krassen Gegensatz dazu steht die Expansion im Ausland. In Ungarn verdoppelte das Unternehmen vor wenigen Monaten die Kapazitäten im Werk Kecskemét. Die Investitionen beliefen sich dort auf eine Milliarde Euro. Laut Eurostat-Daten liegen die Kosten für eine Industrie-Arbeitsstunde in Ungarn mit 15,60 Euro deutlich unter dem deutschen Niveau von 49,50 Euro.
Fokus auf Luxus und Exklusivität
Trotz der Standortdiskussionen treibt das Management die Erneuerung der Fahrzeugpalette voran. Seit dem 18. August ist die Modellpflege der C-Klasse der Baureihe 206 bestellbar, deren Preise bei 48.844 Euro beginnen. Ergänzend dazu setzt Mercedes auf extreme Exklusivität und limitierte Stückzahlen im obersten Segment.
Von der Spezialanfertigung Mercedes-AMG CLE 646 wurden lediglich 30 Exemplare produziert, die bereits allesamt verkauft sind. Operativ blickt der Markt gespannt auf den 28. Oktober, wenn Mercedes-Benz die Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegen wird. Im zweiten Quartal konnte das Unternehmen bei einem Umsatz von 32,06 Milliarden Euro noch ein Ergebnis je Aktie von 1,14 Euro erzielen.
Die Dividendenschätzung für das laufende Geschäftsjahr liegt laut Analysten bei 3,12 Euro. Dies entspräche einer Senkung gegenüber dem Vorjahr, in dem 3,50 Euro an die Aktionäre ausgeschüttet wurden. Die Anpassung reflektiert das herausfordernde Umfeld, in dem sich der Autobauer derzeit behaupten muss.
Aktie ringt um Stabilität
An der Börse spiegeln sich die strukturellen Herausforderungen und die branchenweite Schwäche wider. Die Aktie von Mercedes-Benz gab am Freitag leicht nach und schloss bei 46,55 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust des DAX-Titels damit bereits auf 23 Prozent.
Inmitten dieser schwierigen Phase notiert das Papier aktuell knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 46,00 Euro. Anleger achten nun darauf, ob die Unterstützung in diesem Bereich hält, während die gesamte Branche unter dem Eindruck der Restrukturierungspläne beim Wettbewerber Volkswagen steht. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die angekündigten Sparmaßnahmen ausreichen, um das Vertrauen des Marktes zurückzugewinnen.
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