Mercedes-Benz verlagert Produktion dorthin, wo sie billiger ist. Am Dienstag eröffnet CEO Ola Källenius das massiv erweiterte Werk im ungarischen Kecskemét. Die Botschaft dahinter: Der Autobauer baut künftig deutlich mehr Fahrzeuge außerhalb Deutschlands.

Die Aktie reagiert positiv. Am Dienstag steigt der Kurs um 1,43 Prozent auf 44,89 Euro, nach einem Schlusskurs von 44,26 Euro am Vortag. Der langfristige Trend bleibt davon unberührt: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 27,19 Prozent zu Buche, der Titel notiert weit unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 54,48 Euro.

Kecskemét wird zur größten Fabrik Europas

Rund eine Milliarde Euro hat Mercedes-Benz in den Ausbau investiert. Die Werksfläche wächst von 200 auf 440 Hektar. Damit ist Kecskemét jetzt die größte Produktionsstätte des Konzerns in Europa und die zweitgrößte weltweit.

Zur Eröffnung, an der auch der ungarische Premier Magyar teilnahm, startet gleichzeitig die Produktion der neuen elektrischen C-Klasse. Der Standort übernimmt damit sofort eine zentrale Rolle in der Elektrostrategie des Konzerns.

Der Grund für die Verlagerung ist simpel: Geld. Die Produktionskosten in Ungarn liegen laut Branchenberichten rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Mercedes-Benz will den Anteil der Fertigung in Niedriglohnländern von aktuell 15 Prozent auf künftig 30 Prozent verdoppeln.

Deutsche Werke bleiben trotzdem wichtig. Sie konzentrieren sich künftig stärker auf Forschung, Entwicklung und den Bau von Premiumfahrzeugen. Die Volumensfertigung wandert dagegen dorthin, wo die Kostenstruktur günstiger ist.

Schwaches 2025 erhöht den Druck

Die Verlagerung kommt nicht aus heiterem Himmel. Im Geschäftsjahr 2025 sank der Umsatz um 9 Prozent, das operative Ergebnis halbierte sich. Kein Wunder, dass der Konzern jetzt an der Kostenschraube dreht.

BMW zieht in Ungarn ebenfalls nach und baut dort Kapazitäten für den iX3 auf. Mercedes-Benz sieht sich dennoch im Vorteil: Der Kostenvorteil ist hoch, und die elektrische C-Klasse läuft bereits früh vom Band.

Luxussegment in Asien läuft gut

Während die Produktionsseite im Umbau steckt, meldet der Vertrieb positive Signale aus Asien. Der koreanische Partner Hansung Motor zählt über 930 Vorbestellungen für die neue S-Klasse und die Maybach S-Klasse. Besonders in den Showrooms im gehobenen Distrikt Gangnam ist die Nachfrage nach den Modellen mit dem neuen MB.OS-Betriebssystem hoch.

Das zeigt: Im margenstarken Luxussegment bleibt die Marke stark, trotz des härteren globalen Wettbewerbs.

Was der Markt jetzt beobachtet

Mit einem RSI von 44,8 bewegt sich die Aktie in einem neutralen Bereich. Die Marktkapitalisierung liegt bei 41,94 Milliarden Euro. Der Titel notiert 27,95 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro, aber nur 5,28 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro.

Ob die Effizienzgewinne aus Ungarn und der Hochlauf der neuen Elektromodelle reichen, um die operative Marge im zweiten Halbjahr 2026 zu stabilisieren, entscheidet sich in den kommenden Quartalsberichten. Die Werkserweiterung in Kecskemét liefert dafür zumindest die strukturelle Basis.