Ein Gericht in London entlastet Mercedes-Benz in einem Milliardenverfahren um Diesel-Abschalteinrichtungen. Die Aktie reagiert kaum. Das zeigt: Die eigentlichen Probleme des Konzerns liegen woanders.

Entlastung im britischen Milliardenverfahren

Der High Court of England and Wales hat am Freitag die meisten zentralen Vorwürfe in einer Sammelklage abgewiesen. Rund 1,6 Millionen Kläger stehen darin mehreren Autoherstellern gegenüber, auch Mercedes-Benz. Der Vorwurf: Die Unternehmen sollen Stickoxid-Emissionen außerhalb von Labortests manipuliert haben.

Mercedes-Benz hatte stets betont, seine Fahrzeuge im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben entwickelt zu haben. Die Abweisung der Kernvorwürfe senkt vorerst das Risiko hoher Schadensersatzzahlungen. Im Herbst folgt allerdings ein weiteres Verfahren. Dort geht es um mögliche verbliebene Verstöße und Entschädigungsfragen.

Neue Struktur für Anleihen

Parallel zum Gerichtsverfahren baut Mercedes-Benz seine Finanzarchitektur um. Eine niederländische Tochtergesellschaft übernimmt künftig die Rolle als Emittentin für mehrere Anleiheserien. Die Konzernmutter garantiert dabei weiterhin unwiderruflich für alle Zahlungsverpflichtungen.

Das Unternehmen will damit die Verantwortlichkeiten innerhalb der Struktur klarer verteilen. Solche Anpassungen der Finanzierungslinien laufen bei Mercedes-Benz schon länger, um die Kapitalstruktur effizienter zu gestalten.

Kurs bleibt unter Druck

An der Börse verpufft die positive Nachricht aus London fast wirkungslos. Die Aktie schließt am Freitag bei 43,95 Euro, ein Plus von nur 0,23 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 28,71 Prozent zu Buche.

Der Kurs notiert damit nur 3,07 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro, erreicht Ende Juni. Zum 50-Tage-Durchschnitt fehlen 8,35 Prozent, zur 200-Tage-Linie sogar 19,46 Prozent. Ein RSI von 38,4 zeigt: Das Papier steckt charttechnisch tief in der Korrektur.

Die Schwäche hat operative Gründe. Der chinesische Markt, wichtigster Absatzort für die margenstarken Luxusmodelle, belastet die Gesamtbilanz erheblich. Zwar wuchs der Absatz vollelektrischer Fahrzeuge zuletzt um 51 Prozent. Die Sparmaßnahmen des Konzerns sorgten aber bereits für Protest in der Belegschaft, weil Sonderzahlungen verschoben wurden.

In der kommenden Woche steht für Investoren ein Pre-Close Call an. Das Management wird dort aktuelle Entwicklungen einordnen. Ende Juli folgen dann die vollständigen Zahlen für das zweite Quartal – mit besonderem Fokus auf die operative Marge, die zeigen muss, ob die Sparmaßnahmen tatsächlich greifen.