Im langwierigen juristischen Tauziehen um angebliche Manipulationen bei Diesel-Abgaswerten gibt es Neuigkeiten aus Großbritannien. Der High Court of Justice in London verweigerte Klägern am Donnerstag die Erlaubnis, gegen ein früheres Urteil in den dortigen Diesel-Emissionsklagen Berufung einzulegen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die betroffenen Kläger haben allerdings noch die Möglichkeit, sich direkt an den Court of Appeal zu wenden.
Die vorherige Entscheidung des Londoner Gerichts hatte die Mehrheit der Vorwürfe gegen verschiedene Fahrzeughersteller zurückgewiesen. Für Mercedes-Benz bedeutet der Beschluss vom Donnerstag vorerst eine Erleichterung an einer juristischen Front. Ganz ausgestanden ist das Verfahren für die beteiligten Autokonzerne jedoch noch nicht, da der Weg zur nächsthöheren Instanz formal offenbleibt.
Gegenwind auf den Kernmärkten
Die Atempause vor Gericht fällt in eine operative Bewährungsprobe. Am Freitag ging die Aktie bei 39,73 Euro aus dem Handel. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit ein Minus von 34 Prozent, belastet von der spürbaren Zurückhaltung der Kundschaft in wichtigen Absatzregionen.
Vor allem in Fernost geraten deutsche Premiumhersteller zunehmend in Bedrängnis. Im dritten Quartal sanken die weltweiten Auslieferungen von Mercedes-Benz Cars um 8 Prozent auf 407.200 Einheiten. Maßgeblich dafür war der chinesische Markt, auf dem die Verkäufe um 31 Prozent auf 86.800 Pkw einbrachen. Gleichzeitig legte der weltweite Absatz rein elektrischer Pkw bei der Pkw-Sparte im gleichen Zeitraum um 61 Prozent auf 68.400 Fahrzeuge zu.
Sparprogramm und anstehende Quartalszahlen
Zusätzliche Unruhe brachten interne Diskussionen über die künftige Ausrichtung. Einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge verschärfte sich die Auseinandersetzung zwischen der Unternehmensführung und der Arbeitnehmervertretung über Kostensenkungen, Arbeitszeiten und die Standortabsicherung.
Im Zentrum der Diskussionen stehen unter anderem ein geplantes Abfindungsprogramm sowie eine verschobene tarifliche Sonderzahlung. Um dem schwächeren Marktumfeld zu begegnen, setzt das Management an mehreren Stellen den Rotstift an.
Parallel dazu setzt der Konzern Kapitalmaßnahmen zur Kurspflege fort. Vom 28. September bis einschließlich 2. Oktober erwarb das Unternehmen 875.000 eigene Aktien über das laufende Rückkaufprogramm. Seit Monatsbeginn September belief sich das Volumen bis zu diesem Stichtag auf 3.851.805 Papiere.
Mehr Klarheit über die finanziellen Belastungen durch China und die Restrukturierung erwarten Marktteilnehmer am 28. Oktober. Dann legt die Mercedes-Benz Group die vollständigen Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 vor.
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