Zwischen vollen Auftragsbüchern für neue Elektrofahrzeuge in Europa und einem drastischen Einbruch im hochprofitablen China-Geschäft driftet die fundamentale Entwicklung bei Mercedes-Benz spürbar auseinander.
Während der Stuttgarter Autobauer im Heimatmarkt operative Teilerfolge verbucht, trifft die Kaufzurückhaltung im asiatischen Luxussegment den Konzern an seiner empfindlichsten Stelle. Für die Aktionäre rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, ob die Erfolge der Transformation die Ertragslücken im traditionellen Kerngeschäft kompensieren können.
Luxuskrise in Asien trifft die Kernerträge
Die Ursache der aktuellen Anspannung liegt vor allem auf dem chinesischen Markt. Gestern ausgewiesene Branchendaten verdeutlichen das Ausmaß der Abkühlung: Die Pkw-Auslieferungen der Marke brachen dort im dritten Quartal um 31 Prozent auf 86.800 Einheiten ein. Über die ersten neun Monate summierte sich das Minus im Reich der Mitte bereits auf 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Besonders schwer wiegt dabei der Nachfragerückgang im margenstarken Top-End-Bereich. Auslieferungen der teuersten Baureihen sanken weltweit um 21 Prozent auf 53.900 Fahrzeuge. Da diese prestigeträchtigen Modelle traditionell die höchsten Renditen abwerfen und die Forschungsbudgets absichern, schlägt dieser Rückgang überproportional auf die Profitabilität durch. Selbst Zuwächse auf dem US-Markt konnten diesen Dämpfer nicht auffangen.
Vor diesem Hintergrund geriet die Aktie an den Märkten weiter unter Druck. Im vorbörslichen Handel notierte das Papier bei 39,70 Euro und verharrte damit in unmittelbarer Schlagdistanz zum 52-Wochen-Tief von 38,91 Euro.
Kontrastierender Nachfrageschub bei Stromern
Demgegenüber steht ein beachtlicher Hochlauf der alternativen Antriebe in Europa. Die weltweiten Verkäufe rein batterieelektrischer Pkw kletterten im zurückliegenden Jahresviertel um 61 Prozent auf 68.400 Einheiten. Damit machten reine Stromer 16,8 Prozent des gesamten Pkw-Absatzes aus. In Europa war im selben Zeitraum fast jedes dritte verkaufte Kundenfahrzeug voll batteriebetrieben.
Dieser Nachfrageanstieg stößt operativ an Kapazitätsgrenzen. Die vollelektrischen Modellvarianten von CLA, GLA, GLB und GLC sind für die restliche europäische Jahresproduktion vergriffen. Die Bestellungen für einzelne Baureihen reichen mittlerweile weit in das kommende Jahr hinein, was die robuste Akzeptanz der jüngsten Modellgenerationen unterstreicht.
Transformationskosten fordern harte Sparmaßnahmen
Gleichzeitig verschärft das veränderte Absatzgefüge das Margenprofil des Unternehmens. Während die volumenstarken Stromer hochfahren, dämpfen teure Batteriekomponenten und sinkende Volumina bei den Verbrenner-Flaggschiffen das operative Gesamtergebnis. Der Konzern steuert daher mit strikter Ausgabendisziplin gegen, um die Renditeziele mittelfristig zu verteidigen.
Bis zum Frühjahr verließen im Rahmen eines Abfindungsprogramms rund 5.500 Beschäftigte in Deutschland das Unternehmen. Über die Sparinitiative peilt das Management bis 2027 jährliche Einsparungen von rund 5 Milliarden Euro an. Die Bewährungsprobe für die Stuttgarter bleibt hoch: Das Management muss beweisen, dass die Margen der boomenden Elektromodelle die Gewinneinbußen aus Fernost zügig auffangen können.
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