Mercedes-Benz feiert an diesem Wochenende ein historisches Jubiläum. Vor einem Jahrhundert fusionierten Daimler und Benz. Auf dem Parkett herrscht allerdings Katerstimmung. Die Stuttgarter verlieren im europäischen Heimatmarkt spürbar an Boden.
Schwacher Mai und Elektro-Flaute
Der europäische Automobilmarkt wuchs im Mai robust. Die Neuzulassungen kletterten branchenweit um 3,6 Prozent auf 1,15 Millionen Fahrzeuge. Mercedes-Benz hinkt dieser Dynamik hinterher. Der Konzern verzeichnete in der EU lediglich ein mageres Plus von 0,7 Prozent. Die Konkurrenz zieht davon.
Besonders deutlich zeigt sich das Problem bei den Elektroautos. Während der Gesamtmarkt für Batteriefahrzeuge um knapp 39 Prozent zulegte, schwächelt die Nachfrage nach elektrischen Stern-Modellen. Investoren fordern mehr Tempo bei der Transformation. Das klassische Verbrennergeschäft stützt den Konzern zwar, liefert aber keine neuen Impulse.
Luxus-Offensive gegen den Abwärtstrend
Konzernchef Ola Källenius steuert mit neuen Modellen im obersten Luxussegment gegen. Das überarbeitete Facelift der S-Klasse soll ab 2026 die Spitzenposition verteidigen. Parallel dazu startete im spanischen Vitoria die Serienproduktion des Luxus-Vans VLE.
Der neue Stromer basiert auf einer 800-Volt-Architektur. Er verspricht eine Reichweite von über 700 Kilometern. Die Einstiegsversion rollt im ersten Quartal 2027 zu den Händlern. Später folgt eine leistungsstärkere Allradvariante. Währenddessen pumpt Mercedes massiv Geld in die chinesische Forschung. Der Fokus liegt auf KI-Assistenzsystemen, um lokale Software-Konkurrenten abzuwehren.
Kurs nahe am Jahrestief
Die Skepsis der Börse drückt den Aktienkurs tief in den Keller. Am Donnerstag schloss das Papier bei 44,59 Euro. Damit notiert der Titel gefährlich nah am jüngsten 52-Wochen-Tief von 43,99 Euro. Seit Januar verbrannte die Aktie rund 27 Prozent ihres Wertes.
Ein rascher Aufschwung zeichnet sich technisch nicht ab. Der RSI-Wert von 32,9 signalisiert eine fast überverkaufte Lage. Dennoch fehlt jegliches Momentum. Die wichtige 200-Tage-Linie verläuft bei 55,09 Euro und ist in weite Ferne gerückt. Die Folge: ein massiver Abwärtstrend.
Am 28. Juli 2026 öffnet Mercedes-Benz die Bücher für das zweite Quartal. Dann muss das Management Farbe bekennen. Die eingeleiteten Sparprogramme und der Fokus auf teure Modelle müssen dann greifbare Resultate bei der operativen Marge liefern.
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