BMW hat gehustet — Mercedes-Benz hat sich erkältet. Nachdem der Münchner Rivale Mitte Juni eine massive Gewinnwarnung veröffentlichte, zieht der Sektordruck die Stuttgarter weiter nach unten. Am Montagvormittag notiert die Aktie bei 44,66 Euro, nur noch 1,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom vergangenen Mittwoch.
Technisch angespannt, fundamental unter Druck
Das Chartbild ist eindeutig. Mit einem Minus von fast 28 Prozent seit Jahresbeginn liegt die Aktie weit unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 49,79 Euro und noch deutlicher unter dem 200-Tage-Schnitt von 55,20 Euro. Der RSI von 31,2 signalisiert einen technisch überverkauften Zustand — eine Erholung blieb bislang trotzdem aus.
Der Grund liegt im fundamentalen Umfeld. Investoren fürchten eine anhaltend schwache Nachfrage in China und steigende Kosten beim Umbau zur Elektromobilität. Beides belastet nicht nur BMW, sondern den gesamten deutschen Premiumsektor.
VLE: Luxus-Van als Margenstütze
Parallel zum Kursverfall setzt Mercedes-Benz auf eine Höherpositionierung im Van-Segment. Erste Testberichte zum neuen VLE erschienen am Wochenende. Das Fahrzeug soll als „Grand Limousine“ den Personentransport neu definieren — und vor allem die Margen im bisher margenschwachen Nutzfahrzeugbereich stützen.
Die Serienproduktion hat im spanischen Werk Vitoria begonnen. Technisch setzt der VLE auf 800-Volt-Architektur, eine WLTP-Reichweite von über 700 Kilometern und einen 31,3-Zoll-Bildschirm im Dachhimmel. Zum Start kommt der VLE 300 mit 115-kWh-Akku und 203 kW. Später folgt die Allrad-Variante VLE 400 4Matic mit 310 kW.
Das Konzept ist klar: Wer im Van-Segment Premiumpreise verlangen will, braucht Premiumtechnik.
China bleibt das entscheidende Fragezeichen
Mercedes-Benz will seine Forschung und Entwicklung in China ausbauen — mit Fokus auf digitale Features und KI-Assistenzsysteme. In Europa legt der Elektroabsatz zu. In China dagegen stockt die Nachfrage nach reinen Elektromodellen wie dem CLA EQ, während lokale Hersteller den Preiskampf verschärfen.
Ob die China-Strategie greift, zeigt sich erst in den Zahlen. Am 23. Juni veröffentlicht der Branchenverband ACEA die europäischen Neuzulassungsdaten für Mai — ein erster Stimmungstest. Die eigentliche Weichenstellung folgt am 28. Juli 2026, wenn Mercedes-Benz die Quartalszahlen für Q2 vorlegt. Dann wird sich zeigen, ob die Umsatzrendite in der Pkw-Sparte trotz Gegenwind stabil geblieben ist.
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